Weiteres Telemedizin-Modellprojekt gestartet

Telemedizinische Betreuung durch eine Ärztin
Telemedizinische Betreuung durch eine Ärztin: Ausschließliche Behandlung über Kommunikationsnetze war bis Sommer 2016 untersagt (Foto: chombosan – fotolia.com)

Die Landesärztekammer Baden-Württemberg hat ein weiteres Modellprojekt zur ausschließlichen ärztlichen Fernbehandlung genehmigt. Das Projekt soll in Kürze in den Regionen Tuttlingen und Stuttgart starten, bevor es aufs ganze Land ausgerollt wird.

Das zunächst auf zwei Jahre angelegte Modellprojekt „DocDirect“ wird von der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg getragen, die damit bundesweit erstmals die ausschließliche Fernbehandlung für Kassenpatienten anbietet. Ein sogenannter „verantwortlicher Arzt“ garantiert dabei als Mitglied der Landesärztekammer Baden-Württemberg die gewissenhafte Einhaltung des berufsrechtlichen Rahmens gemäß der ärztlichen Berufsordnung sowie Patientensicherheit und Datenschutz. Die Technik wird von der Münchner TeleClinic GmbH realisiert; Kostenträger sind alle Landesverbände der gesetzlichen Krankenkassen.

Zukunftsorientierte Ergänzung

Kammerpräsident Dr. Ulrich Clever betont: „Die ärztliche Versorgung der Bevölkerung wird damit zukunftsorientiert ergänzt. Arzt und Patient können sich am Telefon oder via Handy-App begegnen, und der Arzt darf eine individuelle Diagnose stellen und die Therapie einleiten.“ Die ärztliche Berufsordnung hatte bislang die ausschließliche Behandlung über Kommunikationsnetze untersagt; (Video-) Telefonie durfte immer nur mit Bestandspatienten erfolgen, also mit Patienten, die der Arzt oder die Ärztin bereits kannte.

Eine begleitende wissenschaftliche Evaluation prüft kontinuierlich, ob Patienten auch bei der ausschließlichen Fernbehandlung die gleiche Qualität und Expertise wie in Praxis oder Krankenhaus geboten wird. Wann immer die Behandlung auf Distanz im Einzelfall unmöglich sei, wird auf „patientennah erreichbare Portalpraxen“ verwiesen, die ebenfalls von der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg getragen werden. Lebensbedrohliche Notfälle werden immer sofort an die Rettungsleitstelle weitergegeben.

Berufsordnung geändert

Im Sommer 2016 hatte die Landesärztekammer Baden-Württemberg – bundesweit bis heute einmalig – ihre Berufsordnung geändert, um die ausschließliche ärztliche Fernbehandlung im Rahmen von Modellprojekten zu ermöglichen. Bis dahin hatte die ärztliche Berufsordnung die ausschließliche Behandlung über Kommunikationsnetze untersagt. Im Oktober 2017 genehmigte die Landesärztekammer Baden-Württemberg das bundesweit erste Modellprojekt zur ausschließlichen Fernbehandlung von Privatversicherten.