Ein zweistufiges Bluttest-Verfahren der Universitätsmedizin Halle soll Alzheimer-typisches pTau217 besser von Tau-Proteinen aus Muskeln und peripheren Nerven unterscheiden. In einer multizentrischen Studie verbesserte sich damit insbesondere die Abgrenzung von Alzheimer und ALS. Für die Routinediagnostik ist das Verfahren noch nicht validiert.
Der Blutmarker pTau217 gilt als vielversprechender Biomarker für Alzheimer-Pathologie. Erhöhte Werte können allerdings auch bei anderen Erkrankungen auftreten. Forschende der Universitätsmedizin Halle hatten bereits gezeigt, dass etwa Menschen mit Amyotropher Lateralsklerose (ALS) erhöhte pTau217-Werte im Blut aufweisen können, obwohl die Ursache nicht im Gehirn, sondern unter anderem im Muskelgewebe liegt. Das Problem: Gängige Immunoassays unterscheiden nicht ausreichend zwischen kleineren, überwiegend aus dem zentralen Nervensystem stammenden Tau-Formen und größeren Tau-Varianten aus peripheren Geweben. Das Team um Prof. Markus Otto und PD Dr. Samir Abu Rumeileh ergänzte die pTau217-Messung deshalb um einen vorgeschalteten Schritt (zur Studie). Dabei wird sogenanntes brain-derived Tau (BD-Tau) mithilfe spezifischer Antikörper aus der Blutprobe angereichert. Erst anschließend wird pTau217 bestimmt. Die Gesamtkohorte umfasste 315 Personen: 101 mit Alzheimer, 139 mit ALS und 75 Krankheitskontrollen. Für die zentrale semi-automatisierte Zwei-Schritt-Analyse standen Proben von 149 Personen zur Verfügung – 60 mit Alzheimer, 50 mit ALS und 39 Kontrollen. Bei der herkömmlichen Messung waren pTau217-Werte sowohl bei Alzheimer als auch bei ALS erhöht. Nach der gezielten Anreicherung des gehirnabgeleiteten Tau war BD-pTau217 dagegen nur in der Alzheimer-Gruppe erhöht.
„Die gemessenen Werte waren bei Alzheimer erhöht, nicht aber bei ALS oder den Kontrollpersonen. Somit konnte unser Verfahren die beiden Erkrankungen in der untersuchten Gruppe besser unterscheiden“, bringt Abu Rumeileh das Ergebnis auf den Punkt.
Abgrenzung von Alzheimer und ALS verbessert sich
In der ROC-Analyse stieg die Trennschärfe von pTau217 zwischen Alzheimer und ALS durch den zusätzlichen Aufbereitungsschritt von einer AUC von 0,729 auf 0,900. Eine aus zwei Tau-Messwerten gebildete Ratio erreichte in diesem Vergleich eine AUC von 0,961. Massenspektrometrische Analysen von Gehirn-, Rückenmarks- und Muskelgewebe stützen die biologische Erklärung: Im Muskel dominierte die größere Tau-Form. Phosphoryliertes Tau217 wurde dort ausschließlich als sogenanntes Big Tau nachgewiesen, nicht als gehirnabgeleitetes BD-pTau217. Die Forschenden schlagen deshalb ein zweistufiges diagnostisches Vorgehen vor. Ein etablierter pTau217-Test könnte weiterhin als erster Test dienen. Das aufwendigere Verfahren zur gezielten Messung von BD-pTau217 käme anschließend infrage, wenn das Ergebnis nicht zum klinischen Bild passt oder Erkrankungen von Muskeln oder peripheren Nerven die Messung verfälschen könnten. Damit könnte das Verfahren insbesondere bei älteren und multimorbiden Menschen helfen, falsch-positive Biomarkerbefunde zu reduzieren und die Auswahl für weiterführende Alzheimer-Diagnostik oder Therapien zu präzisieren. Noch ist der Test allerdings kein Verfahren für die Routineversorgung. Die Methode muss standardisiert und in größeren unabhängigen Kohorten validiert werden. Auch die Autoren der Studie weisen darauf hin, dass der zusätzliche Aufbereitungsschritt derzeit zu komplex und zu wenig verfügbar ist, um ihn als allgemeinen Erstlinientest einzusetzen.