„Der Effizienzgewinn steht im Vordergrund“

Tobias Wauschkuhn
Dr. med. Tobias Wauschkuhn ist Datenschutzbeauftragter bei dem Berliner Spezialisten samedi (Foto: samedi GmbH)

Digitale Lösungen können den Verwaltungsaufwand verringern. Die teils dennoch langsame Digitalisierung im Gesundheitswesen ist nach Einschätzung des Mediziners Dr. Tobias Wauschkuhn oft darauf zurückzuführen, dass bei Kollegen Angst vor Kontrollverlust besteht und ein großer Umstellungsaufwand befürchtet wird – unbegründet, wie er findet.

Dr. med. Tobias Wauschkuhn ist Datenschutzbeauftragter und bei der Berliner samedi GmbH für die Key Accounts zuständig. Das seit 2008 tätige Unternehmen bietet eine Terminkoordinationslösung für Ärzte und andere medizinische Leistungserbringer und berät Akteure im Gesundheitswesen zur intelligenten Vernetzung. Wauschkuhn stieg bei dem digitalen Spezialisten ein, nachdem sich im Rahmen seiner Doktorarbeit über das Thema „Reha 55+“ gezeigt hat, dass im deutschen Gesundheitssystem großes Verbesserungspotential insbesondere hinsichtlich der Prozessqualität besteht.

mednic: Herr Dr. Wauschkuhn, mit der von samedi angebotenen Lösung zur einfachen Online-Terminvereinbarung müssten Sie doch eigentlich bei nahezu hundert Prozent aller Arztpraxen offene Türen einrennen. Mit welchen Fragen oder Vorbehalten haben Sie hier dennoch zu kämpfen? 

Wauschkuhn: In der Tat gibt es viele gute Argumente für die Einführung entsprechender Lösungen. Arztpraxen können einen besseren Service bieten, sparen Zeit und haben weniger Probleme mit Leerlauf aufgrund vergessener oder nicht abgesagter Termine seitens der Patienten. Trotz fortschreitender Entwicklung im Bereich der Digitalisierung in den letzten Jahren stelle ich jedoch noch immer fest, dass einige Ärzte der Online-Terminvergabe weiterhin skeptisch gegenüberstehen. Allgemein besteht oft Angst vor einem zu hohen Umstellungs- und Zeitaufwand oder es wird ein Kontrollverlust durch die digitale Lösung befürchtet. Diese Angst können wir den Ärzten jedoch in der Regel nehmen, denn samedi hat im Laufe der letzten 12 Jahre ein komplexes Buchungsregelwerk erarbeitet, wodurch der Arzt tatsächlich mehr Kontrolle als vorher hat! 

Überall fehlt es an Zeit, die telefonische Erreichbarkeit ist häufig schlecht, die Wartezeiten sind lang, die No-show-rate ist zu hoch.

Dr. Tobias Wauschkuhn

mednic: Es ist ein offenes Geheimnis, dass viele Ärzte zumindest zum inoffiziellen Austausch mit Kollegen auch Messenger-Dienste wie Whatsapp nutzen. Ist es mit der Sorge um den Datenschutz in Teilen der Ärzteschaft vielleicht gar nicht so weit her? 

Wauschkuhn: Das Grundproblem ist aus meiner Sicht folgendes: Solange es keine guten und vor allem weit verbreiteten Alternativen gibt, wird die Nutzung von Messenger-Diensten wie Whatsapp, wie auch die unsichere Kommunikation per Fax oder unverschlüsselter E-Mail weitergehen. Die Sorge um den Datenschutz tritt dabei aus Mangel an Alternativen in den Hintergrund. Dies wird sich aus meiner Sicht erst ändern, wenn die Ärzteschaft aufgrund entsprechender Präzedenzfälle konkrete Konsequenzen fürchten muss. 

mednic: Wie vielen Praxen und Kliniken geht es Ihrer Einschätzung nach bei neuen, digitalen Lösungen in erster Linie um mehr Effizienz, sprich: Um eine einfach zu nutzende Lösung, die den täglichen Workflow verbessert, den Verwaltungsaufwand nicht noch weiter vergrößert und möglichst keine Einarbeitungszeit benötigt? 

Wauschkuhn: Der Effizienzgewinn steht für fast jeden unserer Kunden im Vordergrund. Überall fehlt es an Zeit, die telefonische Erreichbarkeit ist häufig schlecht, die Wartezeiten sind lang, die No-show-rate ist zu hoch. Die Online-Terminkoordination kann viel dazu beitragen, dass man diese Probleme löst oder aber deutlich verringert. Dabei war uns von Anfang an klar, dass man die Terminbuchung bei einem Arzt nicht mit der simplen Tischreservierung in einem Restaurant vergleichen kann. Wir begleiten die medizinischen Einrichtungen bei der Einführung und sorgen dafür, dass individuelle Abläufe und Strukturen in der Software abgebildet sind. Aufgrund unserer jahrelangen Erfahrung bei der Kalenderumstellung erfolgt der Wechsel zeiteffizient und mit überschaubarem Aufwand für den Kunden. Neben dem Effizienzgewinn spielt für Praxen gerade in Ballungszentren auch die Konkurrenzsituation eine wichtige Rolle. Es spricht sich on- und offline herum, wer einen guten Service bietet. Auch für eine Arztpraxis spielt das Thema Marketing heute eine zunehmend wichtige Rolle, um neue Patienten zu gewinnen.  

