Gesundheitliche Risiken bei Coffee-to-go

Einweg-Pappbecher
Einweg-Pappbecher: In Deutschland werden stündlich 320.000 Coffee to go-Becher verbraucht, pro Jahr sind das fast drei Milliarden (Foto: © Nontawat Thongsibsong/123rf.com)

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) weist darauf hin, dass „Coffee-to-go“-Becher, aber auch anderes Geschirr aus Bambusfasern oder Maismehl, häufig die chemischen Substanzen Melamin oder Formaldehyd enthält.

Bei Schwerpunktuntersuchungen der Bundesländer wurde der spezifische Migrationsgrenzwert für Melamin in einem Viertel der Proben überschritten. Darauf wies das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit aktuell auf einer Pressekonferenz in Berlin hin.

Derzeit werden als vermeintlich nachhaltige Alternativen zu Einweg-Produkten verstärkt „Coffee-to-go“-Becher aus „natürlichen“ Rohstoffen wie Bambusfasern oder Maismehl angeboten. Auch andere Bedarfsgegenstände wie Teller, Schüsseln oder Besteck gibt es in dieser Form. Die meisten dieser Produkte enthalten jedoch Kunststoffe wie Melamin-Formaldehyd-Harze. Bei höheren Temperaturen über 70 Grad Celsius können gesundheitlich bedenkliche Mengen an Melamin und Formaldehyd in Lebensmittel übergehen (migrieren), wenn also beispielsweise heiße Getränke wie Kaffee oder Tee eingefüllt oder Speisen in der Mikrowelle erhitzt werden.

Bei Untersuchungen der Bundesländer im Rahmen des bundesweiten Monitorings wurden 56 Produkte untersucht. In einem Viertel der Proben wurde der spezifische Migrationsgrenzwert für Melamin überschritten, in 11 Prozent der Proben für Formaldehyd. Die höchsten Werte lagen um das 4-fache bei Melamin und um das 19-fache bei Formaldehyd über den spezifischen Migrationsgrenzwerten. 

Dauerhaft wiederverwendbare Tassen nutzen

„Die Verbraucherinnen und Verbraucher denken, sie greifen zu einer umweltfreundlichen Alternative, halten dann aber ein Produkt in Händen, von dem ein gesundheitliches Risiko ausgehen kann“, erklärte BVL-Präsident Dr. Helmut Tschiersky. „Besonders bedenklich ist, dass die Übergänge von Melamin in die jeweiligen Lebensmittel bei mehrfacher Nutzung der Produkte sogar ansteigen.“ Die Untersuchungsämter der Bundesländer untersuchten jeweils das dritte und das fünfte Migrat, also den Übergang aufs Lebensmittel bei der dritten und fünften Verwendung. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte deshalb auf Einwegbehälter und Alternativprodukte wie Bambusbecher gänzlich verzichten und wiederverwendbare Tassen und Teller aus Glas, Porzellan oder Metall verwenden.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat bereits 2010 im Codex Alimentarius einen maximalen Grenzwert von 2,5 Milligramm Melamin in einem Kilogramm Lebensmittel und der Tiernahrung festgelegt. Für Kindernahrung wie Milchpulver wurde ein Grenzwert von einem Milligramm Melamin pro Kilogramm bestimmt.