Wandel im Gesundheitswesen durch AV-Technik

Andrew Graley ist Director Healthcare, Education & Government EMEA bei Polycom (Foto: Polycom).

Mednic.de wollte wissen, welche Vorteile der Einsatz von audiovisueller Technik (AV-Technik) im Gesundheitswesen für Patienten und Ärzte hat und befragte einen Experten. Andrew Graley ist Director Healthcare, Education & Government EMEA bei Polycom und verfasste für uns den nachfolgenden Gastbeitrag.

Gastbeitrag von Andrew Graley

Der Fachärztemangel im ländlichen Raum machte den Patienten bisher schwer zu schaffen: Sie mussten oft lange Strecken zum nächsten Krankenhaus auf sich nehmen, um behandelt werden zu können. Gerade für ältere Menschen oder kranke Kinder war das enorm kräftezehrend. AV-Technik, wie Video-Lösungen, sind in solchen Fällen eine sinnvolle Ergänzung – das zeigen auch positive Beispiele aus Großbritannien. Zudem kann dank entsprechender Techniken die Kommunikation von Ärzten untereinander verbessert werden. Doch welche Voraussetzungen müssen gegeben sein, um AV-Technik im Gesundheitswesen einsetzen zu können? Wie kann dadurch die Zusammenarbeit innerhalb von Krankenhäusern verbessert werden? Und macht eine Kommunikation über Video tatsächlich eine Diagnose und Behandlung möglich?

Anforderungen an Videotechnik im Gesundheitswesen

Videotechnik im Gesundheitswesen erfordert ganz spezielle Funktionen und Features. So muss diese nicht nur sehr einfach und intuitiv zu nutzen sein, sondern auch über die höchstmögliche High-Definition-Qualität verfügen, um bei der Übertragung von einem Ort zum anderen sowohl Farbkorrektur als auch Bildqualität erhalten zu können. Zudem dürfen Bild- und Audio-Funktion keinesfalls kurzzeitig unterbrochen werden.  Andernfalls würden wertvolle Informationen verloren gehen, die Ärzte benötigen, um eine fundierte medizinische Entscheidung treffen zu können.

Spezielle Anforderungen an die Technik werden darüber hinaus hinsichtlich der Sicherheit gestellt. Gerade im Gesundheitswesen, wo es um den Schutz von Patientendaten geht. Voraussetzung für die Implementierung ist deshalb, dass die Lösung den europäischen Sicherheitsrichtlinien gerecht wird, wie beispielsweise der Norm EN 60601. Sie definiert allgemeine Anforderungen zur Sicherheit und Leistung von elektrischen Systemen, die zur Diagnose, Behandlung oder Überwachung von Patienten bestimmt sind. Auch AV-Technik muss den Vorgaben dieser Norm entsprechen, um im Gesundheitswesen sicher eingesetzt werden zu können.

Wie Ärzte von Echtzeit-Kommunikation profitieren können

Krankenhäuser, die mit Videotechnik ausgestattet sind, bieten den dort behandelnden Ärzten eine Reihe an Vorteilen. So haben diese einerseits die Möglichkeit, schnell und einfach Informationen an Kollegen weitergeben zu können. Auf der anderen Seite können durch die Kommunikation in Echtzeit lebensrettende Ratschläge von Ärzten weltweit eingeholt werden. Gerade Spezialisten profitieren davon, ihre Expertise mit anderen zu teilen, unterschiedliche Patientenfälle zu diskutieren und das beste Vorgehen in schwierigeren Fällen zu planen, ohne entscheidende Zeit für Reisen verschwenden zu müssen.

Auch können aufgrund der Technik Patientendaten und -aufnahmen, wie OP-Aufnahmen schnell in unterschiedlichsten Räumlichkeiten von Kliniken verfügbar gemacht werden. Sodass beispielsweise ein Kardiologe eine Operation in Echtzeit von einem anderen Klinikzimmer aus mitverfolgen und Ratschläge an seine Kollegen weiter geben kann, ohne dass er selbst im Operationssaal anwesend sein muss – dies führt zu enormen Zeiteinsparungen, von denen sowohl Ärzte als auch Patienten profitieren. Darüber hinaus können mitunter sogar weitere Operationen vermieden werden, da Ärzte, die nicht bei der OP dabei waren, anhand der Video-Aufnahmen die nächsten Behandlungsschritte einleiten können.

Diagnostizieren und therapieren via Video

Ferndiagnose und -behandlung einiger Krankheitsfälle findet bereits heute auch außerhalb von Krankenhäusern statt – mit Hilfe von Telemedizin. Für Patienten und Ärzte ist dies ein großer Fortschritt. Beispielsweise ersparen sich Patienten des NHS in Lancashire, Großbritannien dadurch lange, unnötige Fahrten ins Krankenhaus. Denn Check-ups oder regelmäßige Behandlungen, wie zum Beispiel, die von Dialyse-Patienten, erfolgen rein über Videokonferenzen. Hierfür wählen sich die Patienten von zu Hause oder aus der näheren Umgebung ein und nach einigen Sitzungen, bei denen die Patienten angelernt wurden, können diese ihre Behandlung selbst durchführen. Gerade Menschen, die sich einer Dialyse unterziehen, müssen normalerweise mindestens drei Tage pro Woche im Krankenhaus verbringen, um entsprechend behandelt werden zu können – der Zeit- und Kraftaufwand für diese Krankenhausbesuche ist gewaltig. Nun kann ein Teil der wertvollen Lebenszeit zurückgewonnen werden.

Fazit

Weniger Fahrten ins Krankenhaus und kürzere Aufenthalte vor Ort: Patienten können in hohem Maße von neuen AV-Techniken, wie Video, im Gesundheitswesen profitieren. Aber auch für Ärzte ergeben sich Vorteile: Denn sie können ihre extrem beschränkte Zeit von nun an effektiver nutzen, besser mit Ärzten weltweit kommunizieren und damit einhergehend lebensrettende Entscheidungen schneller treffen. Dennoch: All diese Entwicklungen stellen zwar große Verbesserungen für das Gesundheitswesen dar, Arztbesuche ganz generell können und sollten dadurch aber nicht ersetzt werden.