Bayern setzt bei Schlaganfällen auf Telemedizin

Portraitfoto Bayrische Gesundheitsministerin Melanie Huml
Die Bayrische Gesundheitsministerin Melanie Huml lobt den telemedizinischen Einsatz des STENO-Netzwerks zur Schlaganfallversorgung. (Foto: Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit und Pflege)

Je kürzer die Zeitspanne zwischen ersten Schlaganfall-Symptomen und der richtigen Behandlung ist, desto besser sind die Überlebenschancen. Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml hält deshalb bei Schlaganfällen auch eine Akutversorgung mit Telemedizin für sinnvoll.

Huml hob den Stellenwert der Telemedizin anlässlich eines Symposiums in Erlangen zum zehnjährigen Bestehen des Netzwerks zur Schlaganfallversorgung mit Telemedizin in Nordbayern (STENO) hervor: „Zur optimalen Versorgung in akuten Notfällen brauchen wir nicht nur überregionale Zentren, sondern auch Kompetenz in der Fläche“. Die Ministerin fügte hinzu: „Am Beispiel STENO werden die Vorteile der Telemedizin offensichtlich. Sie macht ärztliches Expertenwissen und damit Spitzenmedizin in allen Landesteilen verfügbar. Das kann im Notfall Leben retten – und gerade im ländlichen Raum ist Erreichbarkeit ein großes Thema. Schlaganfallnetzwerke haben sehr dazu beigetragen, die Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum zu verbessern.“

Huml unterstrich: „Das Konzept hat sich mehr als bewährt. Mittlerweile sind im STENO-Netz schon 18 Kooperationskliniken mit den drei überregionalen Zentren in Erlangen, Nürnberg und Bayreuth verbunden. Dabei ist die Zusammenarbeit nicht auf Mittel- und Oberfranken begrenzt. Vielmehr sind auch je eine Klinik aus Unterfranken, der Oberpfalz und Südthüringen mittlerweile in STENO integriert.“

Fast 57.000 Apoplexie-Todesfälle

Jährlich erleiden rund 270.000 Menschen in Deutschland einen Schlaganfall – mit zum Teil verheerenden Folgen. Allein im Jahr 2015 sind fast 57.000 Menschen an einem Schlaganfall oder ähnlichen Krankheitsbildern gestorben. Der Schlaganfall ist damit die zweithäufigste Todesursache und zudem eine der häufigsten Ursachen für eine dauerhafte Behinderung.

Die Ministerin erläuterte: „Vor mittlerweile zwölf Jahren hat der Krankenhausplanungsausschuss (KPA) beschlossen, die Schlaganfallversorgung in Bayern in erster Linie durch die Telemedizin sicherzustellen und zu verbessern. Und im Jahr 2007 ist es Professor Stefan Schwab gemeinsam mit Professor Frank Erbguth und Professor Patrick Oschmann gelungen, ein überzeugendes Konzept für ein Netzwerk zur Schlaganfallversorgung mit Telemedizin in Nordbayern zu entwickeln.“

Interdisziplinäre Behandlungsteams

STENO basiert heute auf drei wesentlichen Komponenten, die zu einer deutlichen Verbesserung der Versorgung beitragen. Erstens stehen in den Kooperationskliniken spezialisierte Schlaganfallstationen mit interdisziplinären Behandlungsteams zur Verfügung, die durch standardisierte Behandlungsabläufe und ein stringentes Qualitätsmanagement stetig weiterentwickelt werden. Zweitens tauschen sich alle Ebenen im Rahmen von Fortbildungen kontinuierlich aus. Drittens wird die telemedizinische Konsultation zwischen den teilnehmenden Krankenhäusern ermöglicht.

Nach Einschätzung der bayrischen Gesundheitsministerin ist STENO ein Paradebeispiel für die großen Chancen der Digitalisierung im Gesundheitswesen. Die Medizin erreiche den Patienten auf direktem Wege. Der persönliche Arzt-Patienten-Kontakt bestehe dabei trotzdem und werde sogar verbessert. Dies bedeute eine echte Stärkung der Gesundheitsversorgung.