Bessere Zuhause-Versorgung für chronisch Kranke

Das POLYCOM-Projekt soll die Versorgung chronisch kranker Patienten in ihrem Zuhause verbessern (Foto: © bilderstoeckchen - Fotolia.com).

Ein integriertes Versorgungssystem zur besseren Versorgung chronisch kranker Patienten in ihrem Zuhause soll jetzt im Rahmen der EU-Projekts POLYCARE  entwickelt werden. Jetzt ist der Startschuss für das Projekt gefallen, an dem das Fraunhofer FIT in Sankt Augustin und das Universitätsklinikum Bonn beteiligt sind. Einer von drei geplanten Pilotstandorten wird das Universitätsklinikum Bonn sein.

Ziel des Projektes ist die Entwicklung und Erprobung einer integrierten, patientenzentrierten Pflege-Lösung. Sie soll mit Hilfe von modernen IKT-Systemen und Services die Betreuung und das Monitoring älterer chronisch kranker Patienten zuhause auch in akuten Phasen ermöglichen. Um das zu erreichen, ist die Entwicklung eines Monitoring-Systems zur kontinuierlichen Erfassung aller wichtigen Gesundheitsparameter der Patienten von entscheidender Bedeutung, ohne dass es zu Einschränkungen der Lebensqualität kommt. Dazu beitragen sollen individuell anpassbare Anwendungen, die unter Berücksichtigung der besonderen Anforderungen älterer Menschen entwickelt werden. Eine einfache Bedienbarkeit des Systems soll die Patienten zusätzlich bei ihrem Gesundheitsmanagement unterstützen. Nicht zuletzt soll auch die Zusammenarbeit zwischen Patienten, Angehörigen, Freunden einerseits und den behandelnden Ärzten und Pflegern andererseits verbessert werden. Geplant sind überdies Ausbildungsprogramme für medizinische Fachkräfte, damit die neu entwickelten Systeme gut angenommen werden.

Patientenwohl und Nachhaltigkeit

Die Partner wollen außerdem ein so genanntes Entscheidungsunterstützungssystem implementieren, das über die aktuellsten Technologien des maschinellen Lernens zur genauen Datenanalyse verfügt. Damit sollen die individuelle Medikation und Vorhersage von unerwarteten Gesundheitsproblemen bei den Patienten optimiert werden. „Die POLYCARE Services sollen einerseits die Lebensbedingungen für chronisch kranke Patienten verbessern und andererseits Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit der Gesundheits- und Pflegesysteme erhöhen“, sagt Dr. Yehya Mohamad, der beim Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT das Projekt leitet und ergänzt: „Die Services sollen bestehende IKT-Systeme von Krankenhäusern und Pflegediensten nicht ersetzen, sondern sich über offene Schnittstellen in diese integrieren.“ Das Fraunhofer Institut wird im Rahmen des Projektes verteilte Systeme und Dienste auf Basis einer Middleware  entwickeln, die die Projektkomponenten mit den durch Sensoren ermittelten Gesundheitsparametern der Patienten verknüpfen soll. Darüber hinaus wird FIT die algorithmischen Komponenten des Projekts konzipieren und sie in die POLYCARE-Systeme integrieren.

Die Systeme werden an drei Pilotstandorten in Deutschland, Frankreich und Spanien evaluiert. Die Lösungen sollen sich auf organisatorischer und technischer Ebene deutlich unterscheiden, da sie die unterschiedlichen Gesundheits- und Sozialsysteme in den einzelnen Ländern und Regionen berücksichtigen. Neben dem Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT sind Everis Spain SL, SALUD (Servicio Aragonés de Salud – Sector Sanitario de Barbastro), Comarca de Somontano de Barbastro, Universitätsklinikum Bonn, Echosanté, Interactive4D und PLUX – Wireless Biosignals die Partner in dem POLYCARE-Projekt, das von der von der Europäischen Kommission im Forschungs- und Innovationsprogramm Horizont 2020 gefördert wird.