Lebensrettung via App wird erforscht

Reanimation durch ein Rettungsteam auf der Straße
Plötzlicher Herzstillstand: Reanimation durch ein Rettungsteam auf der Straße (Foto: © Jaromír Chalabala/123rf.com)

Anlässlich des Weltherztages informiert das Universitätsklinikum Regensburg (UKR) über eine App, die in der Region künftig zur Rettung vieler Menschenleben beitragen könnte. Die Effektivität dieser App wird jetzt wissenschaftlich untersucht.

Wer auf der Straße mit einem Herzstillstand bewusstlos zusammenbricht, braucht Glück: Ein Passant, der den Vorfall beobachtet und beherzt eingreift, kann vielleicht das Leben retten. Denn wichtig ist eine schnell beginnende Reanimation. So viel Glück haben in Deutschland nicht viele Menschen mit plötzlichem Herzstillstand. Mit gerade einmal 22 Prozent liegt der Durchschnitt der Laienreanimation im europäischen Vergleich sehr niedrig. Insgesamt sterben in Deutschland jedes Jahr rund 65.000 Menschen am plötzlichen Herztod. Damit zählt dieser noch immer zu einer der führenden Todesursachen hierzulande.

Wissenschaftliche Grundlage für App-Einsatz

Abhilfe könnte in der Region Regensburg eine App für das Smartphone schaffen, die direkt mit der Rettungsleitstelle verbunden ist. Im Notfall ortet die App ausgebildete Ersthelfer im Umkreis und lotst diese zum jeweiligen Einsatzort, noch bevor der Rettungsdienst eintrifft. Auf diese Weise gewinnt der Patient wertvolle Minuten, die ihm das Leben retten oder seinen neurologischen Zustand verbessern können. Die Effektivität dieser App wird aktuell von PD Dr. Carsten Jungbauer aus der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin II und Dr. Julian Hupf aus der Interdisziplinären Notaufnahme des UKR untersucht. „Wir möchten herausfinden, ob App-basierte Systeme dazu beitragen, die Überlebenschance der Patienten tatsächlich zu verbessern, und wie groß der Vorteil zum herkömmlichen Rettungssystem ausfällt. Damit erarbeiten wir eine fundierte wissenschaftliche Grundlage zum Einsatz solcher Apps“, so Jungbauer.

Meist reanimiert erst der Rettungsdienst

Studien belegen, dass Reanimationen bei einem plötzlichen Herz-Kreislauf-Stillstand meist erst durch den Rettungsdienst durchgeführt werden und eher selten durch Passanten oder Angehörige. Zwar gibt es mittlerweile Smartphone-Apps, die Laien in den Basismaßnahmen anleiten, und auch eine telefonische Anleitung durch die Rettungsleitstelle wird angeboten, jedoch sind die Hemmschwellen in der Praxis häufig zu hoch.

Diese Herausforderung soll mit dem neuen App-basierten System umgangen werden. Notfalleinsätze sollen durch ein gezieltes Hinzuziehen von Fachkräften wie Krankenschwestern, Rettungsassistenten, Ärzten oder Feuerwehrleuten effektiver und schneller gestaltet werden. Diese können sich als potentielle Ersthelfer in der App registrieren. Wird dann in der Leitstelle eine Reanimationssituation erfasst, werden sie über die App mit einer Situationsbeschreibung alarmiert. Nimmt ein Ersthelfer den Auftrag an, wird eine Navigationskarte eingeblendet, um ihn zum Einsatzort zu führen. Ähnliche Verfahren gibt es bereits in den Niederlanden, Schweden, Dänemark, Österreich und anderen Gebieten in Deutschland.

Studie dauert zwei Jahre

Bevor dieses System in den Regensburger Rettungsdienst dauerhaft integriert wird, soll die App auf ihre Effizienz überprüft werden. Geplant ist für die Studie der Einschluss von etwa 600 bis 700 Patienten über einen Zeitraum von zwei Jahren. Mittels einer Experimental- und einer Kontrollgruppe werden, neben Alarmierungs- und Eintreffzeiten von Rettungsdienst und Ersthelfern, insbesondere die Auswirkungen des Einsatzes der App auf das Überleben und auf die Minimierung von neurologischen Defiziten untersucht.

Herzstiftung fördert

Gefördert wird dieses Projekt von der Deutschen Herzstiftung e.V. „Die Einführung einer solchen App könnte viel bewegen. Als Krankenhaus der Maximalversorgung verfügt das UKR technisch und personell über eine große Expertise in der Versorgung von Patienten nach Herz-Kreislauf-Stillstand. Allerdings sind unsere Patienten immer auch auf eine möglichst optimale Erstversorgung angewiesen“, kommentiert Professor Dr. Lars Maier, Direktor der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin II des UKR.