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Krankenkassen fordern konsequente Digitalisierung

Der GKV-Spitzenverband legt eine Digitalstrategie vor. Foto: YuriArcurs/Smarterpix.com

Mehr Tempo für die Digitalisierung: Der GKV-Spitzenverband hat eine Digitalstrategie vorgelegt, mit der die gesetzlichen Krankenkassen die digitale Transformation des Gesundheitswesens vorantreiben wollen. Ziel ist eine stärker patientenzentrierte, vernetzte und effizientere Versorgung, in der digitale Anwendungen nicht isoliert, sondern durchgängig eingesetzt werden.

Im Zentrum der Strategie steht die elektronische Patientenakte. Sie soll sich nach Vorstellung des GKV-Spitzenverbands zur zentralen Plattform der digitalen Versorgung entwickeln. Medizinische Informationen sollen sektorenübergreifend verfügbar sein und entlang des gesamten Behandlungspfads genutzt werden können. Voraussetzung dafür sind interoperable Systeme und ein verbindlicher Einsatz der ePA im Versorgungsalltag.

Die Krankenkassen sehen sich künftig stärker in einer koordinierenden Rolle. Digitale Angebote sollen Versicherte gezielt beim Zugang zur Versorgung unterstützen, etwa durch digitale Ersteinschätzung, Terminvermittlung oder strukturierte Informationen zu Behandlungsoptionen. Gleichzeitig betont der Verband, dass Digitalisierung nicht allein eine technische Aufgabe sei, sondern klare rechtliche Rahmenbedingungen erfordere, etwa beim Umgang mit Gesundheitsdaten und bei sicheren Identitäten.

Ein weiterer Schwerpunkt der Strategie liegt auf der Nutzung von Gesundheitsdaten. Durch die Auswertung pseudonymisierter Daten sollen Prävention, Versorgungsforschung und Qualitätssicherung verbessert werden. Digitale Anwendungen und KI-gestützte Verfahren werden dabei als Instrumente gesehen, um Prozesse effizienter zu gestalten und Bürokratie abzubauen.

Tempo und Verbindlichkeit bei Digitalisierung

Auch die Techniker Krankenkasse (TK) unterstützt die strategische Ausrichtung. In einem Statement zur Digitalstrategie hebt Vorstandsvorsitzender Jens Baas hervor, dass digitale Anwendungen wie elektronische Patientenakte, E-Rezept und digitale Gesundheitsanwendungen konsequent in der Versorgung ankommen müssen. Digitale Lösungen dürften nicht nur eingeführt, sondern müssten im Alltag zuverlässig funktionieren und genutzt werden.

Nach Einschätzung der Techniker Krankenkasse bietet die Digitalisierung die Chance, Wartezeiten zu verkürzen, Abläufe zu vereinfachen und Versicherte besser zu informieren. Zugleich sieht die Kasse eine größere medizinische Datenbasis als Voraussetzung, um Prävention gezielter auszurichten und Gesundheitsrisiken früher zu erkennen. Dafür seien klare gesetzliche Vorgaben notwendig, die Innovation ermöglichen und zugleich Vertrauen schaffen.

Digitalisierung als Strukturaufgabe

Sowohl der GKV-Spitzenverband als auch die Techniker Krankenkasse machen deutlich, dass Digitalisierung kein Selbstzweck ist. Sie soll konkret zur Verbesserung der Versorgung beitragen und Patientinnen und Patienten spürbare Vorteile bringen. Entscheidend sei, digitale Anwendungen systematisch zu vernetzen, Verantwortlichkeiten klar zu regeln und die Nutzung verbindlich zu machen. Aus Sicht der Krankenkassen markiert die Digitalstrategie damit einen Anspruch auf eine aktivere Rolle im digitalen Gesundheitswesen. Ob dieser Anspruch eingelöst werden kann, hängt maßgeblich davon ab, wie konsequent Politik, Selbstverwaltung und Leistungserbringer die technischen und rechtlichen Voraussetzungen gemeinsam umsetzen.