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Siemens Healthineers und NVIDIA entwickeln KI für adaptive Strahlentherapie

Siemens Healthineers Strahlentherapie-Lösung Accela (Foto: Siemens Healthineers)

Siemens Healthineers und NVIDIA wollen gemeinsam die nächste Generation adaptiver Strahlentherapie entwickeln. KI-Agenten, patientenspezifische Simulationen und Echtzeitdaten sollen helfen, Bestrahlungspläne schneller an individuelle Veränderungen anzupassen. Vorgestellt wurde die Kooperation auf der GTC Berlin.

Bei einer Strahlentherapie können sich Tumor und umliegende Organe während einer mehrwöchigen Behandlung verändern. Adaptive Verfahren sollen deshalb den ursprünglichen Bestrahlungsplan an die jeweils aktuelle Anatomie des Patienten anpassen. Siemens Healthineers und NVIDIA wollen diesen Prozess künftig stärker mit künstlicher Intelligenz und beschleunigtem Computing unterstützen. Die Unternehmen haben ihre Zusammenarbeit am 21. Oktober 2026 auf der GTC Berlin angekündigt. Aufseiten von Siemens Healthineers ist insbesondere Varian beteiligt, der Geschäftsbereich für Krebsversorgung und Strahlentherapie.

KI-Agenten sollen Therapieplanung unterstützen

Ein Schwerpunkt liegt auf sogenanntem agentic co-planning. Dabei sollen KI-Agenten Ärztinnen und Ärzte bei der Entwicklung und Anpassung personalisierter Bestrahlungspläne unterstützen. NVIDIA und Siemens Healthineers prüfen dafür den Einsatz der offenen Nemotron-Foundation-Models von NVIDIA. Die Systeme sollen unterschiedliche Behandlungsoptionen bewerten und dem klinischen Team bei der Verfeinerung eines individuellen Therapieplans helfen. Die endgültige Entscheidung soll weiterhin beim Behandlungsteam liegen. Die Kooperation zielt damit zunächst auf eine KI-gestützte Planung, nicht auf eine autonome Strahlentherapie. Hinzu kommt die patientenspezifische Simulation. Für die Berechnung der Strahlendosis wollen die Partner CUDA-beschleunigte Rechenverfahren von NVIDIA einsetzen.

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Solche Berechnungen sind ein zentraler Bestandteil der Therapieplanung: Bevor bestrahlt wird, muss modelliert werden, welche Dosis den Tumor erreicht und wie stark umliegendes gesundes Gewebe belastet wird. Schnellere Simulationen könnten insbesondere bei adaptiven Verfahren relevant werden. Dort muss die Therapieplanung teilweise unmittelbar vor einer Behandlungssitzung auf Basis aktueller Bilddaten angepasst werden. Die technische Zielsetzung besteht deshalb darin, mehr mögliche Planungsvarianten innerhalb kürzerer Zeit berechnen und vergleichen zu können. Ob daraus im klinischen Alltag tatsächlich bessere Behandlungsergebnisse oder kürzere Planungszeiten entstehen, ist bislang nicht belegt.

Echtzeitdaten sollen in Anpassung einfließen

Als dritte technische Komponente ist NVIDIA Holoscan vorgesehen. Die Plattform kann Sensordaten, KI-Verarbeitung und Simulation in Echtzeit miteinander verbinden. In der adaptiven Strahlentherapie könnten dadurch während des Behandlungsprozesses aktuelle Informationen aus Bildgebung und weiteren Systemen schneller verarbeitet werden. Siemens Healthineers und NVIDIA sprechen in diesem Zusammenhang auch von robotischer Intelligenz. Wie weit eine automatisierte beziehungsweise robotische Steuerung künftig reichen soll, haben die Unternehmen bislang jedoch nicht konkretisiert. Die Kooperation knüpft an bestehende Entwicklungen von Varian an. Ende September hatte Siemens Healthineers mit Accela eine neue Generation seiner Strahlentherapie-Systeme vorgestellt. Die Plattform kombiniert neue Bestrahlungstechnik mit beschleunigter Behandlungsplanung und KI-gestützter Software.

Bereits verfügbar sind zudem KI-Funktionen für das Varian-Behandlungsplanungssystem Eclipse. Eine automatische Konturierung von mehr als 200 anatomischen Strukturen auf CT- und MRT-Aufnahmen erhielt im Mai 2026 die CE-Kennzeichnung. Adaptive Strahlentherapie gehört damit schon heute zum Portfolio des Unternehmens. Die Zusammenarbeit mit NVIDIA zielt auf eine weitere Automatisierung und Beschleunigung dieser Prozesse.

Kooperation noch in Entwicklungsphase

Von einer unmittelbar verfügbaren neuen Therapielösung kann allerdings noch nicht gesprochen werden. NVIDIA beschreibt Nemotron, CUDA-beschleunigte Simulation und Holoscan als Technologien, deren Einsatz für die nächste Generation adaptiver Strahlentherapie erkundet beziehungsweise entwickelt wird. Konkrete Produktnamen, Zulassungspläne oder Termine für eine klinische Einführung wurden nicht genannt. NVIDIA weist zudem ausdrücklich darauf hin, dass zahlreiche angekündigte Funktionen noch unterschiedliche Entwicklungsstadien durchlaufen und sich Verfügbarkeit sowie Funktionsumfang ändern können.

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