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Tomosynthese entdeckt mehr Brustkrebs im Screening

Die digitale Brust-Tomosynthese erkennt im Mammografie-Screening mehr invasive Tumoren als die klassische digitale Mammografie (Foto: AndreyPopov / Smarterpix)

Die digitale Brust-Tomosynthese erkennt im Mammografie-Screening mehr invasive Tumoren als die klassische digitale Mammografie. Eine große deutsche Vergleichsstudie zeigt zudem weniger Brustkrebserkrankungen zwischen zwei Screening-Terminen. Über den gesamten Zweijahreszeitraum war dieser Unterschied allerdings statistisch nicht signifikant.

Die digitale Brust-Tomosynthese könnte die Früherkennung von Brustkrebs verbessern. Das zeigen neue Ergebnisse der TOSYMA-Studie, der bislang weltweit größten randomisierten Vergleichsstudie zwischen Tomosynthese und klassischer digitaler Mammografie. Zwischen 2018 und 2020 nahmen knapp 100.000 Frauen im Alter von 50 bis 70 Jahren an 17 Screening-Standorten in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen teil. Die Untersuchung war in das reguläre deutsche Mammografie-Screening eingebettet und fand damit unter Alltagsbedingungen statt. Die Ergebnisse der zweijährigen Nachbeobachtung sind in The Lancet Oncology veröffentlicht worden. Bereits eine erste Auswertung der Studie hatte gezeigt, dass die Tomosynthese mehr invasive Brustkrebserkrankungen entdeckt als die klassische digitale Mammografie. Die Detektionsrate lag bei 7,1 statt 4,8 invasiven Tumoren pro 1.000 untersuchte Frauen. Bei der Tomosynthese werden mehrere niedrig dosierte Röntgenaufnahmen aus unterschiedlichen Winkeln erstellt. Daraus entstehen Schichtbilder mit einer Dicke von höchstens einem Millimeter. Überlagerndes Brustgewebe kann dadurch weniger leicht kleine Tumoren verdecken. Die aktuelle Auswertung konzentrierte sich auf sogenannte Intervallkarzinome. Damit werden Tumoren bezeichnet, die nach einem unauffälligen Screening, aber noch vor der nächsten regulären Untersuchung entdeckt werden.

Weniger Intervallkarzinome im ersten Jahr

Im ersten Jahr nach dem Screening wurden in der Tomosynthese-Gruppe 4,5 invasive Intervallkarzinome pro 10.000 Frauen festgestellt. In der Mammografie-Gruppe waren es 6,3 Fälle. Damit lag die Rate in der Tomosynthese-Gruppe um 29 Prozent niedriger. Über den gesamten Zeitraum von zwei Jahren wurden 14,2 Intervallkarzinome pro 10.000 Frauen in der Tomosynthese-Gruppe und 18,6 Fälle in der Mammografie-Gruppe festgestellt. Das entspricht einer Reduktion um 24 Prozent. Dieser Unterschied erreichte über zwei Jahre jedoch keine statistische Signifikanz. Die Forschenden verweisen unter anderem darauf, dass aufgrund der Corona-Pandemie rund 20.000 Frauen weniger an der Studie teilnahmen als ursprünglich geplant. Besonders ausgeprägt zeigte sich der Unterschied bei Frauen, die bereits zuvor am Mammografie-Screening teilgenommen hatten. In dieser Gruppe lag die Rate der Intervallkarzinome nach zwei Jahren bei 13,5 pro 10.000 Frauen. Bei Teilnehmerinnen in ihrer ersten Screening-Runde war dagegen nahezu kein Unterschied zwischen den Untersuchungsverfahren erkennbar. Auch die Eigenschaften der später diagnostizierten Tumoren unterschieden sich. Intervallkarzinome nach Tomosynthese waren seltener lokal fortgeschritten und seltener mit einem Befall der axillären Lymphknoten verbunden. Solche Merkmale gelten als Hinweise darauf, dass Tumoren durch das Screening möglicherweise früher erkannt wurden.

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Mehr Tumoren werden bereits im Screening erkannt

Innerhalb von zwei Jahren wurden in der Tomosynthese-Gruppe 83,5 Prozent aller diagnostizierten invasiven Brustkrebserkrankungen bereits bei der Screening-Untersuchung entdeckt. Bei der klassischen digitalen Mammografie lag dieser Anteil bei 72,3 Prozent. Gleichzeitig war die Spezifität beider Verfahren ähnlich. Frauen ohne Brustkrebs wurden also in beiden Gruppen vergleichbar zuverlässig als unauffällig eingestuft.

„Unsere Studie leistet einen entscheidenden Beitrag zur wissenschaftlichen Grundlage für die Anwendung der Tomosynthese im Brustkrebs-Screening“, ordnet Prof. Stefanie Weigel von Universität Münster und Universitätsklinikum Münster die Ergebnisse ein.

Die Ergebnisse sprechen dafür, dass die Tomosynthese invasive Brustkrebserkrankungen häufiger und zum Teil früher erkennt. Noch ist jedoch nicht geklärt, ob dies langfristig auch zu weniger fortgeschrittenen Tumorstadien oder einer geringeren Brustkrebssterblichkeit führt. Genau diese Frage wollen die Forschenden mit weiteren Nachbeobachtungen untersuchen. Ebenso bleibt zu bewerten, ob die höhere Detektionsrate möglicherweise auch Tumoren erfasst, die ohne Screening zu Lebzeiten keine Beschwerden verursacht hätten. Die Balance zwischen früherer Erkennung und möglichen Überdiagnosen ist deshalb ein zentraler Punkt bei der Bewertung neuer Screeningverfahren.

Universität Münster ►