Hauptstadtkongress diskutiert Gesundheits-Zukunft

Veranstaltungshalle CityCube Berlin
Der CityCube Berlin ist drei Tage lang Treffpunkt der Gesundheitswirtschaft und Politik (Foto: benbro/fotolia.com)

Zum 21. Mal startet am 6.Juni im City Cube Berlin (CCB) der größte Kongress für Gesundheitspolitik und Gesundheitswirtschaft in Deutschland – der Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit. Für drei Tage treffen sich dort mehr als 8.000 Entscheidungsträger aus dem Gesundheitswesen, der medizinischen Forschung und aus der Pflege.

Unter dem Dach des Hauptstadtforums Gesundheitspolitik finden wie in jedem Jahr drei Fachkongresse statt, und zwar der „Managementkongress Krankenhaus Klinik Rehabilitation“, der „Deutsche Pflegekongress“ und das „Deutsche Ärzteforum“. Hinzu kommen der Tag der Versicherungen, der Fachärztetag und der Apothekertag. Die Ausstellungsflächen rund um die Kongressveranstaltung sind laut Veranstalter bis auf den letzten Quadratmeter von Ausstellern aus allen Bereichen des Gesundheitswesens ausgebucht.

Die Eröffnungsveranstaltung steht im Zeichen des Kongressmottos „Digitalisierung und vernetzte Gesundheit“. Prominente Köpfe aus Digitalwirtschaft und E-Health werden Einblicke in die Zukunft der Medizin geben: Prof. Dr. h. c. Hasso Plattner, Gründer und Vorsitzender des Aufsichtsrats des Softwarekonzerns SAP, stellt in einer ausführlichen Videobotschaft sein Projekt einer Health Cloud vor. Ziel der Cloud: Sämtliche diagnostischen Daten von Patienten sollen allen behandelnden Ärzten zur Verfügung stehen. Zudem soll die Cloud mittels künstlicher Intelligenz neue medizinische Therapien hervorbringen. Ziel ist es für Hasso Plattner, durch gezielten Einsatz digitaler Technik die medizinische Behandlung zu verbessern und gleichzeitig auch die Kosten zu senken.

Spahn nennt Details

Danach führt der renommierte Spitzenforscher: Prof. Dr. Erwin Böttinger, Direktor des im vergangenen Jahr gegründeten Digital Health Center des Hasso-Plattner-Instituts der Universität Potsdam, durch die Veranstaltung. Böttinger ist einer der weltweit führenden Forscher für Digital Health, Big Data und künstliche Intelligenz. Er befragt den Neurowissenschaftler und Physiologen Dr. Martin Hirsch, Enkel des Nobelpreisträgers Werner Heisenberg, zu seiner Entwicklung „Ada“. Ada ist eine App, die als Chat-Bot in Dialog mit dem Nutzer tritt. Sie fungiert dabei als persönliche Gesundheitshelferin: Mit Ada kann der Nutzer eine Vielzahl körperlicher und seelischer Beschwerden abklären. Ada nutzt künstliche Intelligenz und kennt bereits über eintausend Krankheiten mit mehreren Milliarden Symptomkombinationen – von einer einfachen Erkältung bis hin zu seltenen Erkrankungen. Schließlich wird Bundesgesundheitsminister Jens Spahn die Eröffnung des Kongresses mit einem Vortrag zum Thema „Gesundheit und Pflege – was wir erreichen wollen“ abrunden.

Im Anschluss an die Eröffnungsveranstaltung folgt ein wissenschaftliches Highlight des Deutschen Ärzteforums: der Auftritt des Trägers des Deutschen Zukunftspreises, Prof. Dr. Sami Haddadin. Der Robotik-Spezialist ist ein weltweit führender Kopf bei der Entwicklung von Assistenzrobotern für den Massenmarkt. Sein Ziel: Roboter zu erschwinglichen Preisen, die gleichwohl mit künstlicher Intelligenz und der Fähigkeit Menschen zu verstehen ausgestattet sind. Außerdem müssen sie anders als Industrieroboter sofort äußerst sensibel agieren, wenn sie einem Menschen in die Quere kommen. Das könnte vor allem die Pflege revolutionieren – Haddadin spricht von „Geriatronics“.

