Trainings-Plattform für mehr Gesundheitskompetenz

Ärztin im Gespräch mit Patientin
Ärztin im Gespräch: Viele Patienten verstehen nicht, was der Mediziner ihnen sagt. (Foto: © StockPhotoPro – fotolia.com)

Studien zeigen, dass die Gesundheitskompetenz bei vielen EU-Bürgern niedrig ist. Eine mehrsprachige Trainings-Plattform soll künftig dazu beitragen, dass Patienten mit Hilfe von Selbstlern-Modulen ihre Gesundheitskompetenz verbessern.

Ein internationales Experten-Team möchte Patienten dazu befähigen, selbstbestimmt mit ihrer Gesundheit umzugehen. Dazu entwickelt das Team seit Herbst 2016 eine Trainings-Plattform, die in Kürze online gehen wird. Die Selbstlern-Module werden dann in verschiedenen Sprachen verfügbar sein, unter anderem auf Deutsch, Englisch sowie Arabisch und Pashto (Afghanisch).

54 Prozent der Deutschen verfügen nur über eine eingeschränkte Gesundheitskompetenz. Damit liegt Deutschland über dem europäischen Durchschnitt – in ganz Europa ist die Gesundheitskompetenz von 47,6 Prozent der Bevölkerung problematisch oder inadäquat. Das bedeutet, dass es vielen EU-Bürgern schwer fällt, gute und für sie relevante Gesundheitsinformationen zu finden, zu verstehen und anzuwenden. Auf der entstehenden Lern-Plattform „Smart Patients“ sollen alle Interessierten erstmals ganzheitlich zu relevanten Gesundheits-Themen informiert werden.

Start im Sommer 2018

Thematisch dreht sich in den drei Modulen alles um Prävention, Wissen und Beteiligung. Der Leser kann dazu einzelne, einfach aufbereitete Präsentationen durcharbeiten und das erlernte Wissen anschließend durch spielerische Rätsel-Aufgaben testen. In Kürze werden erste Patienten- und Experten-Gruppen die Plattform testen, im Sommer 2018 sollen die Inhalte dann allen Nutzern zur Verfügung stehen.

Erasmus-Projekt

„Smart Patients“ ist ein Erasmus+-Projekt mit beteiligten Organisationen aus acht EU-Ländern. Der deutsche Partner ist die gemeinnützige Organisation „Was hab’ ich?“, die sich seit 2011 für die Verbesserung der Arzt-Patienten Kommunikation einsetzt. Das Projekt wird von der Europäischen Kommission unterstützt.

Patientenhilfe durch „Was hab ich?“

Unter washabich.de können Nutzer ihren medizinischen Befund anonym hochladen oder per Fax einsenden. Die Übersetzung wird innerhalb weniger Tage von einem Team aus Medizinstudenten höherer Semester erstellt. Bei komplexen Befunden steht den Studenten ein Fachärzteteam beratend zur Seite. Der Patient kann die Übersetzung passwortgeschützt online abrufen. So können Patienten den ärztlichen Befund und die sich daraus ergebenden möglichen Folgen besser einschätzen. Die Mediziner arbeiten ehrenamtlich und bereiten sich damit engagiert und praxisnah auf ihr Berufsleben vor. Die Bearbeitung realer Patientenfälle führt dazu, dass Studenten sich immer wieder neues medizinisches Fachwissen aneignen und gleichzeitig lernen, komplexe Medizin patientengerecht zu erklären.