Ein telemedizinisches Angebot für Menschen mit unerfülltem Kinderwunsch bringen Medgate und VivoSensMedical nun mit Lunara+ auf den Markt. Das Programm kombiniert digitale ärztliche Begleitung mit einer kontinuierlichen Zyklusdiagnostik und soll eine strukturierte Abklärung vor weiterführenden reproduktionsmedizinischen Maßnahmen ermöglichen.
Nach Angaben der Anbieter handelt es sich bei Lunara+um das erste Angebot dieser Art in Deutschland. Das Programm richtet sich an Patientinnen mit unerfülltem Kinderwunsch und setzt auf eine Kombination aus digitaler Betreuung, kontinuierlicher Zyklusbeobachtung und ärztlich begleiteter Auswertung.
Telemedizin bei Kinderwunsch: Fokus auf individuelle Zyklusdiagnostik
Die Anbieter betonen, dass standardisierte diagnostische Ansätze bei Kinderwunsch nicht immer die individuellen Zyklusverläufe ausreichend abbilden. Viele bestehende Angebote orientieren sich an einem idealisierten 28-Tage-Zyklus. Dieses Muster entspreche jedoch nur bei einem kleinen Teil der Frauen dem tatsächlichen Verlauf.
Lunara+ soll hier mit einer datenbasierten Diagnostik für Abhilfe sorgen. Grundlage ist OvulaRing von VivoSensMedical, ein CE-zertifiziertes Medizinprodukt zur kontinuierlichen Messung der vaginalen Körperkerntemperatur. Auf diese Weise sollen individuelle Zyklusmuster über mehrere Monate hinweg sichtbar werden. Die erhobenen Daten dienen als Basis für die telemedizinische Begleitung durch Gynäkologinnen und Gynäkologen. Darüber hinaus sollen sie für mögliche weitere diagnostische oder therapeutische Schritte verwendet werden.
Versorgung zwischen Erstabklärung und Kinderwunschzentrum
Das Angebot richtet sich an Betroffene, die sich noch nicht an ein Kinderwunschzentrum gewandt haben, zugleich aber bereits einen erhöhten Bedarf an Orientierung und strukturierter Diagnostik haben. Nach Darstellung der Unternehmen besteht hier eine Versorgungslücke zwischen allgemeiner Standarddiagnostik und reproduktionsmedizinischer Spezialversorgung.
Medgate sieht in dem Programm eine Erweiterung seines telemedizinischen Versorgungsmodells. „MitLunara+ zeigen wir, was Telemedizin in der Kinderwunschmedizin leisten kann: schnellerZugang, qualifizierte ärztliche Begleitung von zu Hause aus und eine fundierte Diagnostik, bevor kostenintensive Maßnahmen überhaupt nötig werden“, sagt Jörg Weise, Geschäftsführer von Medgate Deutschland.
Auch VivoSensMedical betont den diagnostischen Ansatz. Sebastian Alexander, Gründer und Geschäftsführer des Unternehmens, verweist darauf, dass die kontinuierlich erhobenen Daten eine differenziertere Einordnung individueller Zyklusmuster unterstützen könnten.
So ist das Kinderwunschprogramm Lunara+ aufgebaut
Lunara+ ist auf eine Laufzeit von zwölf Monaten angelegt. Nach der digitalen Anmeldung erhalten Patientinnen den OvulaRing und beginnen mit der Zyklusaufzeichnung. In einer telemedizinischen Erstberatung wird die individuelle Ausgangssituation erfasst. Anschließend werden die erhobenen Daten über mehrere Monate analysiert und in regelmäßigen ärztlichen Gesprächen besprochen.
Nach Anbieterangaben erfolgt die Begleitung auf Basis eines wissenschaftlich fundierten Behandlungsschemas. Je nach Verlauf können unterschiedliche Maßnahmen empfohlen werden, darunter die Anpassung des Timings, medikamentöse Unterstützung oder ergänzende Diagnostik wie ein Spermiogramm des Partners. Am Ende des Programms soll eine medizinische Einordnung mit Handlungsempfehlung stehen.
OvulaRing erfasst 288 Messwerte pro Tag
Im Zentrum der Diagnostik steht die kontinuierliche Temperaturmessung. Der OvulaRing misst dem Anbieter zufolge rund um die Uhr die vaginale Körperkerntemperatur und speichert alle fünf Minuten einen Wert. Damit entstehen 288 Messpunkte pro Tag, die für die Auswertung individueller Zyklusverläufe herangezogen werden können.
Die Partner sehen darin eine Grundlage, um hormonelle Schwankungen, verschobene Eisprünge oder andere zyklusbezogene Besonderheiten besser zu erkennen als mit punktuellen Messverfahren.
Der Einstiegspreis für Lunara+ liegt nach Unternehmensangaben bei 1.800 Euro für zwölf Monate. Zum Vergleich verweisen die Anbieter auf Kosten einer IVF-Behandlung in Deutschland von etwa 4.000 bis 5.000 Euro pro Zyklus.

