Das deutsch-dänische Forschungsprojekt HospiBot hat verschiedene Robotiklösungen drei Jahre lang im Klinikalltag erprobt. Die Systeme sollen Besucher führen, Transporte übernehmen, nachts unterstützen und internationales Personal beim Sprachtraining begleiten. Der größte praktische Stolperstein liegt dabei nicht allein in der Technik, sondern auch in Regulierung und Integration in bestehende Abläufe.
Roboter sollen Pflegekräfte und anderes Klinikpersonal künftig stärker bei nicht-medizinischen Routineaufgaben unterstützen. Wie das im realen Krankenhausbetrieb funktionieren kann, hat das deutsch-dänische Forschungsprojekt HospiBot über drei Jahre hinweg untersucht. Beteiligt waren Hochschulen, Forschungseinrichtungen und vier Kliniken in Deutschland und Dänemark. Entwickelt und getestet wurden mehrere Robotiklösungen für unterschiedliche Einsatzbereiche – von der Besucherbegleitung über autonome Transporte bis zur nächtlichen Unterstützung auf Station. Das mit rund 1,68 Millionen Euro aus dem EU-Programm Interreg Deutschland-Danmark geförderte Projekt endete Ende August 2026. Nun haben die Beteiligten Bilanz gezogen.
Humanoider Roboter weist Besuchern den Weg
Ein zentraler Baustein ist der humanoide Roboter „HuGo“. Er kann Besucherinnen und Besucher empfangen, einfache Fragen beantworten, Wege erklären und Personen innerhalb des Krankenhauses begleiten. Getestet wurde HuGo unter anderem seit Mitte 2024 in der Kinderklinik des Universitätsklinikums Odense. Rückmeldungen von Patienten, Besuchern und Personal flossen in die Weiterentwicklung ein. Dabei zeigte sich nach Angaben des Projektteams, dass nicht nur die Funktionalität, sondern auch Mimik, Gestik und Art der Interaktion entscheidend dafür sind, wie ein solcher Roboter angenommen wird. Bei Kindern wurde HuGo unter anderem als interaktiver Partner für personalisierte Geschichten eingesetzt.
Autonome Transporte und Unterstützung in der Nacht
Ein weiterer Prototyp ist eine autonome Transportbox. Sie soll kleinere Güter innerhalb des Krankenhauses selbstständig befördern und damit Laufwege für das Personal reduzieren. Der Zugriff ist autorisiert, sodass nur berechtigte Mitarbeitende die transportierten Gegenstände entnehmen können. Für den nächtlichen Einsatz entwickelten Forschende zudem den Sicherheits- und Telepräsenzroboter „Tele“. Er soll auf Patrouillen hilfsbedürftige Personen erkennen und ihnen bei Bedarf eine Videoverbindung zum Pflegepersonal ermöglichen. Zum Einsatz kommen dabei Wärmebild- und Radarsensoren. Nach Angaben des Projektteams funktionieren sie auch bei Dunkelheit und sollen zugleich einen datenschutzgerechten Betrieb ermöglichen. In Tests wurde unter anderem untersucht, aus welchen Entfernungen und in welchen Situationen Personen zuverlässig erkannt werden. Nicht alle HospiBot-Anwendungen bewegen sich autonom durch die Klinik. An der HAW Kiel entstand gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Schleswig-Holstein ein Konzept für einen KI-gestützten robotischen Sprachtrainer. Der soziale Forschungsroboter „Furhat“ soll dabei unterschiedliche Patientenrollen übernehmen. Internationale Pflegekräfte können mit ihm beispielsweise Anamnesegespräche auf verschiedenen Sprachniveaus trainieren. Erste Praxistests seien nach Angaben der Projektpartner vielversprechend verlaufen. Hochschule und Universitätsklinikum wollen den Ansatz deshalb weiterverfolgen.
Regulierung wird zum eigenen Projektbaustein
Ein Ergebnis von HospiBot betrifft weniger die Robotik selbst als deren Einführung im Krankenhaus. Die Fraunhofer-Einrichtung für Individualisierte Medizintechnik IMTE entwickelte deshalb einen regulatorischen Handlungspfad für Kliniken. Denn beim Einsatz von Servicerobotern greifen gleichzeitig unterschiedliche Anforderungen: Produkt- und Maschinensicherheit, Datenschutz, Cybersicherheit, Arbeitsschutz sowie interne Vorgaben zu Hygiene, Brandschutz, Risikomanagement und Infrastruktur. Hinzu kommt die Frage, ob ein System lediglich Serviceaufgaben übernimmt oder aufgrund seines Verwendungszwecks als Medizinprodukt einzustufen ist. Genau diese Abgrenzung kann zusätzliche regulatorische Anforderungen auslösen. Der entwickelte Handlungspfad soll Krankenhäuser dabei unterstützen, Zuständigkeiten und Vorgaben frühzeitig zu klären und Robotikprojekte strukturiert vorzubereiten.
Entlastung noch nicht quantitativ belegt
HospiBot zeigt damit vor allem, welche Aufgaben Servicerobotik im Krankenhaus grundsätzlich übernehmen kann und welche organisatorischen Voraussetzungen dafür notwendig sind. Ob die Systeme den Personalaufwand tatsächlich messbar reduzieren, Wegezeiten verkürzen oder die Versorgung wirtschaftlicher machen, wurde im Projekt jedoch nicht systematisch quantifiziert. Auch handelt es sich bei den entwickelten Robotern überwiegend um Forschungs- und Demonstrationssysteme. Der praktische Wert des Projekts liegt deshalb derzeit weniger in einem belegten Effizienzgewinn als in den Erfahrungen aus realen Kliniktests – und in der Erkenntnis, dass erfolgreiche Gesundheitsrobotik nicht nur funktionierende Technik, sondern auch klare Prozesse, Akzeptanz und regulatorische Vorbereitung benötigt.