Datenschutzkonforme Gesundheitsvorsorge-Apps

Die App BAYathlon zeigt die Live-Herzfrequenzdaten und Phasen des Vorhofflimmerns an. (Foto: Fraunhofer FIT)

Zwei neue Apps zur Gesundheitsvorsorge stellen Fraunhofer-Forscher auf der Medica (18. bis 21. November 2019 in Düsseldorf) vor. Die App teamFIT soll Sporttrainer dabei unterstützen, den aktuellen Fitnesszustand ihrer Teams zu überwachen. Die App BAYathlon soll helfen, eine spezielle Form von Herzrhythmusstörung rechtzeitig zu erkennen. Bei der Entwicklung der beiden Apps haben die Forscher am Fraunhofer- Anwendungszentrum SYMILA einen besonderen Fokus auf den Datenschutz gelegt.

Vorhofflimmern ist eine der häufigsten Herzrhythmusstörungen bei Erwachsenen, die  unentdeckt zum Schlaganfall führen kann. Die Diagnose-App BAYathlon wurde dazu entwickelt, Vorhofflimmern rechtzeitig zu erkennen lässt. Das Projekt wird vom Industriepartner Bayer AG gefördert. Das Unternehmen begleitet das Projekt mit einer Studie. 

Die App läuft auf Geräten ab Android 4.4 und auf iOS ab Version 9.3. Sie wird zusammen mit einem Brustgurt oder einem Pulsmesser am Handgelenk genutzt, üblicherweise beim Sport, etwa beim Laufen oder Radfahren. In dem Gurt oder dem Pulsmesser befindet sich ein Herzfrequenzmessgerät. Dieses Gerät überträgt die Messdaten per Bluetooth an das Smartphone. Danach wertet die App die Live-Herzfrequenzdaten aus, die am Display angezeigt werden. 

Direktes Warnsignal

„Charakteristisch für Vorhofflimmern ist, dass der Herzschlag innerhalb weniger Sekunden starken Schwankungen unterliegt. Wird ein bestimmter Schwankungsschwellwert überschritten, erkennt der integrierte Algorithmus dies. Bei Auffälligkeiten ertönt ein akustisches Warnsignal“, erläutert Michael Fuchs, Wissenschaftler am Anwendungszentrum SYMILA. Am Display erscheint in diesem Fall außerdem eine Information, die den Sportler darauf hinweist, eine Pause einzulegen. Die Messergebnisse werden darüber hinaus grafisch dokumentiert, sodass Ärzte gegebenenfalls Therapien einleiten können.Die App wurde bereits mit Hilfe von Testdatensätzen mit einer hohen Erfolgsquote von 95 Prozent geprüft.

Alle Daten werden in der App gespeichert und dort verarbeitet, ein Internetanschluss ist daher nicht erforderlich und der Schutz der Anwenderdaten ist gewährleistet. Zudem lässt sich die App zusammen mit allen Messgeräten nutzen, die Open Source unterstützen.

Verletzungsgefahr minimieren

Mit der auf der Plattform teliFIT basierenden App teamFIT sollen Trainer den aktuellen Fitnesszustand der von ihnen betreuten Sportler objektiv bewerten können. Ziel der Präventions-App ist es, eine sich anbahnende Verletzung und damit den drohenden Ausfall eines Spielers rechtzeitig zu erkennen. In diesem Fall kann beispielsweise das Trainingspensum eingeschränkt werden, um so die Belastung des Spielers zu reduzieren. Im Profisport ist es entscheidend, die ideale Balance zwischen Hochbelastung und Ruhephasen zu finden. Hierbei soll die App den Trainer unterstützen. 

Spielerdaten übersichtlich ausgewertet

Die Spieler nutzen teamFIT mehrmals täglich vor und nach jedem Training. Hierzu beantworten sie verschiedene Fragen, unter anderem zum Allgemeinzustand, zum Schlaf und zum Training. Der Trainer erhält die ausgewerteten Daten zu allen Spielern für jeden Tag übersichtlich aufbereitet. Parameter wie WellnessScore, Chronische Belastung, Akute Belastung, EWMA (Exponatiolly Weighted Moving Averages), Frische-Index, ACWR (Acute Chronic Workload Ratio), Monotonie-Index und Beanspruchung, helfen ihm dabei, den Fitnesszustand einzuschätzen. „Die App sorgt dafür, dass die Antworten gegenüber den Mitspielern anonym bleiben“, sagt Prof. Dr. Harald Mathis, Wissenschaftler am Fraunhofer FIT und Leiter des Anwendungszentrums SYMILA. Der Trainer wiederum erspare sich zeitaufwändiges Abfragen und Ausfüllen von Excellisten.  

Die App kommt bereits beim Handball-Zweitligisten ASV Hamm-Westfalen e.V zum Einsatz, kann jedoch von jedem Sportverein lizensiert werden. Sie unterstützt sowohl iOS- als auch Android-Geräte.