Wegbereiter für KI in der Gesundheitsbranche

Carsten Kramschneider ist Manager Healthcare Germany bei VMware, wo er für die Erschließung der vertikalen Märkte Gesundheitswesen und Health Insurance verantwortlich ist. (Foto: VMware)

Neue Technologien wie Künstliche Intelligenz (KI) werden auch in der Gesundheitsbranche immer wichtiger. In seinem Gastbeitrag erläutert Carsten Kramschneider, Manager Healthcare Germany bei VMware, das Potenzial und erklärt, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit sich die Technologien erfolgreich etablieren können.

Gastbeitrag von Carsten Kramschneider

Ende April vermeldete die Uniklinik Jena einen wichtigen Durchbruch: Das Klinikum in Thüringen setzt als weltweit erste Uniklinik Künstliche Intelligenz in der Radiologie ein. Dank Machine Learning können CT-Aufnahmen mit höherer Bildschärfe erzeugt werden. Die selbstlernende Software optimiert das Bildrauschen, sprich die grobkörnigen Darstellungen von Organen. Strukturen werden damit klarer sichtbar – und das bei gleicher Strahlendosis.

Dieses Beispiel zeigt sehr anschaulich, wie viel Potenzial die neuen Technologien für die Gesundheitsbranche bereithalten. Künstliche Intelligenz, Blockchain, Big Data, IoT – all diese Trendthemen begegnen uns seit geraumer Zeit immer wieder, inzwischen auch dann, wenn es um Diagnostik, Radiologie oder sogar Chirurgie geht. Zunächst müssen aber die richtigen Grundlagen geschaffen werden. 

Die KI im OP-Saal

Beispiele für Einsatzszenarien wie die eingangs genannte gibt es viele. Gerade KI ist auf unterschiedliche Arten im Healthcare-Bereich einsetzbar. Sie kann sowohl in der Behandlung – genauer gesagt bei Operationen –unterstützen, wie in der Diagnostik und Prophylaxe. Dabei übernimmt sie Analyse-Aufgabe oder gibt Handlungsempfehlungen, aber die Deutungshoheit wird immer Menschen vorbehalten bleiben. Und wenn die Technologie eine wertvolle zweite Meinung liefern kann, spricht nichts dagegen, sie einzusetzen.

Doch wie lernt eine Künstliche Intelligenz? Indem sie Datenmengen auswertet. Je größer die Datenmengen, desto „intelligenter“ die KI. Bei sensiblen Patientendaten durchaus problematisch. Es muss also eine Möglichkeit gefunden werden, wie Patientendaten anonymisiert und sicher als Datengrundlage für die KI dienen können. 

Das A und O: Datensicherheit

„Sicher“ ist hierbei das Stichwort. Damit diese Technologien im Gesundheitswesen wirklich zum Einsatz kommen, müssen sie von den Patienten akzeptiert werden. Wissen diese jedoch nicht genau, was mit ihren Daten geschieht und ob diese beim Einsatz moderner Technologien sicher gespeichert, bearbeitet und weitergeleitet werden, bleiben sie entsprechenden Behandlungen gegenüber skeptisch. Eine Studie aus dem Herbst 2018 gibt genauere Einblicke in die Einstellung von Konsumenten gegenüber neuen Technologien wie KI, IoT und Blockchain. Vor allem die Ergebnisse aus dem Gesundheitsbereich zeigen Unsicherheit: Zwar glauben 32 Prozent der befragten Verbraucher, dass KI zu einer Verbesserung der medizinischen Versorgung beiträgt. Wenn es um eine Operation geht, ziehen 61 Prozent den menschlichen Chirurgen dem Roboter vor – selbst wenn eine OP durch diesen zu einer schnelleren Heilung führen würde. 

Diese Unsicherheit beruht sicherlich zum Teil auf der herrschenden Unwissenheit gegenüber neuen Technologien. So hält beinahe die Hälfte der deutschen Befragten KI für „einen Roboter“. Um Technologien weiter in den Gesundheitsbereich zu implementieren, ist noch einiges an Aufklärungsarbeit nötig. Hier sehen die Verbraucher übrigens eher Unternehmen in der Pflicht als die Politik. 

Der Faktor Datensicherheit kommt auch in der Studie zum Vorschein. 63 Prozent der Verbraucher gab an, nicht zu wissen, wer Zugriff auf private Daten hat und wozu sie genutzt werden. Dementsprechend fühlen sich 42 Prozent der Befragten nicht wohl dabei, exakte Daten über ihre alltäglichen Verhaltensweisen an ihren Arzt zu übermitteln. Und dabei ist noch nicht einmal von sensiblen Patientendaten die Rede. 

Security neu denken

Patienten werden neue Technologien nur akzeptieren, wenn sie das Gefühl haben, dass ihre Daten absolut sicher sind und nicht unbefugt weitergegeben werden. Um diese Sicherheit gewährleisten zu können, muss Security neu gedacht werden. Es reicht nicht mehr aus Firewalls zu erneuern oder Virenscanner auf Endgeräten zu installieren – IT-Sicherheit muss im Kern des Rechenzentrums beginnen. So muss ein ganzheitlicher Ansatz Sicherheit vom ersten Byte, dem ersten Patientendatensatz über das Netzwerk bis zum Endgerät absolute Sicherheit garantieren. Und gerade von diesen Endgeräten gibt es immer mehr: Tablets für die Visite im Patientenzimmer, Notdienste auf der Straße oder Hausbesuche bei immobilen Patienten. Auch in diesem Bereich ist die Digitalisierung angekommen – eine enorme Erleichterung für Ärzte und Pflegepersonal, aber auch eine potentielle Gefahr in Puncto Datensicherheit. 

Diese verschiedenen Bereiche gilt es allesamt mit einer einheitlichen und ganzheitlichen Lösung abzudecken. Leider kämpfen viel zu viele Gesundheitseinrichtungen gerade in Deutschland noch mit deutlich grundlegenderen Herausforderungen der Digitalisierung. Bevor veraltete IT-Infrastrukturen nicht modernisiert und gesetzliche Vorgaben umgesetzt werden, kann das Potential neuer Technologien nicht ausgeschöpft werden. 

Operation am offenen Herzen

Künstliche Intelligenz, Blockchain und das Internet of Things haben das Potenzial, die Gesundheitsbranche umzukrempeln. Es darf in der Diskussion um diese Technologien jedoch niemals der Status Quo aus den Augen verloren werden. Auch hier gilt: Erst laufen lernen und dann rennen. Durch die Anforderungen an die IT-Sicherheit kritischer Infrastrukturen (KRITIS), zu denen Krankenhäuser einer gewissen Größe zählen, haben viele Einrichtungen in den letzten Monaten und Jahren bereits große Schritte in Richtung Absicherung ihrer IT-Infrastrukturen gemacht. 

Ob aber in Zukunft Roboter statt Menschen operieren werden, liegt am Ende in der Hand der Patienten. Wer das Potenzial der Technologien ausschöpfen möchte, muss sie zuerst überzeugen.