Ein Virtual-Reality-Training für die Clamshell-Thorakotomie entwickelt das Klinikum Stuttgart entwickelt gemeinsam mit der DRF Luftrettung und dem Unternehmen StellDirVor. Das Projekt soll medizinische Teams gezielt auf besonders kritische Einsatzlagen vorbereiten.
In der Notfallmedizin zählt jede Minute. Gerade bei seltenen, hochkritischen Situationen müssen Entscheidungen schnell, sicher und im Team getroffen werden. Doch genau solche Einsatzlagen lassen sich im klinischen Alltag nur eingeschränkt trainieren. Das Klinikum Stuttgart setzt deshalb gemeinsam mit der DRF Luftrettung und StellDirVor auf Virtual Reality, um eine neue Form des medizinischen Trainings zu nutzen.
Im Zentrum des Projekts mit dem Namen „HALO – Virtual-Reality-Clamshell-Thorakotomie-Training“ steht die Entwicklung einer immersiven Lernumgebung für die Clamshell-Thorakotomie. Diese spezielle Eröffnung des Brustkorbs lässt sich in der Notfallmedizin bei traumatischem Kreislaufstillstand einsetzen. Finanziert wird das Vorhaben von der DRF Stiftung, die Innovationen in Notfallmedizin und Rettungsdienst fördert.
VR-Training für seltene und hochkritische Notfälle
Die Clamshell-Thorakotomie gehört zu den Eingriffen, die im Ernstfall lebensrettend sein können, im medizinischen Alltag jedoch nur selten vorkommen. Gerade deshalb ist das Training solcher Maßnahmen eine besondere Herausforderung. Mit dem neuen VR-Angebot wollen die Projektpartner eine sichere, wiederholbare und ortsunabhängige Trainingsmöglichkeit schaffen.
Ziel ist es, Notärztinnen und Notärzte sowie Rettungsdienstteams besser auf komplexe Notfallsituationen vorzubereiten. Anders als in klassischen Trainingsformaten soll die Virtual-Reality-Umgebung seltene Eingriffe realitätsnah, gefahrlos und beliebig oft erlebbar machen.
Die DRF Luftrettung bringt dafür ihre Erfahrung aus der präklinischen Notfallmedizin ein. Die Organisation betreibt bundesweit 32 Hubschrauberstationen, darunter auch die Standorte Stuttgart und Leonberg, die die Region täglich aus der Luft versorgen. Zudem unterstützt die DRF Luftrettung das Projekt mit Realtests durch medizinisches Fachpersonal.
„Ein hoher Ausbildungsstandard ist für uns zentral, um unseren Patientinnen und Patienten jederzeit die bestmögliche Versorgung zu bieten. Deshalb treibt die DRF Luftrettung Innovationen auch in der Fort- und Weiterbildung konsequent voran – immer mit dem Ziel, die Patientensicherheit weiter zu stärken“, sagt Dr. Jörg Braun, Leiter Medizin und Geschäftsführer der DRF Luftrettung.
Die technische Umsetzung des Projekts übernimmt das Unternehmen StellDirVor, das auf immersive Lehr- und Lerntechnologien in der medizinischen Bildung spezialisiert ist.
Immersive Lernumgebung für interprofessionelle Teams
Am Klinikum Stuttgart sind rund 100 Ärztinnen und Ärzte neben ihrer Tätigkeit in der Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie auch als Notärztinnen und Notärzte im boden- und luftgebundenen Rettungsdienst im Einsatz. Bereits heute trainieren interprofessionelle Teams im Simulationszentrum STUPS mit modernen Patientensimulatoren realitätsnah unterschiedliche Szenarien.
Mit dem HALO-Projekt soll dieses Ausbildungsangebot nun gezielt erweitert werden. Die neue VR-Umgebung richtet sich an erfahrene und speziell zusatzqualifizierte Notärztinnen und Notärzte. Entwickelt wird eine interaktive, mehrspielerfähige Trainingsumgebung. In dieser soll vor allem die Zusammenarbeit unter realistischen Bedingungen geübt werden soll.
Im Fokus stehen dabei nicht nur technische Fertigkeiten, sondern auch die Faktoren, die in Extremsituationen entscheidend sind: Entscheidungsfindung, Kommunikation und Handlungssicherheit im Team.
„Wir möchten Entscheidungsfindung, Kommunikation und Handlungssicherheit interprofessioneller Teams für diese seltenen Notfälle unter extremem Zeitdruck gezielt stärken“, sagt Dr. med. Christina Jaki, Leiterin des Simulationszentrums am Klinikum Stuttgart. Sie ist davon überzeugt, dass sich Virtual Reality auch in vielen weiteren Szenarien sinnvoll einsetzen lässt und medizinische Fachkräfte zukünftig noch besser auf seltene Notfälle vorbereiten kann.

