Epilepsie: Telemedizin für bessere Patienten-Versorgung

Das Epilepsiezentrum an der Universitätsklinik Frankfurt will Telemedizin für eine bessere Versorgung von Epilepsie-Patienten vorantreiben (Foto: momius - Fotolia.com)

In Deutschland sind über 800.000 Menschen von Epilepsie betroffen. Oft werden diese Patienten zunächst falsch behandelt und erhalten erst nach Jahren die richtige Diagnose. Denn die Diagnose einer Epilepsie erfordert in vielen Fällen eine spezialisierte, neurologische Expertise. Das Epilepsiezentrum an der Universitätsklinik Frankfurt will deshalb die Möglichkeiten der telemedizinischen Beratung von Krankenhäusern und neurologischen Praxen untersuchen.

Verspätete Diagnosen und Fehldiagnosen bei Epilepsie-Patienten führen zu psychosozialer Belastung und verlängern die Krankheitszeiten. Dabei könnten die Anfälle in zwei Dritteln der Fälle rascher kontrolliert werden, wenn die mittlerweile 30 zur Verfügung stehenden Antiepileptika frühzeitig und richtig eingesetzt würden. Bislang ist die Epilepsie-Expertise in Bundesländern wie Hessen jedoch nicht flächendeckend verfügbar. Für Epilepsiepatienten ist das problematisch, weil sie aufgrund der Therapie mit Anti-Epileptika nicht Auto fahren dürfen. Zudem sind überdurchschnittlich häufig behinderte und alte Menschen von Epilepsie betroffenen. Auch sie sind weniger mobil als andere Patienten und können deshalb die spezialisierten Zentren nicht gut erreichen.

Kompetenz in die Fläche bringen

„Die Telemedizin kann eine wichtige Rolle spielen, um die Kompetenz der spezialisierten Zentren in die Fläche zu bringen. Aber bisher stehen wir damit in unserem Fachgebiet noch ganz am Anfang“, so Prof. Felix Rosenow vom Epilepsiezentrum Frankfurt Rhein-Main. Sein Kollege Prof. Adam Strzelczyk ergänzt: „In einigen Bundesländern, aber nicht in Hessen, gibt es mittlerweile erste Ansätze, einzelne Krankhäuser konsiliarisch mit Expertise zu versorgen, bis hin zu noch sehr kleinen tele-epileptologischen Netzwerken, die aber rein krankenhausbasiert sind.“

In dem aktuellen Projekt, das vom Hessischen Ministerium für Soziales und mit 708.000 Euro gefördert wird, soll im ersten Schritt ein telemedizinisches Netzwerk für die Epilepsieversorgung in Hessen etabliert werden. Ziel ist es, die am Epilepsiezentrum Frankfurt Rhein-Main vorhandene Expertise zunächst mit je fünf bis zehn Kliniken und neurologischen Praxen zu teilen. Das Epilepsiezentrum Marburg möchte sich ebenfalls beteiligen und will diesbezüglich einen Ergänzungsantrag an die Ministerien stellen. Begleitend wird mit einer Versorgungsforschungsanalyse geprüft, ob sich mit diesem Ansatz verlängerte Krankenhausaufenthalte, Arbeitslosigkeit sowie Frühberentung vermindern lassen und eine bessere Integration am Arbeitsmarkt ermöglicht wird.

Telemedizinische Daten-Auswertung

Im Rahmen des Projektes soll zudem eine technische Innovation vorangetrieben werden: die Schaffung von standardisierten und zertifizierten Lösungen für die telemedizinische Auswertung von EEG-Daten. Dazu haben Rosenow und Strzelczyk bereits Gespräche mit der Deutsche Telekom Healthcare and Security Solutions (DTHSS) geführt, die unter anderem die Anwendung Tele Health Ost-Sachsen (THOS) betreibt. Darüber hinaus erwägen die Spezialisten eine Kooperation mit dem Austrian Institute of Technologie.