Deutsches Gesundheitssystem analog und teuer

Gesundheitskosten
Die deutschen Gesundheitsausgaben sind hoch, aber das System insgesamt ist nicht effizient (Foto: © jirkaejc/123rf.com)

Aus einem jetzt von der EU-Kommission veröffentlichten Bericht geht hervor, dass das deutsche Gesundheitssystem im Bereich der E-Health-Anwendungen erheblichen Nachholbedarf hat. Gleichzeitig gibt Deutschland pro Person mehr für die Gesundheit aus als andere EU-Länder.

Die Analyse „Gesundheitszustand in der EU“, umfasst insgesamt 30 europäische Länder und wurde von der Europäischen Kommission gemeinsam mit der Industriestaatenorganisation OECD und dem „European Observatory on Health Systems and Policies“ veröffentlicht. Demnach bietet das deutsche Gesundheitssystem einen umfassenden Versicherungsschutz und ein hohes Niveau an Gesundheitsleistungen. Dennoch ist die durchschnittliche Lebenserwartung in Deutschland mit 81,1 Jahren niedriger als in den meisten anderen westeuropäischen Ländern. Zudem ist die Zahl vermeidbarer Todesfälle in Deutschland (158 je 100.000 Einwohner) seit 2011 stabil. In anderen EU-Ländern ist sie hingegen gesunken.

Die Profile der Gesundheitssysteme von 30 Ländern (EU28 plus Island und Norwegen) werden zusammen mit einem Begleitbericht herausgegeben, in dem einige der wichtigsten Trends beim Umbau der europäischen Gesundheitssysteme herausgestellt werden. Bei den länderspezifischen Gesundheitsprofilen handelt es sich um eine Analyse der Gesundheitssysteme unter dem Blickwinkel der Gesundheit der Bevölkerung und wichtiger Risikofaktoren sowie der Wirksamkeit, Zugänglichkeit und Widerstandsfähigkeit der Gesundheitssysteme in den einzelnen EU-Mitgliedstaaten.

 „Verschiedene Erhebungen und Debatten in ganz Europa haben uns gezeigt, dass die Gesundheit zu den höchsten Prioritäten der europäischen Bürgerinnen und Bürger zählt. Besonders freut es mich, dass Gesundheitsförderung und Krankheitsprävention endlich die ihnen zustehende Aufmerksamkeit erhalten“, sagt Vytenis Andriukaitis, EU-Kommissar für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. Es lasse sich ganz klar erkennen, dass dieses umfassende länderspezifische und EU-weite Wissen sowohl in die nationale Politikgestaltung als auch in die Zusammenarbeit auf Ebene der Union einfließe.

Situation in Deutschland

Deutschlands komplexes Gesundheitssystem bietet laut der Analyse einen nahezu universellen Krankenversicherungsschutz. Allerdings besteht für bestimmte Bevölkerungsgruppen aufgrund finanzieller oder verwaltungstechnischer Hürden die Gefahr, dass sie keine Krankenversicherung haben. Nach jüngsten Schätzungen waren im Jahr 2015 rund 100.000 Menschen (0,1 Prozent der Bevölkerung) nicht versichert. Selbstständige mit niedrigem Einkommen gehören zu den Bevölkerungsgruppen mit hohem Risiko für das Fehlen einer Versicherung, da es für sie schwierig sein kann, die Beiträge zur gesetzlichen oder privaten Krankenversicherung aufzubringen. Flüchtlinge, Asylbewerber und irreguläre Migranten bilden eine weitere Gruppe mit eingeschränktem Versicherungsschutz und vermindertem Zugang zur Gesundheitsversorgung.

Mehr Ärzte und Pflegekräfte

Die Zahl der Ärzte (4,3) und Krankenpflegekräfte (12,0) pro 1.000 Einwohner war im Jahr 2017 in Deutschland höher als im EU-Durchschnitt (3,6 Ärzte und 8,5 Krankenpflegekräfte). Insbesondere die Zahl der Ärzte in den Krankenhäusern ist laut Bericht seit der Einführung eines Vergütungssystems der diagnosebezogenen Fallpauschalen in Krankenhäusern im Jahr 2004 deutlich gestiegen. Gleichzeitig ging die Zahl der Pflegekräfte zurück.

Spielraum für mehr ambulante Versorgung

Im Jahr 2017 verfügte Deutschland über 8,0 Krankenhausbetten pro 1.000 Einwohner. Damit ist die Bettendichte EU-weit am höchsten und weitaus höher als in Nachbarländern wie Frankreich (6,0 pro 1 000). Die Verfasser des Berichts sehen deshalb Spielraum dafür, die Versorgung mehr in die ambulante Versorgung zu verlagern. Wegen der hohen Zahl an Krankenhausbetten gebe es relativ wenige Ärzte und Krankenpflegekräfte pro Bett – trotz der vergleichsweise hohen Zahl von Gesundheitspersonal.

Zusätzliche Informationen, ein Begleitbericht sowie die 30 länderspezifischen Gesundheitsprofile stehen online zur Verfügung.