Telematikinfrastruktur verzögert sich

Mann beim Hausarzt
Technikprobleme: Der geplante Rollout der Telematikinfrastruktur bis zum 1. Juli 2018 ist offenbar nicht zu halten (Foto: © contrastwerkstatt/fotolia.com)

Seit dem 1. Juli 2017 werden Arztpraxen nach und nach an die Telematikinfrastruktur (TI) angebunden. Doch nun hat sich das Bundesgesundheitsministerium (BMG) für eine Fristverlängerung für Ärzte ausgesprochen.

Bisher war geplant, den Rollout der Telematikinfrastruktur bis zum 1. Juli 2018 abzuschließen. Neue Frist für die erste Anwendung, also den Online-Abgleich der Versichertenstammdaten, soll nun der 31. Dezember 2018 sein. Dies betrifft auch den Rollout der elektronischen Gesundheitskarte (eGK).

Hauptgrund für die weitere Verzögerung ist womöglich die schleppende Bereitstellung von Konnektoren durch die Industrie. Zwar konnte die mit dem Telematik-Rollout betraute Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte (Gematik) zum 1. Juli 2017 den Startschuss geben. Derzeit steht hier aber nur das Gerät aus der Testregion Nordwest bereit. Die österreichische Firma RISE wurde allerdings beauftragt, einen weiteren Konnektor für den bundesweiten Rollout zu entwickeln (mednic berichtete). Mit diesem zweiten Konnektor ist jedoch wegen des Ausschreibungsverfahrens nicht vor dem ersten Quartal 2018 zu rechnen.

Probleme mit den Kartenlesern, wie verschiedene Medienberichte andeuten, gibt es indes nicht. Der Gematik liegen mehrere Zulassungsanträge vor. Bei den Kartenlesern können Arztpraxen folglich mit einer (übersichtlichen) Produktauswahl rechnen.

Bitkom weist Kritik zurück

Der IT-Branchenverband Bitkom weist derweil alle „einseitigen Schuldzuweisungen in Richtung Industrie“ als unbegründet zurück. Nur durch eine effiziente Zusammenarbeit aller Beteiligten in einem kooperativen Umfeld sei ein schneller Rollout weiterhin möglich.

Deutlich warnt der Bitkom vor einem Scheitern des Rollouts: Dies würde die vielfach geforderte und „dringend gebotene Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens um viele Jahre zurückwerfen“. Angesichts der sektoralen Aufsplitterung des deutschen Gesundheitswesens sei eine zentrale Telematik-Infrastruktur für den gesamten Bereich unverändert die zentrale Weichenstellung, wenn die Digitalisierung in diesem Bereich gelingen soll, betont der Bitkom.

Compugroup bleibt zuversichtlich

Der auf Softwarelösungen für den Gesundheitsbereich spezialisierte Anbieter Compugroup hat trotz des möglichen, späteren Starts der Telematikinfrastruktur seine Prognosen für das laufende Geschäftsjahr bestätigt. Das Unternehmen geht jetzt von einem Beginn für den Rollout der Telematik-Infrastruktur im Oktober 2017 aus. Die Compugroup-Jahresprognose, die einen Umsatzanstieg von 560 Millionen Euro im Vorjahr auf zwischen 600 und 630 Millionen in diesem Jahr vorsah, soll nun dadurch gehalten werden, dass Installation und Inbetriebnahme „effizienter“ und „schneller“ als ursprünglich geplant erfolgen sollen.

Einen aktuellen Rundum-Überblick über den Stand des Aufbaus der Telematikinfrastruktur bekommen Interessenten auf dem Fachkongress „eHealth.NRW – Das digitale Gesundheitswesen“. Das kostenlose Veranstaltungsformat findet am 26. September 2017 in Essen statt.