Studie: Patienten offen für Gesundheitsdaten-Weitergabe

Smartwatch mit Pulsmessung
Smartwatch mit Pulsmessung: „Fitness-Tracker und Smartwatches werden der Türöffner für M-Health“ (Foto: © ballball14/fotolia.com)

Wenn die elektronische Übermittlung sensibler Gesundheitsdaten an den Arzt von großem, therapeutischen Nutzen ist, hätte die Mehrheit der Patienten kein Problem mit einer Datenübermittlung.

Die gemeinsame Studie „Mobile Health – Mit differenzierten Diensten zum Erfolg“ von der Unternehmensberatung Deloitte und dem IT-Branchenverband Bitkom zeigt, dass mobile Gesundheitsanwendungen großes Potenzial haben. Vor allem therapeutische Anwendungen für chronisch Kranke können einen hohen Nutzen bieten – gleichermaßen für die Patienten wie für die behandelnden Ärzte.

Für den momentan noch eher zurückhaltenden Einsatz von M-Health-Angeboten sind nicht etwa Bedenken um den sicheren Datenschutz der primäre Grund, sondern fehlende, passgenaue Angebote. Um entsprechende Anwendungen in die therapeutische Praxis zu bringen, sollte nach Einschätzung der Studie der regulatorische Rahmen stärker die neuen, digitalen Möglichkeiten aufgreifen. Die Rolle des Arztes könnte sich grundlegend verändern, wenn er konstant Gesundheitsdaten seiner Patienten empfangen und bei auffälligen Werten schnell aktiv werden kann.

Beliebte Fitness-Tracker

„Endgeräte wie Fitness-Tracker und Smartwatches werden der Türöffner für M-Health sein. Es muss gelingen, überzeugende Anwendungen mit sichtbarem Effekt anzubieten, die die unterschiedlichen Zielgruppen auf Basis der erhobenen Daten in ihrer Therapie oder ihrem Lebensstil effektiv unterstützen können“, erklärt Dr. Andreas Gentner, Partner und Leiter Technology, Media & Telecommunications (TMT) EMEA bei Deloitte.

Der Schutz der hochsensiblen Gesundheitsdaten ist ein wichtiger Baustein auf dem Weg zu einer mobilen Gesundheitsversorgung. Medizinische Daten können im Gesundheitssektor Leben retten. Eine konsequente und kluge Nutzung bei gleichzeitig bestmöglichem Schutz der Privatsphäre ist daher nach dem Urteil der Autoren unerlässlich.

Vertrauen in Ärzte ist groß

Die Offenheit der Patienten, ihre Daten zur Verfügung zu stellen, hängt stark davon ab, wer der Adressat der Daten sein soll. Insbesondere Ärzte genießen einen großen Vertrauensvorschuss: Ganze 55 Prozent würden den Medizinern ihre Gesundheitsinformationen bedenkenlos überlassen. Das Vertrauen im Umgang mit Patientendaten gegenüber Krankenkassen fällt dagegen deutlich geringer aus.

„Großes Potenzial im M-Health-Bereich verspricht zum Beispiel die Echtzeit-Übermittlung regelmäßig mobil erhobener Vitaldaten an Ärzte. Auf dieser Basis werden fundiertere Diagnosen und Entscheidungen möglich. Die Komplexität des Gesundheitssystems mit all seinen Beteiligten – Hersteller und Entwickler neuer Angebote, Leistungserbringer, Krankenkassen und Patienten – ist hierbei jedoch eine große Hürde. Anbieter- und branchenübergreifende Kooperationen könnten der Schlüssel sein, um das volle Potenzial von Mobile Health auszuschöpfen“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder.

Passgenaue Angebote sind gefragt

Die Verbreitung von mobilen, internetfähigen Endgeräten wie Smartphones ist in Deutschland nahezu flächendeckend. Doch ein weiteres Wachstum von M-Health ist kein Selbstläufer. Viele Verbraucher sehen in den Angeboten noch nicht den Mehrwert, der die teilweise hohen Preise für die Hardware rechtfertigt. Tatsächlich zielt der größte Teil der bisherigen Anwendungen auf das Tracking von Fitness-Aktivitäten, das Coaching und die Motivation der Nutzer. Diese Anwendungen sind darauf angelegt, mit einfachen, spielerischen Mitteln ein möglichst breites Publikum anzusprechen.

„Jetzt geht es darum, die bislang eher einfachen und generischen Angebote weiterzuentwickeln und auf die spezifischen Bedürfnisse einzelner Bevölkerungs- und Patientengruppen abzustimmen. Der Schwerpunkt der relevanten Anwendungen wird sich dabei stärker in Richtung chronisch Kranker entwickeln“, sagt Dr. Gregor-Konstantin Elbel, Partner und Leiter Life Sciences & Health Care bei Deloitte.

Drei wesentliche Zielgruppen

Mobile Gesundheitsanwendungen sind derzeit vor allem für drei Gruppen von Interessenten verfügbar: sportlich Aktive, chronisch Kranke und Übergewichtige. Bei der Weiterentwicklung digitaler Angebote spielen Gerätehersteller, Krankenkassen, Telekommunikationsanbieter, Pharmaindustrie, Internetfirmen und Start-ups, die sich auf die App-Entwicklung spezialisiert haben eine wichtige Rolle. Gemeinsam könnte es gelingen, die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung deutlich zu verbessern. Die Studie resümiert: Jetzt braucht es intelligente Kooperationsmodelle, in deren Zentrum die Patienten, spezifisches M-Health Wissen bei der Hardware-Entwicklung und Datensicherheit stehen müssen.