KI-gestützte Implantate sollen Anfälle erkennen und sofort eingreifen – und damit den Patienten Lebensqualität zurückgeben, wie Karl Stoklosa, CEO von Precisis, in seinem Gastbetrag erläutert.
Gastbeitrag von Karl Stoklosa
Für Millionen Menschen weltweit sind neurologische Erkrankungen wie Epilepsie ständige Begleiter. Doch künstliche Intelligenz (KI) , die direkt im Gehirn unterstützend wirkt, könnte ein Gamechanger sein. Wie einst der Taschenrechner die Anwendung der Mathematik für immer transformierte, so kann KI auch die Gesundheitsbranche auf eine Art und Weise verändern, die vor wenigen Jahren noch unvorstellbar schien. Für Menschen mit Epilepsie könnte das ein Wendepunkt sein. Mit KI-gestützten Neuroimplantaten können wir in Zukunft neuronale Muster in Echtzeit analysieren und individuell auf aufkommende Anfälle reagieren. Für Patienten kann das bedeuten: weniger Anfälle, mehr Sicherheit im Alltag und die Aussicht auf eine personalisierte Therapie.
Ein Zukunftssprung dank KI-gestützter Implantate
Wir stehen an einem entscheidenden Punkt in der Neurotechnologie. Künstliche Intelligenz wird zunehmend als Schlüsseltechnologie diskutiert, um die Versorgung von Menschen mit Epilepsie langfristig weiterzuentwickeln. Bei Precisis beschäftigen wir uns im Rahmen von Forschungs und Entwicklungsaktivitäten ebenfalls mit der Frage, wie KI dazu beitragen kann, neurologische Signale besser zu verstehen und therapeutische Ansätze künftig weiter zu verfeinern. Diese Überlegungen sind Teil eines langfristigen Innovationsprozesses. Sie unterstreichen das große Potenzial, das KI für die Weiterentwicklung neurotechnologischer Therapien haben kann.
Langfristig könnte dies Patienten mehr Lebensqualität, weniger Anfälle und eine Therapie bieten, die sich dynamisch an ihre Bedürfnisse anpasst. Mit dieser Arbeit bereiten wir den Weg für eine Zukunft, in der Neurotechnologie und KI nicht nur Symptome behandeln, sondern proaktiv, nachhaltig und effektiv das Leben von Patienten verbessern können. Unser Ziel ist es, diese Vision Schritt für Schritt in die Realität zu überführen und den minimalinvasiven Hirnschrittmacher EASEE zu einem noch personalisierteren und wirkungsvolleren Therapiesystem zu entwickeln.
Medizintechnik als anerkannte Leitwirtschaft: Potenziale konsequent nutzen
Medizintechnik ist eine Leitwirtschaft – und die Neurotechnologie ist ihr strategisches Herzstück. Es reicht jedoch nicht aus, innovative Lösungen nur im Labor zu entwickeln. Wir müssen sie auch effizient zur Marktreife führen, um international wettbewerbsfähig zu bleiben. Zwar erkennt die Politik die Branche zunehmend als strategischen Schlüssel für den Standort Deutschland. Auch im im Koalitionsvertrag der derzeitigen Regierung wird sie hervorgehoben. Doch die Realität in der Unternehmensführung sieht oft anders aus. Bürokratische Hürden, komplexe Regulierungsprozesse und lange Genehmigungszeiten bremsen uns aus. Wenn wir die MedTech-Industrie wirklich als stabilisierende Säule unserer Wirtschaft etablieren wollen, brauchen wir investitionsfreundliche Rahmenbedingungen und einen konsequenten Abbau von Bremsklötzen. Nur im engen Schulterschluss von Politik und Wirtschaft kann Deutschland seine Rolle als Innovationsführer behaupten.
US-Markt: Ein strategischer Schritt für deutsches Neurotech
Mit der FDA-Genehmigung zur Durchführung der IDE-Studie EASEE4US erreichen wir bei Precisis einen Meilenstein, der weit über unser Unternehmen hinausweist. Erstmals erhält ein in Deutschland entwickeltes Neurostimulationsverfahren für Epilepsie Zugang zu einem US-Zulassungspfad für die Behandlung therapieresistenter fokaler Epilepsie. Diese Entscheidung ist ein klarer Hinweis auf die internationale Relevanz der Technologie. Die Kombination aus Breakthrough-Status und IDE-Freigabe eröffnet die Chance, die in Europa gesammelten Erfahrungen nun auch unter den anspruchsvollsten regulatorischen Bedingungen weiterzuentwickeln. Nur wenige deutsche MedTech-Unternehmen haben bislang den Sprung in ein priorisiertes FDA-Zulassungsverfahren geschafft. Ein Schritt, der eine bewährte europäische Neurotechnologie in den größten Gesundheitsmarkt der Welt führen könnte.

