»Chancen der Digitalisierung nutzen«

Telekom Healthcare-Geschäftsführer Dr. Axel Wehmeier
Telekom Healthcare-Geschäftsführer Dr. Axel Wehmeier im mednic-Interview: „Bei aller Vorsicht nicht die Chancen der Digitalisierung vertun.“ (Foto: Deutsche Telekom AG)

Mednic.de sprach mit Dr. Axel Wehmeier, Geschäftsführer Telekom Healthcare Solutions, über die Beweggründe, warum die Telekom die Entwicklung der Spiele-App Sea Hero Quest unterstützt.

mednic.de: Herr Dr. Wehmeier, Sea Hero Quest wird seit Monaten von Menschen auf der ganzen Welt gespielt, und die erspielten Daten haben bereits zu ersten Erkenntnissen in der Demenzforschung geführt. Sind Sie zufrieden?

Wehmeier: Mehr als zufrieden. Auf Basis der Spielergebnisse entstand die bisher größte globale Datenbank zum räumlichen Orientierungsvermögen von Menschen jeden Alters und Geschlechts. Für die Erhebung solcher Datenmengen hätten Forscher unter Laborbedingungen hunderte Jahre benötigt. Sea Hero Quest ist damit ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie Forschung digital unterstützt neues Terrain erschließen kann.

mednic.de: Kritiker haben Sorge, dass mit der zunehmenden Digitalisierung der Datenschutz auf der Strecke bleibt. Wie schätzen Sie dieses Risiko ein?

Wehmeier: Selbstverständlich hat der Schutz der Patientendaten – und in diesem Fall auch der Spielerdaten – höchste Priorität. Bei Sea Hero Quest arbeiten wir daher ausschließlich mit anonymisierten Informationen. Zudem speichern wir die Spielergebnisse in einem unserer Hochsicherheitsrechenzentren, welche den strengen deutschen Datenschutzbestimmungen unterliegen. Trotzdem: Wir müssen aufpassen, dass wir bei aller Vorsicht und durchaus auch berechtigter Sorge um den Schutz und die Sicherheit der Daten die Chancen der Digitalisierung nicht vertun. Ein Beispiel: In Deutschland sterben jedes Jahr mehr Menschen an unerwünschten Arzneimittelnebenwirkungen als im Straßenverkehr! Würde man Ärzte verpflichten beim Verschreiben von Medikamenten mit einem Online-Check die Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten zu überprüfen, könnten viele Leben gerettet werden.

mednic.de: Welche weiteren Anwendungsmöglichkeiten bieten digitale Technologien im Gesundheitsumfeld?

Wehmeier: Da gibt es inzwischen sehr viele: Mobile EKG bringen die Herzschläge präzise auf das Smartphone, Handykameras erkennen Hautkrebs, und Apps sammeln Vitalwerte wie Blutdruck, Gewicht oder Blutzuckerspiegel. Viele Nutzer bringen solche Daten heutzutage zum Arzttermin mit. Nach Umfragen nutzt bereits rund ein Drittel der Bundesbürger Wearables, um sportliche Leistungen oder medizinische Körperwerte damit zu messen. Das zeigt, dass die Akzeptanz in der Bevölkerung sehr hoch ist.

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