KI • Medizin & Technik

Maschinenlesbare Leitlinien für medizinische KI erforderlich

Medizinische Leitlinien sollen künftig nicht nur für Menschen lesbar, sondern auch für digitale Systeme strukturiert nutzbar sein (Foto: NongEngEng / Smarterpix)

Medizinische Leitlinien sollen künftig nicht nur für Menschen lesbar, sondern auch für digitale Systeme strukturiert nutzbar sein. Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) fordert deshalb maschinenlesbare Leitlinien im FHIR-Format – als qualitätsgesicherte Wissensbasis für KI-Anwendungen in der Versorgung.

Künstliche Intelligenz wird zunehmend genutzt, um medizinische Informationen aufzubereiten, klinische Entscheidungen zu unterstützen oder gesundheitsbezogene Fragen zu beantworten. Damit wächst die Bedeutung verlässlicher Wissensquellen. Die AWMF fordert deshalb, evidenzbasierte Leitlinien stärker in digitale Systeme und KI-Anwendungen zu integrieren. Anlass ist der World Evidence-Based Healthcare Day am 20. Oktober 2026. Nach Auffassung der AWMF reicht es künftig nicht mehr aus, Leitlinien ausschließlich als klassische Dokumente bereitzustellen. Inhalte müssten so strukturiert werden, dass digitale Systeme einzelne Empfehlungen, Evidenzangaben und weitere Informationen eindeutig verarbeiten können. Dafür setzt die AWMF auf den internationalen Standard FHIR – Fast Healthcare Interoperability Resources. Im AWMF-Regelwerk wird bereits empfohlen, bei digitalen Leitlinienformaten auf international vereinbarte Terminologien und Spezifikationen wie EBMonFHIR zurückzugreifen.

„Für KI-Anwendungen gilt generell, dass sie nachvollziehbar und transparent sein müssen. Daraus ergibt sich, dass eine Qualitätssicherung der durch KI ausgegebenen Informationen sichergestellt wird“, betont Prof. Ina Kopp, Leiterin des AWMF-Instituts für Medizinisches Wissensmanagement.

Bereits 2024 hat die AWMF das Projekt Dissolve-E gestartet. Ziel ist, das bestehende Leitlinienregister in eine strukturierte digitale Wissensbasis zu überführen. Dadurch sollen Leitlinien künftig leichter in klinische Entscheidungsunterstützung, Krankenhausinformationssysteme, Apps oder andere digitale Gesundheitsanwendungen eingebunden werden können. Auch KI-Systeme könnten so gezielter auf geprüfte Inhalte zugreifen. Die AWMF hat dafür bereits technische FHIR-Strukturen für das Leitlinienregister entwickelt. Diese sollen eine standardisierte Bereitstellung von Informationen ermöglichen und die Integration in andere Systeme vereinfachen.

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Qualitätssicherung wird zentral

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Qualität der Inhalte, die KI-Systeme verwenden. Die AWMF warnt davor, medizinische Informationen aus unklaren oder unzureichend geprüften Quellen unkontrolliert in KI-Anwendungen einfließen zu lassen. Wissenschaftlich entwickelte Leitlinien könnten hier eine verlässlichere Grundlage bilden, weil ihre Empfehlungen nach definierten methodischen Verfahren erstellt und regelmäßig aktualisiert werden. Gleichzeitig bedeutet die Nutzung maschinenlesbarer Leitlinien nicht automatisch, dass KI-Ausgaben medizinisch korrekt sind. Auch Modelle, die auf hochwertigen Quellen basieren, können Informationen falsch gewichten, veralten lassen oder in einen ungeeigneten klinischen Kontext übertragen.

Aus Sicht der AWMF braucht es deshalb neben strukturierten Daten auch transparente und nachvollziehbare KI-Systeme sowie Verfahren zur Qualitätssicherung. Die AWMF richtet ihre Forderung auch an die Politik. Bei künftigen Gesetzgebungsverfahren zur Digitalisierung des Gesundheitswesens solle regelmäßig geprüft werden, wie das digitale AWMF-Leitlinienregister eingebunden werden kann. Damit adressiert die Fachgesellschaft einen zentralen Punkt künftiger medizinischer KI: Nicht allein die Leistungsfähigkeit eines Modells entscheidet über seinen Nutzen, sondern auch die Qualität und Struktur des medizinischen Wissens, auf das es zugreift.

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