Studie: Pandemie verändert unser Leben grundlegend

Spinning-Training daheim
Spinning-Training daheim: Das Corona-Virus stand im vergangenen Jahr im Mittelpunkt aller Überlegungen zum Thema Gesundheit (Foto: Wavebreak Media Ltd/123rf.com)

86 Prozent der Bürger in Deutschland bestätigen nach über einem Jahr Corona-Pandemie, dass sich ihr Lebensstil durch das Virus verändert hat. Für das Gesundheitsverhalten sind die Folgen teils positiv, teils negativ.

So sagt rund jeder Vierte, dass er sich psychisch stärker belastet fühlt und weniger Sport getrieben hat. Beim Gesundheitsfaktor Ernährung gibt es hingegen eine positive Trendwende durch die Pandemie: 24 Prozent der Befragten haben stärker auf ihre Ernährung geachtet – fast alle möchten das auch in Zukunft so beibehalten. Das sind zentrale Ergebnisse der Studie „Ein neues Gesundheitsbewusstsein für Deutschland? Leben mit der Pandemie“, einer Befragung der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC unter 1.000 Bürgern.

Präventionsangebote gefragt

Den meisten Deutschen ist bewusst, dass ihr Lebensstil ein wesentlicher Faktor für ein langes, gesundes Leben ist: So bestätigt mit 37 Prozent die größte Gruppe, dass es vor allem auf Verhaltensfaktoren wie Bewegung oder Ernährung ankommt. Mit 55 Prozent schreibt die Mehrheit die Verantwortung für das Thema Gesundheit jeweils sich selbst zu. Gleichzeitig wächst aber im Vergleich zu einer Vorgängerstudie aus dem Jahr 2019 die Zahl derer, die die Verantwortung bei staatlichen Stellen, vor allem dem Bundesgesundheitsministerium, sehen: von 25 auf 33 Prozent. 

„Die Pandemie hat großen Einfluss auf das Gesundheitsbewusstsein der Bürger:innen. Sie sind bereit, Eigenverantwortung zu übernehmen, wünschen sich aber ebenso Unterstützung bei einem gesunden Lebensstil durch staatliche Stellen“, sagt Michael Burkhart, Leiter des PwC-Bereichs Gesundheitswirtschaft. Der Berater schließt daraus, dass Präventionsangebote zügig ausgebaut werden sollten. Dies bedeute allerdings auch, dass die Kostenträger die Möglichkeit erhalten und nutzen müssen, die Finanzierung für diese Präventionsangebote nicht nur anhand von Leistungs- (status quo), sondern auch anhand von Präventionskriterien festzulegen.

Angst um die Gesundheit

Wichtig sei es, auch die psychische Belastung in den Blick zu nehmen, die während der COVID-19-Pandemie spürbar gestiegen ist. Das Virus stand im vergangenen Jahr im Mittelpunkt aller Überlegungen zum Thema Gesundheit: 70 Prozent haben sich vor allem mit der Gefahr, sich mit dem Virus anzustecken, beschäftigt. 55 Prozent sorgten sich um eine mögliche Überlastung unseres Gesundheitssystems. 

Klar im Fokus stand die eigene Gesundheit sowie die der Familienmitglieder und Freunde – dem untergeordnet waren Sorgen um die eigene finanzielle Situation. „Die Angst vor der Ansteckung mit dem Virus ist so groß, dass knapp 20 Prozent der Befragten Gesundheitsleistungen wie Haus- und Facharztbesuche oder Zahnkontrollen verschoben haben. Auch das ist ein Faktor, der sich negativ auf die Gesundheit der Deutschen auswirken kann“, erklärt Michael Burkhart.

Hürden für gesünderen Lebensstil

Auf die Frage, was sie davon abhält, gesünder zu leben, nennen – ebenso wie in der Vorgängerstudie 2019 – 35 Prozent der Befragten Schlafprobleme. Auch das Rauchen (23 Prozent) und die fehlende Motivation (22 Prozent) werden als bremsende Faktoren genannt. Deutlich zugenommen haben im Pandemie-Jahr 2020/2021 Einsamkeit und Isolation. 

Wichtigste Ansprechpartner für alle Fragen rund um Gesundheit sind mit 44 Prozent die Ärzte. In der Pandemie-Zeit haben allerdings auch die Therapeuten als Ratgeber an Bedeutung gewonnen – die Zahl derer, die sie als wichtig ansehen, ist von elf auf 16 Prozent gestiegen.

Aufwärtstrend beim Thema Digitalisierung

Nach Informationen zur Verbesserung ihres Gesundheitsverhaltens suchen die Befragten auch via Smartphone im Internet, wie 38 Prozent angeben. Andere Technologien wie Wearables, Apps oder sprachfähige Geräte verwenden die Bürger hingegen zurückhaltend. Vier von zehn Deutschen setzten derzeit noch keine Technologien zur Unterstützung ihrer Gesundheit ein.

„Dennoch sehen wir beim Thema Digitalisierung einen leichten Aufwärtstrend. Der Anteil derer, die Technologien nutzen, ist gegenüber 2019 um fünf Prozentpunkte gestiegen. Ich bin davon überzeugt, dass Apps ebenso wie Video-Sprechstunden auch durch die Pandemie sprunghaft an Bedeutung gewinnen werden. Der Schub für die Telemedizin wird in unserer kommenden Vergleichsbefragung schon sichtbar sein“, prognostiziert Sevilay Huesman-Koecke, International Director und Head of Business Development im Bereich Gesundheitswirtschaft bei PwC.

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