Thüringen wird Präventions-Modellregion

Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner
Modellprojekt für betriebliche Präventions-Angebote: Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner hat die Schirmherrschaft für das Modellvorhaben übernommen (Foto: Delf Zeh)

Thüringen wird zur Modellregion für eine bessere betriebliche Gesundheitsförderung und Prävention. Ein telemedizinisches Konsil spielt dabei eine gewichtige Rolle.

Die Krankenkasse Barmer und die Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin e. V. (DGAUM) haben das Leuchtturm-Projekt „Gesund arbeiten in Thüringen“ auf den Weg gebracht. In den nächsten fünf Jahren werden in Thüringen nun Lösungen entwickelt, um flächendeckend Beschäftigte und Betriebe besser mit Präventions-Angeboten versorgen zu können. „In vielen kleinen Unternehmen gibt es noch keine Strukturen für eine nachhaltige Gesundheitsförderung von Mitarbeitern. Oft fehlt die Zeit, ein fester Ansprechpartner oder andere Dinge sind gerade wichtiger. Das ist verständlich. Aber Gesundheitsförderung lohnt sich auch für kleine Betriebe. Hier sehen wir uns als Barmer mit in der Verantwortung. Gerade Thüringen mit der ländlichen Struktur und mittelständisch geprägten Wirtschaft eignet sich hervorragend als Modellregion“, sagt Birgit Dziuk, Barmer-Landesgeschäftsführerin in Thüringen.

Web-Plattform für Kontakt zu Medizinern

Dreh- und Angelpunkt des Projekts sind Arbeitsmediziner, Betriebs- und niedergelassene Ärzte, die gemeinsam mit Angeboten in die Betriebe gehen werden. Ein wesentliches Element dazu sind leistungsfähige und praxisorientierte telemedizinische Strukturen, beispielsweise eine Online-Sprechstunde mit Betriebs- oder niedergelassenen Ärzten.

„Kleine Betriebe brauchen manchmal nur einen arbeitsmedizinischen Rat, beispielsweise zum Mutterschutz, oder sie haben Fragen zu Impfungen. Für diesen Bedarf wollen wir einfache und niedrigschwellige Angebote schaffen“, sagt DGAUM-Präsident Professor Dr. Hans Drexler. Dazu wird im Rahmen der Vorstellung der neuen Website www.gesund-arbeiten-in-thueringen.de  auch das Konzept für ein telemedizinisches Konsil vorgestellt. Dieses ermöglicht es Arbeitgebern, direkt mit kompetenten Ansprechpartnern Kontakt aufzunehmen. Auch der Austausch zwischen Ärzten untereinander soll sich so bessern. Über ein Kontaktformular können sich Interessierte – darunter Arbeitgeber, Ärzte oder Arbeitnehmer – bereits zum Start der neuen Website an Arbeitsmediziner wenden und Fragen stellen.

Den Worten von Drexler zufolge stellen die über 43 Millionen Beschäftigten in Deutschland das größte Präventionssetting in unserer Gesellschaft dar. „Arbeitsmediziner und Betriebsärzte sind deshalb sowohl Lotsen und also auch neutrale Berater in Sachen betrieblicher Gesundheitsförderung und Prävention, arbeitsmedizinischer Vorsorge und beruflicher Wiedereingliederung.“ Langfristiges Ziel ist es, die Ideen aus Thüringen auf andere Regionen in Deutschland zu übertragen.

Prävention muss tragende Säule werden

Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner (Die Linke) hat die Schirmherrschaft für das Modellvorhaben übernommen: „Wir wollen Prävention zu einer tragenden Säule im Gesundheitssystem machen. Dazu ist es auch notwendig, die Arbeitswelt stärker in den Blick zu nehmen, insbesondere die Beschäftigten in kleinen und mittelständischen Unternehmen. Allein in Thüringen sind über 95 Prozent aller Erwerbstätigen dort beschäftigt. Viele kleine und mittelständische Unternehmen haben jedoch nicht die nötigen Ressourcen für eigene Aktivitäten. Deshalb freue ich mich, dass wir hier in Thüringen gemeinsam nach Unterstützungsmöglichkeiten suchen. Ziel muss es sein, den Unternehmen und Beschäftigten Angebote zu machen, die ihnen im betrieblichen Alltag unmittelbar praktische Hilfen bei der Gesundheitsförderung bieten.“ Wünschenswert sei insbesondere auch die bessere Verzahnung zwischen Arbeitsmedizinern und Betriebsärzten sowie den niedergelassenen Haus- und Fachärzten, um den Beschäftigten eine koordinierte Versorgung zu ermöglichen.