Die Versorgung der Zukunft ist aus meiner Sicht patientenzentriert, vollständig vernetzt und AI-gestützt.

Dr. Tobias Wauschkuhn

mednic: Kürzlich stand ein europäischer Antivirus-Anbieter in den Schlagzeilen, der über eine Tochterfirma massenweise Browserdaten von Kunden zu Werbezwecken verkauft haben soll. Wie kann man heute als Arzt oder IT-Verantwortlicher in einer Klinik sichergehen, dass man angesichts der Vielzahl von Anbietern digitaler Lösungen nicht – unabsichtlich – an einen unseriösen Partner gerät, der es mit dem Datenschutz alles andere als genau nimmt? 

Wauschkuhn: Es ist für einen Arzt, aber auch für einen IT-Verantwortlichen in einer Klinik häufig schwer zu beurteilen, inwiefern ein Anbieter das Thema Datenschutz wirklich ernst nimmt. Aus meiner Sicht ist es ratsam, sich durch geeignete Zertifikate die Datenschutzkonformität des Anbieters nachweisen zu lassen. Wir bei samedi lassen unsere Plattform seit vielen Jahren extern zertifizieren, etwa durch den TÜV Saarland oder früher schon durch eine Zertifizierung für das KV-Safenet. Das Hosting unserer Lösungen erfolgt in einem Rechenzentrum in Deutschland, welches nach Tier3-Standard errichtet wurde und nach ISO:27001 zertifiziert ist.  

mednic: Wie erfolgt die Integration ihrer Lösungen in der Arztpraxis oder in der Klinik? Wer stellt die Vernetzung beispielsweise mit einem vorhandenen KIS sicher und an wen kann man sich wenden, wenn Fragen oder Probleme auftauchen? 

Wauschkuhn: In 12 Jahren Firmengeschichte haben wir mittlerweile umfangreiche Erfahrung in der Schnittstellenanbindung mit über 40 Praxis- und Krankenhausinformationssystemen gesammelt. In Arztpraxen ersetzt unsere Lösung den bestehenden Kalender, so dass auch die interne Terminvergabe über samedi erfolgt. Über Schnittstellen ist samedi dabei an das Praxisverwaltungssystem angebunden und kann – je nach Hersteller – per Knopfdruck Patientendaten übertragen, den Termin als Akteneintrag in das Praxisverwaltungssystem zurückschreiben sowie per Klick auf den samedi-Termin die jeweilige Patientenakte im PVS öffnen. In Abhängigkeit vom verwendeten Praxisverwaltungssystem werden die Schnittstellen dabei von samedi oder dem jeweiligen PVS-Anbieter eingerichtet und gewartet. In Kliniken wird samedi normalerweise dem bestehenden KIS-Kalender vorgeschaltet. Über eine bidirektionale Schnittstelle erfolgt die Anbindung an das KIS, wodurch in Echtzeit Online-Terminbuchungen von Patienten oder Zuweisern in den internen Kalender übertragen werden können. Die Mitarbeiter arbeiten dabei weiterhin mit dem gewohnten KIS-Kalender. Fragen und Probleme werden in Abhängigkeit vom verwendeten KIS oder AIS durch samedi oder zusammen mit dem jeweiligen Anbieter gelöst. Mit Hilfe der Fernwartung ist in den meisten Fällen eine schnelle Hilfe möglich. 

mednic: Wie sehen Sie die Zukunft des Gesundheitswesens in Deutschland? Welchen Beitrag könnte ihr Unternehmen hier leisten? 

Wauschkuhn: Die Versorgung der Zukunft ist aus meiner Sicht patientenzentriert, vollständig vernetzt und AI-gestützt! Wir von samedi wollen die Grundlage für diese Vernetzung schaffen, indem wir durch eine skalierbare Online-Terminkoordination die einfache Planung sektorenübergreifender, aufeinander abgestimmter Behandlungsprozesse ermöglichen. Das bedeutet: Weg von einer ‚Schritt für Schritt‘-Planung, hin zu ganzheitlichen, aufeinander abgestimmten Behandlungskonzepten. Durch den automatisierten Versand terminartspezifischer Nachrichten per SMS und E-Mail können wir Patienten schon heute zum richtigen Zeitpunkt mit relevanten Informationen auf den nächsten Behandlungsschritt vorbereiten und somit den Behandlungsprozess aktiv unterstützen.

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