Telemedizinprojekt für Epilepsie nimmt Fahrt auf

Im Rahmen des Projektes NeuroESP soll ein mobiles System zur telemedizinische Überwachung und Behandlung von Epilepsiepatienten entwickelt werden. (Foto: Štěpán Kápl - Fotolia.com)

Ein mobiles System soll zukünftig eine telemedizinische Überwachung und Behandlung von Epilepsiepatienten sowie eine sichere Vorhersage von epileptischen Anfällen ermöglichen. Die Technische Universität Dresden und die SIGMA Medizin-Technik GmbH wollen das System entwickeln und haben dazu das Forschungsprojekt „NeuroESP – Assistenzsystem zur Warnung vor epileptischen Anfällen“ gestartet. Das Projekt wird mit Mitteln aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert und läuft noch bis Oktober 2020.

„Ziel der Staatsregierung ist es, Digitalisierung und Telemedizin zu fördern, um die medizinische Versorgung in Sachsen zukunftsfest zu gestalten“, so Sachsens Gesundheitsministerin Barbara Klepsch bei der Übergabe der Fördermittelbescheide über insgesamt 1,4 Millionen Euro an die Projektpartner. Der Freistaat Sachsen unterstütze innovative Forschungsvorhaben für eine Verbesserung der Patientenversorgung. „Das geplante Assistenzsystem wird einen entscheidenden Beitrag zur besseren Behandlung von Epileptikern leisten und den Betroffenen ein Stück Lebensqualität zurückgeben“, ist Klepsch überzeugt.

Implantat soll helfen

Epilepsie zählt zu den häufigsten Krankheiten des zentralen Nervensystems. Allein in Deutschland leiden etwa 600.000 bis 800.000 Patienten daran, pro Jahr gibt es 40.000 Neuerkrankte. Bei vielen Patienten lassen sich die Anfälle nicht ausreichend durch Medikamente kontrollieren oder schränken die Lebensqualität stark ein. „Deswegen müssen wir dringend neue diagnostische Verfahren erforschen, die Anfälle kontinuierlich erfassen oder möglichst vorhersagen können“, sagt Prof. Matthias Kirsch, Klinik für Neurochirurgie an der Medizinischen Fakultät der TU Dresden. Projektleiter Prof. Ronald Tetzlaff von der Fakultät Elektrotechnik und Informationstechnik ergänzt: „Aus diesem Grund wollen wir langfristig betrachtet ein Implantat entwickeln, um die Hirnströme vor Ort kontinuierlich messen und analysieren zu können. Dieses Implantat soll nicht nur epileptische Anfälle aufzeichnen, um dem Arzt die Hirnstromanalyse zu ermöglichen, sondern sogar drohende Anfälle vorhersagen.“ Damit werde die Entwicklung völlig neuartiger Therapieformen ermöglicht.

Info bei drohendem Anfall

Bei drohenden Anfällen könnten die Epilepsiepatienten ausreichend lang vor einem Anfall mit Hilfe eines externen mobilen Gerätes  – zum Beispiel eines Smartphones –  informiert werden. In diesem Fall hätten die Patienten noch Zeit einen sicheren Ort aufzusuchen und gegebenenfalls Medikamente einnehmen. Darüber hinaus sollen die durch das Implantat ermittelten Daten an den behandelnden Arzt gesendet werden. Er kann den Patienten dann trotz räumlicher Entfernung in der akuten Situation betreuen, zum Beispiel bei der Einnahme von Medikamenten.

Weltneuheit

Zurzeit gibt es weltweit weder ein Verfahren noch ein System, um eine zufriedenstellende und rechtzeitige Anfallsvorhersage bei Epilepsie zu gewährleisten. Für Patienten mit wiederkehrenden epileptischen Anfällen würde eine zuverlässige Anfallswarnung – verbunden mit einer telemedizinischen Versorgung durch den behandelnden Arzt – zu einer deutlichen Verbesserung der Sicherheit und Lebensqualität führen.

Das Projekt NeuroESP soll den Weg für die Entwicklung eines implantierbaren Chips bereiten: Um das mobile System für die telemedizinische Überwachung und Behandlung sowie die sichere Vorhersage von epileptischen Anfällen realisieren zu können, müssen neue leistungsfähige Methoden entwickelt werden. Diese Entwicklungen sollen dann einer geeigneten Signalverarbeitungsplattform implementiert und schließlich im klinischen Umfeld validiert werden. Durch eine erfolgreiche klinische Validierung soll der Grundstein für die zukünftige Entwicklung eines Implantates zum Einsatz im Heim-Bereich gelegt werden.