Blockierte Notaufnahmen

Notaufnahmen benötigen ihre Kapazitäten für schwer erkrankte Patienten. (Foto: KKH Kaufmännische Krankenkasse)

Auch zu den regulären Sprechzeiten in Arztpraxen suchen Patienten immer häufiger die Notaufnahmen in Krankenhäusern auf, selbst wenn sie nicht schwer erkrankt sind. Das wird zu einem zunehmenden Problem für die Abläufe in den Notaufnahmen. Eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der KKH Kaufmännische Krankenkasse bestätigt nun dieses Bild: Von den rund 1.000 Befragten würde mehr als jeder Dritte das Krankenhaus trotz geöffneter Praxen ansteuern – auch wenn er bei nicht lebensbedrohlichen Beschwerden Hilfe benötigt.

Von den Patienten, die in den vergangenen fünf Jahren tatsächlich mindestens einmal in der Notaufnahme waren, ging fast jeder Dritte innerhalb der Öffnungszeiten von Arztpraxen ins Krankenhaus. Das geschah auf eigene Initiative, ohne dass eine Überweisung vom Arzt vorlag oder ein Rettungseinsatz erfolgte. Unter den 18- bis 29-Jährigen hätte alternativ sogar fast jeder Zweite einen Haus- oder Facharzt kontaktieren können.

Gefühlt besser versorgt 

 Über 40 Prozent der Notaufnahme-Nutzer fühlten sich nach eigenen Angaben im Krankenhaus medizinisch besser versorgt fühlen als in der Arztpraxis. Ein Viertel der Befragten wurde vom Haus- oder Facharzt an die Notaufnahme verwiesen. Knapp ein Viertel der Befragten gab an, dass Patienten in der Klinik auch ohne Termin Hilfe erhalten. 13 Prozent sagten, dass sie so kurzfristig keinen Termin in der Arztpraxis bekommen und deshalb die Notaufnahme aufgesucht hätten. Nur zwölf Prozent der Patienten hatten Beschwerden, die in einer Arztpraxis nicht behandelt werden. Dazu zählten beispielsweise Berufsunfälle, schwere Unfälle und Fälle für Notoperationen.

„Bei gesundheitlichen Beschwerden will natürlich jeder rasche und umfassende medizinische Hilfe erhalten. Diese gibt es aber an Werktagen tagsüber nicht nur in der Notaufnahme, sondern auch in Arztpraxen“, sagt Daniela Preußner von der KKH. Nur bei gravierenden und lebensbedrohlichen Beschwerden sei die Notaufnahme eines Krankenhauses tagsüber die richtige Adresse.

Um außerhalb der Öffnungszeiten von Arztpraxen bei nicht lebensbedrohlichen Beschwerden medizinische Hilfe zu erhalten, würde etwa je ein Drittel aller Befragten den ärztlichen Bereitschaftsdienst anrufen oder in die Notaufnahme gehen. Rund jeder Fünfte würde eine ambulante Notfallpraxis aufsuchen. Von den Patienten, die die Notaufnahme bevorzugen, kennen immerhin fast 40 Prozent den ärztlichen Bereitschaftsdienst. Trotzdem würden sie jedoch zuerst ins Krankenhaus gehen, als dort anzurufen. Acht Prozent würden den Rettungsdienst unter der Nummer 112 alarmieren.

Erschwerte Versorgung

In lebensbedrohlichen Fällen wie bei Verdacht auf einen Schlaganfall, bei Blutungen oder Atemnot sollten Patienten auf jeden Fall den Rettungsdienst 112 rufen oder sich ins Krankenhaus bringen lassen. „Wer die Notaufnahme aber mit Bagatellbeschwerden aufsucht und so die Wartezeit auf einen Arzttermin umgehen will, erschwert die Versorgung echter Notfälle erheblich“, so Preußner.

Die Umfrageergebnisse zeigen, dass die meisten Patienten durchaus wissen, dass Schnupfen und aufgeschürfte Knie keine Notfälle sind. Obwohl für einen Großteil die Notaufnahme die erste Wahl ist, betonte dennoch eine deutliche Mehrheit, dass sie das Krankenhaus nur mit größeren (83 Prozent) oder schweren Beschwerden (87 Prozent) aufsuchen würde. Dazu zählen die Patienten beispielsweise einen Verdacht auf einen Knochenbruch, eine Vergiftung, Blinddarmentzündung oder einen Herzinfarkt. Nur zwei Prozent sagten, dass sie auch mit leichten Beschwerden wie einer Erkältung oder Verstauchung in die Notaufnahme gehen würden. 

Rufnummer unbekannt

„In vielen Fällen reicht es aus, den ärztlichen Bereitschaftsdienst zu kontaktieren“, sagt Preußner. 78 Prozent der Befragten kennen diesen Service. Die Nummer 116 117 ist allerdings nur 15 Prozent der Patienten bekannt, wie die Studie zeigt. Es ist also wahrscheinlich, dass nur wenige den ärztlichen Bereitschaftsdienst anrufen, um zum Beispiel zu erfahren, in welche Praxen sie außerhalb der regulären Öffnungszeiten gehen können.