Deutsche mit Gesundheitsversorgung zufrieden

Arzt im Gespräch mit Patient
Sprechstunde in Hausarztpraxis: Dr. Google auf dem zweiten Platz der Informationsquellen. (Foto: © Robert Kneschke/fotolia.com)

Mit der Qualität der Gesundheitsversorgung sind die Menschen in Deutschland vergleichsweise zufrieden. Das zeigt eine repräsentative Umfrage der Beratungsgesellschaft PwC unter 1.000 Bürgern. 75 Prozent bestätigen Zufriedenheit, 19 Prozent bezeichnen sich sogar als „sehr zufrieden“. Dennoch werden auch Schwachstellen deutlich: So wünschen sich 58 Prozent schnellere Termine bei Fachärzten.

Weiteren Handlungsbedarf erwarten die Befragten in den kommenden drei bis fünf Jahren bei der Sicherung der ärztlichen Versorgung auf dem Land (47 Prozent) und dabei, genügend qualifiziertes Pflegepersonal zu gewinnen und zu binden (43 Prozent). „Unsere Analyse zeigt, dass die großen Probleme des Gesundheitswesens längst bei den Versicherten angekommen sind“, sagt Michael Burkhart, Leiter des Bereichs Gesundheitswesen und Pharma bei PwC in Deutschland. „Der Gesundheitssektor muss sich dem dramatischen Fachkräftemangel bei Ärzten und Pflegekräften ebenso wie der medizinischen Unterversorgung in vielen ländlichen Regionen dringend stellen und zukunftsfähige Lösungen entwickeln.“

Städter sind für Landarzt-Quote

Um der ärztlichen Unterversorgung auf dem Land entgegenzuwirken, wollen einige Bundesländer eine Landarzt-Quote einführen, eine Regelung, die Bewerbern einen Studienplatz sichert, sofern diese sich dazu verpflichten, zeitweilig als Landarzt zu arbeiten. Die Studienteilnehmer halten diese Quoten-Regelung für eine ausgesprochen gute Idee: 89 Prozent sind dafür, lediglich sechs Prozent dagegen. Überraschend ist, dass vor allem Städter die Landarzt-Quote mit 57 Prozent Zustimmung begrüßen – unter den Menschen in ländlichen Regionen sind es nur 32 Prozent.

Hausarzt genießt hohes Vertrauen

Dennoch sind die Versicherten mit dem Zugang zu medizinischen Leistungen in puncto Wartezeit auf einen Termin und räumliche Nähe einverstanden – das gilt zumindest für den Hausarzt: 47 Prozent sind mit dem Zugang zu seinen Leistungen „sehr zufrieden“, immerhin noch 40 Prozent „einigermaßen zufrieden“. Kritischer bewerten die Befragten niedergelassene Fachärzte und Kliniken. Lediglich 13 Prozent der Fachärzte und 15 Prozent der Krankenhäuser erreichen die Bestwerte. „In diesem Punkt zeigt sich, dass lange Wartezeiten im Gesundheitswesen nach wie vor keine Einzelfälle sind“, sagt Gesundheitsexperte Burkhart. „Ärzte unterschätzen noch immer, wie wichtig Service im Gesundheitswesen ist.“

Auch wenn Versicherte sich über Gesundheit informieren, steht der Hausarzt an erster Stelle – weit vor Dr. Google. Während 70 Prozent ihren Hausarzt ansprechen, landet das Internet mit 49 Prozent nur auf dem zweiten Platz der beliebtesten Informationsquellen. Der Hausarzt gilt als besonders vertrauenswürdig. Insgesamt fühlt sich die Mehrheit (63 Prozent) aber gut über die eigene Gesundheit informiert.

Sorge um ihre Datenschutz

Gesundheitsinformationen aus dem Netz sind das eine – wie steht es mit anderen innovativen Versorgungsformen im Zuge der Digitalisierung? Am ehesten können sich die Deutschen den Einsatz der elektronischen Patientenakte vorstellen, wie 70 Prozent angeben. Eine dadurch reibungslose Übermittlung von Patientendaten – etwa vom Hausarzt an den Facharzt – wird gutgeheißen. Gerade ältere Patientengruppen, bei denen es hohen Abstimmungsbedarf gibt, befürworten die Elektronische Patientenakte.

Wer die elektronische Patientenakte skeptisch beurteilt, hat primär Angst vor Datenmissbrauch. Allgemein machen sich viele Befragte Sorgen um den Schutz ihrer persönlichen Daten, wenn Dienstleistungen in der Medizin immer stärker digitalisiert und automatisiert werden. Die Mehrheit wünscht sich daher von Bund und Ländern sowie von Krankenhäusern, Arztpraxen und Krankenversicherungen, dass diese mehr für den Schutz von Daten tun. „Medizinische Einrichtungen sollten deutlich stärker als bisher in die Informationssicherheit investieren, um sich – und vor allem ihre Patienten – vor Cyberkriminalität zu schützen“, rät PwC-Experte Michael Burkhart.