Deutsche Healthcare-Startups schwächeln

Deutsche Healthcare-Startups wachsen langsamer als die Konkurrenz. (Foto: sdecoret - Fotolia.com)

Für Startups ist es nicht einfach, sich erfolgreich im deutschen Gesundheitswesen zu positionieren. Während in anderen Branchen junge Unternehmen um ein Vielfaches stärker wachsen als der gesamte Markt, fällt das Wachstum dieser Unternehmen im Bereich Healthcare schwächer aus als bei der Konkurrenz.
Trotz eines durch rechtliche Rahmenbedingungen im Datenschutz und die gesetzliche Krankenversicherung stark regulierten Marktes fassen immer mehr Healthcare-Startups im deutschen Gesundheitswesen Fuß. Auffällig ist dabei jedoch das schwächere Wachstum von Healthcare-Startups im Vergleich zum restlichen Gesundheitssektor. Zu diesem Ergebnis kommt die Jobplattform Joblift nach der Analyse von 14 Millionen Stellenanzeigen der letzten 24 Monate. In den meisten von der Digitalisierung stark betroffenen Bereichen, wie der Agrar-, Finanz-oder Versicherungsbranche wachsen Startups wesentlich schneller als traditionelle Unternehmen. Für Healthcare Startups gilt das nicht. Sie schrieben zwar in den letzten 24 Monaten insgesamt 2.846 neue Jobs aus und inserierten 2017 rund 19 Prozent mehr Stellenanzeigen als noch im Vorjahr. In der übrigen Gesundheitsbranche entstanden jedoch im selben Zeitraum rund 660.000 Stellen und das Wachstum betrug 25 Prozent. Die Studienautoren als Ursache dafür das starke Regulierung des Gesundheitswesens in Deutschland.  Auch ein Blick auf kleinere europäische Nachbarn unterstützt diese These: In Frankreich entstanden 2017 ein Viertel mehr Stellen in Healthcare-Startups als in Deutschland, in UK sogar mehr als doppelt so viele.

Berlin als Top-Standort

Die Top-drei-Standorte für Healthcare-Startups in Deutschland sind Berlin, München und Köln. Berlin mit 29 Prozent aller Stellen eindeutig an der Spitze der meistausschreibenden Städte. Mit deutlichem Abstand folgen München mit elf Prozent und Köln mit acht Prozent aller Ausschreibungen. Berlin scheint sich offensichtlich zu einem Zentrum für junge Unternehmen im Gesundheitswesen zu entwickeln, denn auch alle fünf meistausschreibenden Start-ups der Branche stammen aus der Hauptstadt: Medlanes, ein Service für Arztbesuche zu Hause, HUMANOO als Wellbeing-App, Doctolib, eine Anwendung für digitale Terminvergabe, die Monitoring-App Clue und MEDIGOals Konzept für Medizintourismus. Neben den allgemein guten Bedingungen für junge Unternehmen in der Hauptstadt dürfte die Berliner Charité als eine der größten Universitätskliniken Europas und weitere ansässige Forschungsinstitute, wie beispielsweise das Deutsche Herzzentrum, eine stark ausgeprägte Infrastruktur für medizinisch-technische Gründerteams bieten und somit die Ansiedlung von Healthcare Startups fördern.

Programmierer gefragt

Am dringendsten scheinen Healthcare Start-ups derzeit nach Programmierern (607 offene Stellen in den letzten 24 Monaten), Business Development und Sales-Experten (416 Stellen) sowie medizinisch ausgebildeten Wissenschaftlern (212 Stellen) zu suchen. Das spiegelt sich auch bei der Teamzusammenstellung eines Healthcare-Startups aus verschiedenen Experten mit medizinischem, betriebswirtschaftlichem und technischem Hintergrund wider. Der Bedarf an vielfältigen Spezialisten erklärt vermutlich auch die um 25 Prozent längere Ausschreibungsdauer. Rund 44 Tage lang schalten Healthcare-Startups ihre Anzeigen, bevor sie einen passenden Kandidaten finden. Damit stehen sie deutlich länger online als eine durchschnittliche Anzeige mit 33 Tagen.