Weißbuch Patientensicherheit erschienen

Ärztin mit Mundschutz zieht Gummihandschuhe an
„Unerwünschte Ereignisse“ reduzieren: Ärztin mit Mundschutz (Foto: © StudioLaMagica/fotolia.com)

Das Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. (APS) und der Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek) haben das „Weißbuch Patientensicherheit“ vorgestellt. Insbesondere in der Hygiene und Infektionsprävention sehen die Herausgeber Handlungsbedarf.

Gemeinsam mit dem Autor Professor Dr. Matthias Schrappe von der Universität Köln haben APS und Vdek in Berlin das „Weißbuch Patientensicherheit“ vorgestellt. Darin wird unter anderem ein erweitertes Verständnis von Patientensicherheit und eine aktive Einbindung der Patienten gefordert. APS und Vdek stellen zudem konkrete Forderungen und rufen zu einer Patientensicherheitsoffensive auf.

Zwar sei in Sachen Patientensicherheit in den letzten Jahren schon einiges erreicht worden, betonten die Verfasser: OP-Checklisten, Aktion Saubere Hände, Fehlermeldesysteme oder ein verpflichtendes Qualitätsmanagement in deutschen Krankenhäusern seien gute Beispiele für das wachsende Bewusstsein und Engagement. Dennoch gebe es weiter erheblichen Verbesserungsbedarf in allen Bereichen des Gesundheitswesens. So treten im Rahmen eines Krankenhausaufenthalts jährlich bei fünf bis zehn Prozent der Patienten (ein bis zwei Millionen Menschen) „unerwünschte Ereignisse“ auf: Druckgeschwüre (Dekubitus), Fehldiagnosen und schwere Infektionen. Vermeidbar wären bis zu 800.000 dieser Fälle.

Perspektivwechsel notwendig

Patientensicherheit werde heute fast ausschließlich aus der Perspektive der Einrichtungen und für operative Akuterkrankungen, wie zum Beispiel der Komplikationen einer „Hüft-OP“, diskutiert. „Patientensicherheit ist jedoch mehr als die Vermeidung bestimmter Komplikationen“, betont Autor Professor Dr. Schrappe. „Sie muss auch als Eigenschaft von Teams, Organisationen und sogar des gesamten Gesundheitswesens verstanden werden. Ihre Innovationskraft ist in den Dienst der Verwirklichung dieses Ziels zu stellen.“

Die Vorsitzende des APS Hedwig François-Kettner fordert: „Patienten und Angehörige müssen als aktive Partner in die Verbesserung der Patientensicherheit einbezogen werden.“ Das APS hatte das Projekt des Weißbuchs ins Leben gerufen und intensiv begleitet. Im Rahmen der Patientensicherheitsoffensive fordert das APS unter anderem, dass Patientensicherheit fester Bestandteil der Aus- und Weiterbildung aller im Gesundheitswesen Tätigen wird und Verantwortliche für Patientensicherheit eingerichtet werden. „Es muss allen klar werden, dass Patientensicherheit Führungsverantwortung ist“, ergänzt François-Kettner. „Die gute Nachricht ist: Patientensicherheit ist kein Kosten-, sondern ein Erfolgsfaktor!“

Einrichtungsübergreifendes Fehlermeldesystem gefordert

Die Vorstandsvorsitzende des Vdek Ulrike Elsner sieht insbesondere im Bereich der Hygiene und Infektionsprävention noch Handlungsbedarf. Im Forderungspapier von APS und Vdek finden sich hierzu Maßnahmen von einer bundeseinheitlichen Hygienerichtlinie bis zu einer Aufklärungskampagne der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zur Sepsis als Notfall. Zudem forderte Elsner die verpflichtende Einführung von einrichtungsübergreifenden Fehlermeldesystemen an allen Krankenhäusern sowie die Einbeziehung der Erfahrungen von Patienten und Angehörigen durch Fragebögen, um Fehlerquellen aufzudecken. Zudem sei die Einführung eines Implantat-Registers für sämtliche Hochrisikomedizinprodukte (etwa Herzklappen) längst überfällig.

Kostenloser Download möglich

Die komplette Version des APS-Weißbuchs Patientensicherheit sowie eine englische und deutsche Kurzfassung sind ab sofort kostenfrei zum Download verfügbar auf dieser Seite des Aktionsbündnisses Patientensicherheit.