Rahmenbedingungen müssen sich ändern

In den folgenden drei Tagen geht es in einer ganzen Reihe von Veranstaltungen auch um die Rahmenbedingungen in Deutschland, etwa um die Finanzierung digitaler Gesundheitsleistungen, um regulatorische Probleme, etwa bei der Zulassung und um den strengen Datenschutz, den zuletzt sogar der Deutsche Ethikrat kritisiert hat. Bei all dem steht im Zentrum, wie Deutschland im internationalen Vergleich einen Spitzenplatz erringen kann, anstatt sich im Mittelfeld zu bewegen, wie derzeit.

Drei Monate nach Bildung der Bundesregierung spielen aber beim Hauptstadtkongress auch die neuen Themen und die neuen Gesichter eine besondere Rolle. Auf dem Podium debattieren etwa die gesundheitspolitischen Sprecher der Bundestagsfraktionen miteinander.

Sektor übergreifende Versorgung

Auch wenn die Qualität des deutschen Gesundheitswesens weltweit anerkannt ist, es gibt das große Problem der Aufspaltung in Sektoren – mit gravierenden Folgen für Patienten und Kostenträger. Zur Überwindung haben die Regierungsfraktionen in ihrem Koalitionsvertrag eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe vorgesehen. Es scheint, dass die Politik die Sektor übergreifende Versorgung künftig wirklich zum Standard machen will. Das Thema ist deshalb ebenfalls Schwerpunkt auf dem Hauptstadtkongress, ebenso wie die Pflege, der Morbi-RSA, qualitätsbasierte Vergütung, Fachkräftegewinnung, Patientensicherheit, die Notfallversorgung und vieles andere mehr.

Namhafte Referenten

An den drei Tagen des 21. Hauptstadtkongresses werden viele weitere Spitzenpolitiker und Entscheider aus dem Gesundheitswesen auf den Podien vertreten sein: Die neuen gesundheitspolitischen Sprecher aller Bundestagsfraktionen diskutieren über „Gesundheitspolitik nach der Bundestagswahl“. Mit dabei: Christine Aschenberg-Dugnus (FDP), Sabine Dittmar (SPD), Prof. Dr. Axel Gehrke (AfD), Maria Klein-Schmeink (B90/Grüne), Karin Maag (CDU), Harald Weinberg (Linke).

In einer Veranstaltung diskutieren vier Gesundheitsminister aus den Bundesländern über die Zukunft der Gesundheit, nämlich Dr. Heiner Garg (FDP) aus Schleswig-Holstein, Stefan Grüttner (CDU) aus Hessen, Karl-Josef Laumann (CDU) aus Nordrhein-Westfalen und die Hamburger Senatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD). Das Thema „Gesundheitswirtschaftspolitik“ erörtern vier Wirtschaftsminister aus den Ländern: die Berliner Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne), Anke Rehlinger (SPD) aus dem Saarland, Dr. Volker Wissing (FDP) aus Rheinland-Pfalz und Harry Glawe (CDU) aus Mecklenburg-Vorpommern.

Ärztevertreter kommen

Aus der Ärzteschaft werden unter anderem Bundesärztekammer-Präsident Frank Ulrich Montgomery, der KV-Vorstandsvorsitzende Andreas Gassen, Rudolf Henke, Erster Vorsitzender des Marburger Bundes und Dr. Klaus Reinhardt, Vorsitzender des Hartmannbundes erwartet.

Der Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit ist mit mehr als 8.000 Entscheidern aus Gesundheitswirtschaft und Politik eine jährliche Leitveranstaltung der Branche. Der 21. Hauptstadtkongress findet vom 6. bis 8. Juni 2018 im City Cube Berlin statt.