Mehr Effizienz durch Bluetooth in der Klinik

Simplinic-Firmengründer Steffen Geyer
Firmengründer Steffen Geyer: „Unsere Produkte laufen aktuell in 12 Krankenhäusern“. (Foto: Simplinic)

Das Berliner Startup Simplinic macht Krankenhäuser mit einem Bluetooth-Netzwerk zu smart Hospitals. Krankenhausbetten, mobile Medizingeräte und Hilfsmittel werden durch Bluetooth-Low-Energy in Echtzeit raumgenau lokalisiert und ausgelesen. Das Konzept zeigt Wirkung.

Die tägliche Organisation von Abläufen im Krankenhaus ist aufwändig. Pflegepersonal und Ärzte sind dadurch häufig mit zeitraubendem Koordinierungsaufwand beschäftigt, etwa beim Betten-, Beleg- und Entlassmanagement. Das geht auch einfacher, dachte man sich beim Berliner Startup Simplinic. Das 2016 gegründete Unternehmen bringt das Internet der Dinge (IoT) ins Krankenhaus. Für ein überschaubares Budget kann ein komplettes Klinikgebäude mit Bluetooth-Sendern und -Empfängern ausgestattet werden, was die technische Basis für alle Simplinic-Produkte bildet. Dabei ist Simplinic NET als eine offene Plattform konzipiert, die mit Anwendungen von Medizintechnikanbietern und Krankenhauslieferanten zusammenwirkt.

„Mit unserer Lösung können viele Prozesse automatisiert werden, etwa die kontinuierliche Überwachung von Temperatur und Luftfeuchtigkeit bei der Medikamentenlagerung oder die Disposition der Reinigungskräfte. Das sorgt für messbare Entlastung der Mitarbeiter. Da alle Medizingeräte sofort lokalisiert werden, können Krankenhäuser darüber hinaus ihr Portfolio von Medizingeräten reduzieren und so Geld sparen“, erläutert Firmengründer und CEO Steffen Geyer.

Kliniken mit deutlicher Ersparnis

Dass die Simplic-Lösung tatsächlich zu spürbar mehr Effizienz führt, kann Geyer und sein Team bereits beweisen: „Unsere Produkte laufen aktuell in 12 Krankenhäusern und unterstützen dort tagtäglich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Aktuell werden 10.000 Objekte kontinuierlich getrackt“. Zuletzt installierte Simplinic die Bluetooth-Lösung in Standorten der Universitätsmedizin Essen und in sieben Sana Kliniken in Nordrhein-Westfalen. „Wir sind selbst überrascht, wie eindeutig der Nutzen in allen Häusern ist. Der Reinigungsdienst wird per App bedarfsgerecht durch die Krankenhäuser gelotst. Das beschleunigt die Bettenreinigung überall zwischen 20 und 40 Prozent und entlastet die Station spürbar – weil in der Regel schon wieder neue Patienten auf ein Bett warten.“, erklärt der CEO.

Nächstes Ziel von Simplinic ist es, mehr Kooperationen zu vereinbaren: „Wir möchten möglichst viele Partner aus der Medizintechnikbranche gewinnen, unsere technische Bluetooth-Plattform für eigene Produkte und Anwendungen zu nutzen, denn wir können nicht alle Lösungen selber entwickeln“, erläutert Geyer. Neben der Suche nach weiteren Partnern und Produkten steht auch die Internationalisierung auf dem Plan.

Ausdauer ist notwendig

Insgesamt sieht man bei dem Berliner Unternehmen die Bedingungen für Medizin-Startups in Deutschland recht positiv. „Mit dem DVG wird endlich ein Marktzugang für innovative digitale Gesundheitsanwendungen geschaffen. Darüber hinaus wäre es wünschenswert, wenn verbindliche Interoperabilitätsstandards geschaffen würden. Das würde einen echten Innovationsschub ermöglichen“, unterstreicht der Firmengründer. „Wichtig ist aber auch: Medizin ist und bleibt ein besonderes Betätigungsfeld und sowohl Investoren als auch Gründer sollten Expertise und Ausdauer mitbringen“.