Smart Health rückt in den Mittelpunkt

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Smarte Medizin: „Patientenzentriertes Gesundheitswesen kann maßgeblich von Technologien profitieren“ (Grafik: © macrovector – fotolia.com)

Das Beratungsunternehmen Deloitte hat zwei Studien zum Gesundheitswesen und zum Life-Sciences-Sektor veröffentlicht. Die Analysten sagen: Der Gesundheitsbereich muss smarter werden, um künftigen Anforderungen zu genügen. Die steigende Lebenserwartung, zunehmende Zivilisationskrankheiten sowie ein erhöhter Kosten- und Regulierungsdruck verstärken den Handlungsbedarf.

In den beiden jetzt neu veröffentlichten Studien „Global Health Care Outlook“ und „Global Life Sciences Outlook“ unterstreichen die Berater von Deloitte, dass es im gesamten Gesundheitsbereich umfassende Anstrengungen braucht, um „Patienten, Unternehmen und Stakeholder gleichermaßen anzusprechen“. Die Analysten mahnen den Wandel fort von einer volumen- und hin zu einer wertbasierten Versorgung und Vergütung an. Die verstärkte Einbindung des Patienten sei ebenfalls notwendig. Als Schlüssel zum Erfolg sehen die Berater neue technische Möglichkeiten – neudeutsch “Smart Health”. Der Einsatz smarter Technologien soll dem gesamten Sektor „attraktive Perspektiven“ eröffnen.

Studie „Global Life Healthcare Outlook“ Downloadlink

Studie „Global Life Sciences Outlook“ Downloadlink

Drastisch steigende Gesundheitsausgaben

„Bis 2021 werden die weltweiten Gesundheitsausgaben pro Jahr um über vier Prozent steigen. Grund dafür ist unter anderem eine steigende Lebenserwartung, die dann bei 74,1 Jahren liegen wird. Der Anteil der Über-65-Jährigen wächst auf global 11,5 Prozent. Zudem spielen – meistens chronische – Zivilisations- und Alterskrankheiten eine zunehmende Rolle: Alle drei Sekunden erkrankt ein Mensch durchschnittlich an Demenz, schon heute kostet die Behandlung der Krankheit und ihrer Folgen weltweit Billionen“, zeigt Dr. Sebastian Krolop, Partner und Leiter Life Sciences & Health Care bei Deloitte, aktuelle Herausforderungen auf.

Seniorenanteil wächst stetig

In Westeuropa, wo die Über-65-Jährigen in drei Jahren bereits ein ganzes Fünftel der Population ausmachen werden, steigen die Gesundheitsausgaben schätzungsweise auf über zwei Billionen US-Dollar – 2015 waren es noch knapp 1,7 Billionen. In den USA und Kanada liegt die Zahl sogar doppelt so hoch. In Deutschland entspricht dies gut 11 Prozent des Bruttosozialprodukts. Damit die Kosten nicht überhandnehmen und die Anbieter profitabel arbeiten können, braucht es völlig neue Strategien, die das System deutlich smarter machen.

Ansätze zur Kostenreduktion und Erhöhung der Profitabilität gibt es viele – von vermehrter ambulanter Behandlung über Technologien wie Predictive Analytics in den Laboren bis hin zu neuen Partnerschaften und Kooperationsformen. Auch könnten die einzelnen Anbieter ihr geistiges Eigentum besser erschließen und vermarkten sowie ihre Aktivitäten diversifizieren. Nicht zuletzt geht es natürlich um gezielte Effizienzsteigerung.

Smart Health zur Prävention

Im Zentrum neuer Ansätze und Strategien stehen innovative Technologien. Erst sie erlauben nach dem Urteil der Deloitte-Studien einen Wechsel vom „Reparaturansatz“ zu präventiver Versorgung. Basis dafür sind Big Data und die Fähigkeit, diese Informationen adäquat auszuwerten und zu nutzen. Die Patienten liefern Daten dabei auch über smarte, mobile Devices wie Wearables – der Markt für M-Health-Produkte hat sich in den letzten vier Jahren verdoppelt und bietet heute über 100.000 Apps.

Cloudbasierte Krankenakten gefordert

Cognitive Computing und cloudbasierte, interoperable Krankenakten spielen eine genauso wichtige Rolle wie das Internet der Dinge – und natürlich die Datenintegrität, die bestehende Sicherheitssysteme vor große Herausforderungen stellt. Darüber hinaus kann ein patientenzentriertes Gesundheitswesen maßgeblich von Technologien wie synthetischer Biologie, 3D-Druckern, Nanotechnologie oder Biosensoren profitieren. Es gilt nun, diese Technologien in die bestehenden Strukturen zu integrieren. Auch die Themen Telemedizin und Virtual Reality werden in Zukunft hier eine größere Rolle spielen.

Patientenzentrierung auch bei Life-Sciences

Wie Deloittes „Global Life Sciences Outlook“ deutlich macht, wird ein stärker patientenzentrierter, personalisierter Ansatz auch in der Life-Sciences-Industrie die weitere Entwicklung maßgeblich bestimmen. Experten schätzen den weltweiten Markt für personalisierte Arzneimittel auf etwa 2,4 Billionen US-Dollar im Jahr 2022 – mit einer jährlichen Wachstumsrate von 11,8 Prozent. Mehr als 40 Prozent von allen Rezepturen und sogar 70 Prozent der Krebsmedikamente können theoretisch ohne größere Probleme personalisiert werden.

Hightech für smarte Forschung und Produktion

Gerade die Biowissenschaften sind von der vierten industriellen Revolution enorm betroffen. Die Berater sind sich sicher: Die entsprechenden Technologien tragen hier zu einer deutlich effizienteren und smarteren Produktion bei. Voraussetzung ist allerdings, dass große Datenmengen adäquat analysiert werden können. Anspruchsvoller 3D-Druck und Gentherapie eröffnen neue Möglichkeiten selbst bei Nischenanwendungen, künstliche Intelligenz sorgt bei der Suche nach neuen Präparaten durch entsprechende Algorithmen für schnellere und bessere Ergebnisse.

„Ein besonders wichtiger Effekt der neuen Technologien ist die Skalierbarkeit und Flexibilität von Prozessen und Ressourceneinsatz. Doch auch in diesem Bereich müssen viele Player vor allem mit einem Problem kämpfen: der potenziellen Bremswirkung von Legacy-Systemen, die eher gestern als heute ersetzt werden sollten“, ergänzt der Analyst Dr. Sebastian Krolop.