Digitale Therapiebegleitung bei Schaufensterkrankheit

Einige Studienteilnehmer werden mit einem Aktivitätstracker ausgestattet, der Informationen zum Gehtraining und zur Herzfrequenz erfasst. (Foto: pictworks - Fotolia.com)

Rund 4,5 Millionen Erwachsene in Deutschland sind von der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) betroffen. Auch die Begleit- und Folgeerkrankungen der so genannten Schaufensterkrankheit können beträchtlich sein. Sie reichen von Übergewicht, Hypertonie, Diabetes, Schmerzen, Schlaganfall, offenen Wundstellen bis hin zu Amputationen oder Herzinfarkt. In einem Projekt wird derzeit die Wirkung von digitalem Gesundheitscoaching auf diese Patienten untersucht.

Rund 500.000 stationäre Krankenhausaufenthalte jährlich sind direkt mit der pAVK direkt verbunden. Die damit verbundenen Ausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) belaufen sich auf mehr als drei Milliarden Euro pro Jahr. Hier setzt das das Projekt „pAVK – TeGeCoach: Gesundheitscoaching und telemetrisch unterstütztes Gehtraining (TeGe) zur Steigerung der Lebensqualität“ an. Untersucht werden soll, ob durch intensives Gesundheitscoaching das Fortschreiten der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) nachweislich verzögert beziehungsweise vermieden werden kann.

Partner gegen Schaufensterkrankheit

Initiiert wurde das Projekt von der Kaufmännische Krankenkasse (KKH) gemeinsam mit der Techniker Krankenkasse (TK), dem Robert Bosch Krankenhaus Stuttgart (RBK), der mhplus Betriebskrankenkasse, Philips, I.E.M. Industrielle Entwicklung Medizintechnik und Vertriebsgesellschaft mbH und dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). 4.630 Patienten werden dazu über eine Laufzeit von vier Jahren begleitet, das Projekt dauert noch bis 2021.

Aktivitätstracker für zielgenaue Betreuung

So soll beispielsweise eine intensive Gesundheitsberatung den Betroffenen helfen, einen bewegten, gefäßgesunden Lebensstil im Alltag zu etablieren. Im Rahmen des Projektes wird deshalb eine Gruppe von Teilnehmern wird mit einem Aktivitätstracker ausgestattet, der Informationen zum Gehtraining und zur Herzfrequenz erfasst. Die so erhobenen Daten dienen als Basis für die Betreuung durch die Gesundheitsberater. Die Werte werden mit den Patienten besprochen, um sie zur Fortsetzung und Verbesserung des Trainings sowie des Lebensstils zu motivieren.

„Neu an der Versorgungsform ist ein konsequent dialogischer Coachingansatz bei dem der Patient einen wesentlichen aktiven Part übernimmt“, sagt Prof. Dr. Alscher, medizinischer Leiter der Studie im RBK. Dr. Susanne Klein von der TK ergänzt: „Wir erwarten, dass die Studienteilnehmer von einem kontrollierten Gehtraining in Kombination mit einer abgestimmten Medikation und gesunder Ernährung profitieren werden. Diese Versorgungsbausteine sollen unsere Versicherten dabei unterstützen, einen bewegten und damit gefäßförderlichen Lebensstil im Alltag zu etablieren.“

Neben einer Steigerung der Lebensqualität bei den Patienten soll eine Verminderung ihrer Krankheitslast sowie eine deutliche Reduktion der direkten sowie indirekten Behandlungskosten erreicht werden, davon gehen die am Projekt beteiligten Partner aus. Sie hoffen zudem, dass das Projekt sich zukünftig die Blaupause bilden kann für die begleitende Therapie vieler anderer chronischer Erkrankungen wie zum Beispiel Diabetes Mellitus. Die Erkenntnisse aus dem Projekt durch das UKE wissenschaftlich erfasst und ausgewertet.

Digitale Coaching-Plattform

Die digitale Coaching-Plattform für die eingehenden Daten wurde für die Versicherten der TK von Philips entwickelt. Philips DACH-CEO Peter Vullinghs ist davon überzeugt, dass es vor dem Hintergrund des demographischen Wandels und der steigenden Zahl von Menschen mit chronischen Erkrankungen unumgänglich ist, neue Wege in der Versorgung zu gehen. Hier können digitale Lösungen wie TeGeCoach dazu beitragen, Gesundheit und Lebensqualität von Patienten zu verbessern.