Cloud im Gesundheitsbereich: „Die Furcht vor Hackerangriffen ist enorm groß“

Exklusiv-Interview mit Milko Jovanoski, International Marketing Manager für den Healthcare-Bereich beim Spracherkennungsspezialisten Nuance Communications. (Foto: Nuance)

Mednic.de sprach mit Milko Jovanoski, International Marketing Manager für den Healthcare-Bereich beim Spracherkennungsspezialisten Nuance Communications, über Spracherkennungslösungen im Healthcare-Sektor, über künstliche Intelligenz und darüber, wie die Furcht vor Hackerangriffen in Deutschland die Einführung von Private Cloud-Lösungen im Gesundheitsbereich behindert.

mednic.de: Herr Jovanoski, die Spracherkennungssoftware von Nuance ist im medizinischen Bereich recht bekannt und wird gerade in Kliniken häufig genutzt. Wo sehen sie noch Wachstumspotential im Gesundheitswesen?

Milko Jovanoski: Unsere Lösungen sind im klinischen Bereich in der Tat recht bekannt. Allerdings setzen viele Krankenhäuser die Nuance-Technologie bislang nur in wenigen Bereichen ein, was häufig auf Budgetfragen zurückzuführen ist. Somit hat aktuell nur ein Bruchteil der Ärzte Zugang zu unseren Lösungen. Wir sehen folglich sowohl im Klinikbereich, als auch bei niedergelassenen Ärzten noch großes Wachstumspotential.

Mednic.de: Können sie uns einen Ausblick geben, welche weiteren Verbesserungen bei den Nuance-Lösungen für den Healthcare-Bereich demnächst zu erwarten sind?

Milko Jovanoski: In Großbritannien haben wir bereits eine europäische Cloud-Lösung vorgestellt. Diese ermöglicht den Interessenten eine einfachere Planung und einen viel schnelleren Rollout. Diese Lösung ist in Deutschland und anderen europäischen Staaten allerdings aufgrund sicherheitstechnischer Auflagen derzeit noch nicht verfügbar. Obwohl es sich hier um eine hochsichere Private Cloud-Lösung handelt, herrscht zudem bei vielen potentiellen Kunden noch große Unsicherheit darüber, ob eine solche Lösung eingesetzt werden kann – die Furcht vor Hackerangriffen ist enorm groß. Wir hoffen, dass wir hier gemeinsam mit Industriepartnern und Politik Aufklärungsarbeit leisten können, so dass sich sichere Private Cloud-Lösungen auch im Gesundheitsbereich etablieren werden.

Mednic.de: Arbeiten Sie auch an völlig neuen Produkten im Gesundheitssektor?

Milko Jovanoski: Insgesamt passiert im Gesundheitsbereich gerade sehr viel! Künstliche Intelligenz ist hier ein wichtiges Stichwort. Neu sind in diesem Zusammenhang Echtzeit-Spracherkennungslösungen mit sogenannter Initialerkennung. Mediziner können mit einer solchen Lösung sofort ohne vorheriges Training arbeiten, das ist sehr praktisch! Auch der Korrekturaufwand bei Spracherkennungssystemen reduziert sich dadurch noch einmal deutlich. Auf der Medica in Düsseldorf haben wir auch eine Vorab-Version für Praxisärzte gezeigt, die für lokale Installationen geeignet ist.

Mednic.de: Und wie sieht es längerfristig aus?

Milko Jovanoski: Längerfristig arbeiten wir an Assistenzsystemen, die eng mit Krankenhausinformationssystemen (KIS) zusammenarbeiten. Nennt ein Arzt beispielsweise den Namen eines Patienten, sieht er automatisch dessen aktuelle Vitalparameter, oder er erhält sofort den neuesten Radiologiebericht. Man muss sich solche Lösungen quasi wie „Siri im Krankenhausbereich“ vorstellen. Allerdings halte ich es aufgrund der Gesetze für schwierig, dass wir solche Lösungen auf absehbare Zeit in Europa anbieten können. In den USA, wo wir bereits Datencenter betreiben, sieht das anders aus.

Mednic.de: Niemand kauft gerne die „Katze im Sack“. Kann man die Nuance-Lösungen vorab ausprobieren?

Milko Jovanoski: Wir erleben tatsächlich immer wieder Interessenten, die nicht glauben, dass die Spracherkennung heute bereits sehr gut funktioniert. Viele wissen nicht, dass sich diese Lösungen in der letzten Dekade massiv verbessert haben. Kliniken, die den Einsatz der Spracherkennung im Rahmen ihrer eigenen Arbeitsabläufe testen möchten, machen wir selbstverständlich ein Testangebot. Klar ist, dass sich Arbeitsabläufe durch den Einsatz unserer Technik ändern, was anfangs durchaus auch Mehrarbeit bedeuten kann. So macht der Arzt die Befundung ja weitgehend selbst, was für viele erst einmal ungewohnt ist.

Mednic.de: Nuance kooperiert mit dem Druckerhersteller Epson. Welche Ziele verfolgt diese Zusammenarbeit?

Milko Jovanoski: Das Unternehmen Nuance verfügt insgesamt über fünf verschiedene Geschäftseinheiten, darunter der Bereich Imaging. Hier bieten wir für den Einsatz in Unternehmen die OCR-Software OmniPage an. Und genau hier kooperieren wir mit dem Hersteller Epson, der Drucker und Scanner produziert. Konkret geht es also darum, dass Schriftstücke möglichst schnell und effizient eingescannt und erkannt werden.

Mednic.de: Sie haben berufsbedingt einen guten Einblick in den deutschen Gesundheitsbereich. Was sind ihrer Meinung nach dessen Stärken und was sollte sich dringend ändern?

Milko Jovanoski: Deutschland verfügt europaweit betrachtet sicherlich über eine sehr gute medizinische Grundversorgung. Wenn Möglichkeiten geschaffen würden, die einen sicheren, zentralen Zugriff auf Patientendaten ermöglichen, könnte den Patienten aber oftmals noch schneller und effizienter geholfen werden.