Herz-Check via Smartphone gewinnt Medica-Preis

Stephanie Vinckenbosch von FibriCheck mit Sieger-Trophäe
Auszeichnung auf der Medica 2018: Stephanie Vinckenbosch von FibriCheck mit Sieger-Trophäe (Foto: Messe Düsseldorf/Christiane Tillmann)

Mit der App “FibriCheck” ist es möglich, Herzrhythmusstörungen mit einer Smartphone-Kamera zu entdecken. Diese Innovation des gleichnamigen Startups erreichte den ersten Platz bei der diesjährigen App Competition der Fachmesse Medica.

Die Präsentation des belgischen Entwickler-Teams von FibriCheck wurde zur besten unter den insgesamt zehn Finalisten beim Live-Pitch gewählt. Die zehnköpfige internationale Jury wählte zudem die Tonic App (aus Portugal) auf den zweiten und die Veta Health App (aus den USA) auf den dritten Platz. Dabei zeigte sich eindrucksvoll: Digital Health ist keineswegs reine Männersache. Die drei Sieger-Apps wurden jeweils von Frauen präsentiert. Wie alle übrigen Finalisten hatten sie sich bereits unter achtzig Einreichungen aus aller Welt durchgesetzt.

Die belgische Sieger-App ist bereits durch die amerikanische Zulassungsbehörde FDA zugelassen, um verschiedene Herzrhythmusstörungen mit einer Smartphone-Kamera zu erkennen und einen Bericht sowohl für den Arzt als auch für die Patienten zu erstellen. Die App baut auf der so genannten Photoplethysmographie auf. Dabei handelt es sich um eine optische Messmethode, die darauf basiert, dass sich Streulicht mit der an den Blutgefäßen in der Haut vorhandenen Blutmenge verändert. Hierzu wird der LED-Blitz des Smartphones verwendet, um den Finger des Benutzers ausreichend zu beleuchten. Die Haut streut das Licht. Die Lichtintensität des gestreuten Lichts schwingt mit der Menge des Bluts, das der Herzschlag in die beleuchteten Finger pumpt. Die Kamera gibt in der Folge Informationen zu Schwankungen des gestreuten Lichts an die App weiter. Mit Hilfe Künstlicher Intelligenz wird schließlich erkannt, ob Arhythmien des Herzschlags auftreten.

App auf Rezept

In Belgien gibt es FibriCheck bereits auf Verordnung, wobei die App zum kostenfreien Download bereitsteht. Der Arzt überreicht seinem Patienten einfach ein Papier mit einem QR-Code. Dieser wird genutzt, um die App auf dem Smartphone zu aktivieren. Die Funktionsweise der App kommentierte Stephanie Vinckenbosch von FibriCheck bei ihrer Live-Pitch-Präsentation trocken und auf den Punkt: „Der User legt seinen Finger auf die Kamera mit der LED-Lampe und wir kümmern uns um den Rest.“ Die ärztliche Verordnung ist indes nur ein Weg, die App sinnvoll zu nutzen. Geplant ist, diese neuartige Version des digitalen Screenings darüber hinaus auch bislang symptomlosen Anwendern gegenüber bekanntzumachen und anzubieten.

Plattform unterstützt Ärzte

Die portugiesischen Macher der „Tonic App“ sprechen dagegen direkt und ausschließlich Ärzte an. „Es ist eine App, die alles bietet, was ein Doktor braucht“, schilderte Daniela Seixas, CEO von Tonicapp, in ihrer Präsentation. Es gebe es einen Bedarf für eine mobile „All-in-one“-Lösung, mit der Ärzte alles und jeden finden können, was und wen sie benötigen – und mit der umgekehrt alle betroffenen Interessengruppen die richtigen Ärzte finden können. So ist die App als eine Art `Linked-In´ als Plattform für Ärzte zu verstehen, über die sie Zugriff bekommen auf Empfehlungen, Fall-Diskussionen, Leitlinien, Kodierempfehlungen, Neuigkeiten, Jobs und Networking.

Infos zu Behandlungspfad

Die drittplatzierte „Veta Health App“ aus den USA richtet sich dagegen explizit an Patienten und begleitet diese: „Veta Health bietet eine Front-End-Plattform, die den Patienten auf seiner Reise über den Behandlungspfad unterstützt“, berichtete Mitbegründerin Dr. Nora Zetsche. Die App ermögliche eine Integration von mehr als 400 Wearables – und bietet Echtzeit-Informationen über den Gesundheitszustand des Patienten. Anpassbare Versorgungspfade versetzten Patienten in die Lage, ihren Gesundheitszustand zu verwalten und ihre Pflegeprotokolle einfach zu verstehen, so Zetsche: „Wir geben dem Patienten die Informationen, die er auf dem Behandlungspfad benötigt.“ Auf diese Weise soll etwa die Therapietreue bei der Medikation optimiert und unerwünschte Arzneimittelwirkung besser beobachtet werden. Die App entspricht dabei dem US-amerikanischen Health Insurance Portability and Accountability Act (HIPAA), der strikte Regeln vorsieht, um die Vertraulichkeit und Integrität von Patientendaten zu schützen. Die Macher der „Veta Health App“ nehmen aber auch Europa ins Visier.

Termin der nächsten Fachmesse MEDICA in Düsseldorf:  18. bis 21. November 2019