Studie: So wollen Heilberufler leben und arbeiten

Ärztin steht lächelnd in ihrer Praxis
Digitale Gesundheitsleistungen werden von Frauen und Männern gleichermaßen befürwortet. (Foto: © auremar/fotolia.com)

Eine aktuelle Studie der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (Apobank) macht deutlich: Regulierung und Bürokratie bleiben Reizthemen für Heilberufler. Mehr Autonomie und Entscheidungsfreiheit sind den Befragten ein starkes Bedürfnis.

Für die Studie „Inside Heilberuf“ wurden im Auftrag der Apobank 500 Heilberufler, darunter Apotheker, Ärzte, Zahnärzte sowie Medizin-, Zahnmedizin- und Pharmaziestudenten durch das Institut DocCheck Research befragt.

Die Kernfrage war: Welche Vorstellungen haben Ärzte, Zahnärzte und Apotheker vom Leben und Arbeiten in einem Gesundheitssystem, das seit Jahren einem kontinuierlichen Wandel unterliegt?

Wichtige Technik-Innovationen

Die Priorität steht fest: Familienleben und Partnerschaft erreichen mit 91 Prozent den absoluten Top-Wert auf der Skala der wichtigsten Bereiche, gefolgt von finanzieller Sicherheit und Altersvorsorge mit 85 Prozent. Wohlstandskriterien wie Eigentum oder Vermögensbildung rangieren mit 56 bzw. mit 55 Prozent auf den mittleren Plätzen. Fast zwei Drittel (61 Prozent) der Heilberufler halten den technischen Fortschritt für wichtig und wollen Innovationen nutzen.

Im Hinblick auf technische Innovationen unterscheiden sich die Sichtweisen bei den Medizinern je nach Fachrichtung deutlich: So erklären sich 72 Prozent der Zahnärzte dem technologischen Fortschritt gegenüber aufgeschlossen, aber nur 53 Prozent der Allgemeinmediziner. 65 Prozent der Fachärzte halten Technikinnovationen für wichtig. Ein vermehrtes digitales Datenmanagement befürworten 32 Prozent der Heilberufler, während es 22 Prozent zurückschrauben wollen. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei digitalen Gesundheitsleistungen: 35 Prozent der befragten Heilberufler wünschen sich mehr davon, aber 23 Prozent lehnen sie ab. Unter den Befürwortern digitaler Gesundheitsleistungen halten sich Frauen (34 Prozent) und Männer (35 Prozent) fast die Waage. Sowohl beim digitalen Gesundheitsmanagement, als auch bei digitalen Gesundheitsleistungen wird deutlich, dass Angestellte diesen Innovationen mehrheitlich positiv gegenüberstehen, während hier Selbständige zu fast einem Drittel (29 Prozent) die Uhr zurückdrehen möchten.

Ihre berufliche Karriere (45 Prozent) und den gesellschaftlichen Status (50 Prozent) stellt knapp die Hälfte der Heilberufler nicht in den Vordergrund. Ein repräsentativer Lifestyle spielt nur für 13 Prozent eine Rolle.

Zu wenig Zeit für Patienten

Mehr Autonomie und Entscheidungsfreiheit sind den Befragten ein starkes Bedürfnis: Für ihren beruflichen Alltag wünschen sich 69 Prozent mehr Zeit für den Patienten. 64 Prozent sprechen sich für mehr Unabhängigkeit bei beruflichen Entscheidungen und 62 Prozent für mehr Flexibilität bei ihrer Arbeitszeitgestaltung aus.

Auf der Agenda der Herausforderungen für das Gesundheitswesen steht der bürokratische Aufwand im Berufsalltag ganz oben – 65 Prozent der Befragten sehen hier Handlungsbedarf. An zweiter Stelle mit 48 Prozent folgen staatliche Regulierungen und Budgetierung bei der Patientenversorgung. Diese Werte korrelieren entsprechend mit dem stark ausgeprägtem Wunsch nach weniger Dokumentationspflichten und Verwaltungsarbeit im beruflichen Alltag.

Getrübte berufliche Attraktivität

Alles in allem zeigt die Studie in der Regel zufriedene Heilberufler (62 Prozent), allerdings stehen sie den künftigen Entwicklungen skeptisch gegenüber: 38 Prozent der Befragten zählen die Attraktivität der Heilberufe für den Nachwuchs zu den wichtigsten Herausforderungen für das Gesundheitssystem. Jeder fünfte Heilberufler würde seinen Beruf nicht weiterempfehlen und fast jeder vierte ist in dieser Hinsicht unentschlossen.

„Der gesellschaftliche Wandel beeinflusst das bestehende Gesundheitswesen und wirkt weit in die Lebens- und Arbeitswelten der Heilberufler hinein. Umso mehr kommt es darauf an, ein attraktives Arbeitsumfeld zu gestalten, das ihren Vorstellungen und Wünschen gerecht wird. Insbesondere den Ruf nach weniger Bürokratie und Regulierung sollten die Gestalter unseres Versorgungssystems nicht überhören. Denn um Gesundheitsleistungen von hoher Qualität für alle zu sichern, brauchen wir vor allem engagierte und qualifizierte Menschen, die gerne als Ärzte, Zahnärzte oder Apotheker arbeiten“, kommentiert Ulrich Sommer, stellvertretender Vorsitzender des Vorstands der Apobank.

Info:
Mit 406.000 Kunden und über 108.000 Mitgliedern ist die Deutsche Apotheker- und Ärztebank die größte genossenschaftliche Primärbank und der wichtigste Finanzdienstleister im Gesundheitswesen in Deutschland.