Medizinprodukte-Verordnung bremst Medtech-Branche

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Plasmapheresegerät: Unternehmen der Medizintechnologie befürchten negative Folgen der MDR-Implementierung (Foto: © Kzenon/fotolia.com)

Laut der Herbstumfrage 2018 des BVMed – Bundesverband Medizintechnologie e.V. betrachten 81 Prozent der Medtech-Unternehmen die neue EU-Medizinprodukte-Verordnung (MDR) als Hemmnis für weiteres Branchenwachstum. Sie werde sich auch negativ auf die Patientenversorgung auswirken.

Die Umsätze der Unternehmen der Medizintechnologie wachsen weltweit nach wie vor durchschnittlich mit knapp sechs Prozent. Die Entwicklung im inländischen Markt zeigt sich 2018 mit einem Umsatzwachstum von 4,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr verbessert. Die Gewinnsituation der Unternehmen ist in Deutschland aufgrund sinkender Preise und höherer Kosten aber weiter angespannt.

Als größtes Hemmnis für die künftige Entwicklung der Medizintechnologie-Branche sehen die Unternehmen die gestiegenen Anforderungen und die steigenden Kosten durch die neue EU-Medizinprodukte-Verordnung (MDR) sowie Engpässe bei den Benannten Stellen an. 81 Prozent bezeichnen die zusätzlichen Anforderungen durch die MDR als größtes Hemmnis für die künftige Entwicklung der Medizintechnologie-Branche. Dabei geht es vor allem um die Pflicht zu umfassenden klinischen Daten (60 Prozent) und um längere Zulassungszeiten durch Ressourcendefizite bei den Benannten Stellen (55 Prozent). Das neue Scrutiny-Verfahren betrifft dagegen weniger Unternehmen (30 Prozent), stellt aber insbesondere für die Implantate-Hersteller ein großes Hemmnis dar.

Als Folge der MDR-Implementierung befürchten zwei Drittel der Unternehmen, dass Produkte aus ökonomischen Gründen vom Markt genommen oder erst gar nicht auf den Markt gebracht werden – und darunter letztlich auch die Patientenversorgung leiden wird.

Digitalisierung verändert Abläufe

Nur 41 Prozent der MedTech-Unternehmen sehen sich von der Digitalisierung stärker betroffen. Große Veränderungen erwarten sie vor allem durch elektronische Rechnungen und medizinische Apps. Einen Wandel erwarten die befragten Unternehmen zudem im Bereich der „Digitalisierung administrativer Vorgänge“ (76 Prozent), bei elektronischen Rechnungen (eInvoicing, 45 Prozent) und medizinischen Apps (43 Prozent). Im Bereich Produktion/Industrie 4.0 sehen sich 36 Prozent betroffen. Weitere wichtige Digitalisierungsthemen der MedTech-Branche sind elektronische Beschaffungsmaßnahmen (eProcurement, 35 Prozent), telemedizinische Anwendungen (33 Prozent), Big-Data-Anwendungen und künstliche Intelligenz (25 Prozent) sowie 3D-Prototyping oder 3D-Druck (20 Prozent)

Jobmotor Gesundheitswirtschaft

Laut Zahlen des Bundeswirtschaftsministeriums beschäftigte die gesamte Medizinprodukte-Branche im Jahr 2017 etwa 195.000 Erwerbstätige. Nimmt man Kleinstunternehmen hinzu, bietet die Branche damit über 200.000 Arbeitsplätze in Deutschland. In den letzten fünf Jahren sind hier 12.000 neue Jobs hinzugekommen. Dieser positive Trend setzt sich nach den Ergebnissen der BVMed-Herbstumfrage 2018 in diesem Jahr fort. 51 Prozent der teilnehmenden Unternehmen gaben an, zusätzliche Jobs gegenüber dem Vorjahr geschaffen zu haben. Nur neun Prozent der Unternehmen müssen Arbeitsplätze reduzieren. 57 Prozent der Unternehmen rechnen dabei mit zusätzlichem Personalbedarf durch die neue EU-Medizinprodukte-Verordnung (MDR). 35 Prozent geben an, diese mit dem vorhandenen Personal bewältigen zu wollen.

Großer Fachkräftebedarf

Die Berufsaussichten für Fachkräfte in der MedTech-Branche sind ausgezeichnet. 94 Prozent der befragten Unternehmen halten die Berufsaussichten für unverändert gut oder besser. Gesucht werden vor allem Medizintechniker (36 Prozent) und Ingenieure (27 Prozent), aber auch Pfleger (25 Prozent), Naturwissenschaftler (25 Prozent) und Wirtschaftswissenschaftler (23 Prozent). Auch Informatiker (15 Prozent) und Mediziner (14 Prozent) werden mit ihren Qualifikationen in der MedTech-Branche gesucht.

Gesundheitspolitische Forderungen

Bei den gesundheitspolitischen Forderungen wünschen sich die MedTech-Unternehmen vor allem eine aktive Beteiligung der Industrie und mehr Transparenz der Prozesse des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA, 47 Prozent). Bei knapp der Hälfte der Unternehmen, die sich an der BVMed-Herbstumfrage beteiligt haben, stehen die Verkürzung der Dauer der Bewertungsverfahren (45 Prozent) und eine bessere Fortschrittskultur, die sich stärker am Patientenbedürfnis orientiert (44 Prozent), oben auf der Prioritätenliste.

Der BVMed führte die Herbstbefragung 2018 bei seinen Mitgliedsunternehmen online mit insgesamt 24 Fragen durch. Von den angeschriebenen 225 BVMed-Mitgliedsunternehmen haben sich 110 Unternehmen beteiligt, darunter zu 68 Prozent Hersteller, zu 22 Prozent Handelsunternehmen, zu sechs Prozent sonstige Leistungserbringer (Homecare) sowie zu vier Prozent Zulieferer oder Vorlieferanten.