Wie man Digitalisierungslethargie vermeidet

Dr. Lilian Rettegi
Dr. Lilian Rettegi ist Ärztin und Geschäftsführerin des 2016 gegründeten Softwarespezialisten Tomes GmbH. (Foto: Tomes GmbH)

Etwa die Hälfte ihrer Arbeitszeit verbringen die meisten Mediziner mit administrativen Aufgaben und Bürokratie. Software könnte helfen, aber ein Wust von Vorschriften verunsichert viele Ärzte dabei. Den Absturz in die Digitalisierungslethargie sollten sie aber dennoch vermeiden, meint unsere Gastautorin Dr. med. Lilian Rettegi.

Gastbeitrag von Dr. med. Lilian Rettegi

Es gibt viele gute Gründe Arzt zu werden. Die Organisation der eigenen Praxis ist sicher für die wenigsten Medizinstudierenden einer. Im Beruf angekommen fällt ihnen aber auf: Für die eigentliche Arbeit, für das was sie mit Leidenschaft studiert haben, bleibt gar nicht so viel Zeit. Dokumentationsaufwand, administrative Arbeiten und Bürokratie machen bei Ärztinnen und Ärzten fast die Hälfte der Arbeitszeit aus. Auf diesen Teil des Jobs hat sie im Studium niemand vorbereitet. Und die Diagnose für den Papierkram lautet häufig: Er nervt.

Digitalisierung könnte da helfen. All die organisatorischen Aufgaben, die Ärzte und ihre Teams quasi nebenbei erledigen müssen, können von einer Software unterstützend oder komplett übernommen werden. Daten aufnehmen, sortieren, auswerten – genau dafür sind Computerprogramme gemacht. Trotzdem schreitet der digitale Wandel in der Medizin nur schleppend voran. Insbesondere Hausarztpraxen scheinen sich schwer damit zu tun und begrüßen ihre Patienten nach wie vor mit Klemmbrett, Papierformular und Stift – wenn den nicht gerade wieder jemand gemopst hat. Aber warum ist das so? 

Massiver Druck und hohe Hürden

Als mein Team und ich die Anamnese-Software Idana entwickelt haben, hatten wir die vielfältigen Möglichkeiten im Sinn, mit der ein intelligentes IT-System Arztpraxen unterstützen kann. Wir wollten eine Software von Ärzten für Ärzte entwickeln. Wir können nur spekulieren, was die Politik mit ihren Digitalisierungsprojekten in den letzten Jahren im Sinn hatte – aber als Arbeitserleichterung sind sie bei den wenigsten Ärzten angekommen. 

Im Gegenteil: Es wurde massiv Druck aufgebaut, halbgare Programme umzusetzen. Es wurden Fristen gesetzt, die aufgrund der technischen Voraussetzungen gar nicht einzuhalten waren. Elektronische Patientenakte und auch Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, Rezept sowie Arztausweis in digitaler Form – alles gute Ideen, die schlecht umgesetzt wurden. Dadurch hat sich Digitalisierungsfrust in Deutschlands Arztpraxen breit gemacht.

Wenn Ärztinnen und Ärzte abseits der staatlichen Programme neue digitale Systeme einführen wollen, verspüren sie oft noch eine andere Art von Druck. Die Einführung darf nur unter der Einhaltung sehr hoher Auflagen geschehen. Wer hier etwas übersieht, muss mit ernsthaften Konsequenzen für den ärztlichen Betrieb rechnen. Die hohen Hürden verunsichern Ärzte und führen zu Digitalisierungslethargie – bevor etwas falsch gemacht wird, wird lieber gar nichts gemacht.

Und dann ist da noch das anfangs erwähnte Problem der fehlenden Kompetenzen. Ärzte lernen viel im Studium, aber keine IT. Auch ihre medizinische Fachangestellten werden in der Ausbildung null auf das Thema Digitalisierung vorbereitet. Also steht eine Arztpraxis bei IT-Fragen meist ohne Unterstützung da. Oder besser gesagt: Sie müssen sich für viel Geld externe Unterstützung einkaufen. 

Mehr Zeit, Service und Kundenzentrierung

Wie können wir dafür sorgen, dass Digitalisierungsprozesse in Zukunft häufiger und erfolgreicher in Arztpraxen stattfinden? Mit Blick auf die Gesundheitsversorgung würde die gesamte Gesellschaft davon profitieren. Nur wenn das Gesundheitswesen effizient gestaltet wird, kann bedarfsgerechte, patientenzentrierte Versorgung für alle Menschen gelingen.

Zuerst einmal muss politischer Druck genommen werden. Change Management mit Vorschlaghammer und Vorschriften klappt nicht. Die digitale Transformation funktioniert nur, wenn Ärzten und ihren Teams die nötige Zeit gegeben wird und alle Beteiligten von Beginn an mit an Bord geholt werden. Zudem muss Vertrauen für die digitalen Produkte geschaffen werden. Datensicherheit wird im medizinischen Umfeld immer ein wichtiger Faktor sein. 

Ein Punkt, der unsere Idana-Software besonders erfolgreich macht, ist unser guter Service und Support. Eine neue Software muss mehr Arbeit abnehmen, als sie macht. Darum ist es wichtig, dass Praxisteams einen verlässlichen Ansprechpartner haben, falls Fragen oder Probleme auftreten. Und auch bei der Weiterentwicklung der Software sind die Bedürfnisse der von uns unterstützten Arztpraxen ausschlaggebend – Kundenzentrierung ist das A und O.

Wenn das alles gelingt, können Ärztinnen und Ärzte in Zukunft den Papierkram mit gutem Gewissen von intelligenter Software erledigen lassen. Und sie können das machen, was eigentlich ihre Berufung ist: Menschen helfen.

Die 2016 gegründete Tomes GmbH mit Sitz in Freiburg im Breisgau entwickelt Softwarelösungen, mit denen sich Routineprozesse in der Gesundheitsversorgung optimieren lassen. Das Kürzel Tomes steht für „Tomorrow’s Medical Solutions“. 

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