Ein neuer CE-IVD-Test kombiniert LAMP und CRISPR-Cas, um wichtige Resistenzmutationen bei Candidozyma auris innerhalb von rund 45 Minuten nachzuweisen. Entwickelt wurde das System von AmplexDiagnostics und Scope Biosciences.
Der multiresistente Hefepilz Candidozyma auris – früher Candida auris – stellt Kliniken vor besondere Herausforderungen. Er kann sich in Gesundheitseinrichtungen ausbreiten, invasive Infektionen verursachen und weist häufig Resistenzen gegen Antimykotika auf. Echinocandine gelten deshalb weiterhin als bevorzugte Erstlinientherapie bei den meisten Infektionen. Mit eazySNP C. auris FKS1 S639 bringen AmplexDiagnostics und Scope Biosciences nun einen molekularen Schnelltest auf den Markt, der gezielt Mutationen im FKS1-Gen nachweist. Diese Veränderungen sind mit einer Resistenz gegen Echinocandine verbunden. Der Test ist nach der europäischen IVDR CE-gekennzeichnet.
Ergebnis nach rund 45 Minuten
Technisch kombiniert das System zwei molekulare Verfahren: Zunächst wird die Zielsequenz mittels LAMP – Loop-mediated Isothermal Amplification – vervielfältigt. Anschließend erfolgt der hochspezifische Nachweis mit einer CRISPR-Cas-basierten Methode. Der Test kann nach Herstellerangaben direkt aus einer einzelnen Hefekolonie durchgeführt werden. Eine aufwendige DNA-Extraktion oder Sequenzierung ist nicht erforderlich. Das Ergebnis soll nach etwa 45 Minuten vorliegen. Nachgewiesen werden Varianten an Position S639 im FKS1-Gen, darunter S639F, S639Y und S639P. Diese Mutationen betreffen die β-Glucan-Synthase, das Angriffsziel der Echinocandine. Die Bedeutung dieser Mutationen ist gut dokumentiert. In einer aktuellen US-amerikanischen Genomanalyse trugen 49 von 53 echinocandinresistenten C. auris-Isolaten eine Mutation im FKS1-Gen; darunter fanden sich auch Veränderungen an Position S639. Auch frühere Untersuchungen zeigten einen engen Zusammenhang zwischen S639-Mutationen und Echinocandin-Resistenz. Damit eignet sich der Marker grundsätzlich, um Hinweise auf eine mögliche Therapieresistenz schnell verfügbar zu machen. Der Nutzen eines solchen Schnelltests liegt vor allem darin, dass Labore und Behandlungsteams früher erkennen können, ob eine zentrale Resistenzmutation vorliegt. Das kann helfen, weitere Diagnostik oder eine Anpassung der antifungalen Therapie schneller einzuleiten.
Kein vollständiger Ersatz für Empfindlichkeitstests
Der Test sollte allerdings nicht als umfassende Resistenzdiagnostik verstanden werden. Er erfasst gezielt bestimmte FKS1-Mutationen. Echinocandin-Resistenz kann prinzipiell auch mit anderen Veränderungen im FKS1-Gen zusammenhängen; zudem bleibt für die klinische Bewertung die gesamte mikrobiologische und therapeutische Situation relevant. Die CDC empfiehlt deshalb weiterhin eine antifungale Empfindlichkeitsprüfung bei klinischen C. auris-Isolaten. Der genetische Schnelltest kann diese Diagnostik ergänzen, insbesondere wenn rasch ein Hinweis auf bekannte Resistenzmechanismen benötigt wird. Für die beiden Unternehmen markiert das Produkt zugleich einen regulatorisch wichtigen Schritt. Nach Angaben von Scope Biosciences handelt es sich um den ersten klinischen CRISPR-Cas-Test des Unternehmens mit CE-Kennzeichnung nach IVDR. Die Technologie wird damit aus der Forschung in eine regulierte In-vitro-Diagnostik überführt. AmplexDiagnostics ist in Gars-Bahnhof bei München ansässig und vertreibt bereits LAMP-basierte Diagnostiksysteme. Mit eazySNP erweitert das Unternehmen sein Portfolio nun um einen gezielten CRISPR-basierten SNP-Nachweis.