Start-up will Hilfsmittel-Akteure vernetzen

Healthbytes-Gründerteam
Healthbytes-Gründer Shane Füller, Thomas Seidl und Valentin Kronreif: Hürden abbauen und den einfachsten Weg der Hilfsmittelversorgung schaffen (Foto: Healthbytes GmbH)

Die in diesem Jahr gegründete Healthbytes GmbH hat sich zum Ziel gesetzt, den Sanitätsfachhandel zu digitalisieren und die Prozesse in der Beschaffung von Hilfsmitteln durch Standardisierung deutlich zu vereinfachen. 

Um diesen Prozess voranzutreiben, will Healthbytes auf der digitalen Plattform „anni.care“ alle Marktakteure miteinander vernetzen. Potenzielle Kunden, die im Internet nach passenden Produkten suchen, sollen via anni.care in den stationären Handel übergeleitet werden. 

Grundsätzlich trifft das neue Digitalangebot auf einen riesigen Markt: Bereits heute ist etwa ein Viertel aller gesetzlich Versicherten in Deutschland auf Hilfsmittel wie Rollatoren, Pflegebetten oder Seh- und Hörhilfen angewiesen. Die Ausgaben für Hilfsmittel der gesetzlichen Krankenversicherung belaufen sich jährlich auf knapp zehn Milliarden Euro. Dabei sind digitale Unterstützungsangebote bisher kaum zu finden. So wird das Vorhaben aus Mitteln der Europäischen Union (Europäischer Sozialfonds) und des Landes Berlin gefördert.

Digitale Beratung als erster Schritt

Im ersten Schritt will Healthbytes mit der Plattform bei den pflegebedürftigen Patienten und deren Angehörigen ansetzen: NutzerInnen werden auf anni.care umfassend zum Themenbereich Hilfsmittel und Gesundheitsprodukte aufgeklärt. Beginnend bei der Bedarfsermittlung können die Interessenten eine Hilfsmittel-Beratung durch die digitale Beraterin „Anni“ durchlaufen. Anni ist ein intelligentes System, das Fragen zur Lebens- oder Pflegesituation stellt, die in natürlichen Dialogen beantwortet werden können. Auf Basis dieser Angaben werden passende Hilfsmittel vorgeschlagen. 

Falls der Bedarf bereits bekannt ist, können sich die Interessenten gezielt über eine Suchmaschine zu allen gängigen Hilfsmitteln informieren. Hier werden die wichtigsten Fragen beantwortet – auf Wunsch auch in Echtzeit über einen LiveChat. Sobald die richtigen Hilfsmittel gewählt und alle offenen Fragen geklärt sind, unterstützt die Plattform bei der weiteren Beschaffung. So wird zunächst eine mögliche Kostenübernahme abgeklärt. In weiterer Folge wird bei der Einholung von möglicherweise notwendigen Rezepten unterstützt. Außerdem werden passende Anbieter in der näheren Umgebung vorgeschlagen. Der gesamte Beratungsprozess ist dabei kostenfrei.

Wie die Plattform entstand

Hinter der anni.care-Plattform stecken die drei jungen Gründer Shane Füller (26), Thomas Seidl (25) und Valentin Kronreif (25). Kronreif kümmerte sich gemeinsam mit seiner Familie um seinen pflegebedürftigen Großvater, bevor dieser im Jahr 2020 verstarb. Dabei wurde Kronreif gewahr, wie komplex die Hilfsmittel-Branche ist. In Gesprächen mit unzähligen anderen HilfsmittelnutzerInnen und Angehörigen zeigte sich, dass verteilte Informationsquellen und bürokratische Hürden bis heute für viele Menschen eine Herausforderung darstellen.

Um diese Hürden abzubauen und den einfachsten Weg der Hilfsmittelversorgung zu schaffen, wird anni.care mit der Unterstützung des europäischen Sozialfonds und des Landes Berlin umgesetzt. Alle Lösungen werden gemeinsam mit NutzerInnen und pflegenden Angehörigen entwickelt. Die Digitalisierung des Hilfsmittelmarktes auf der Seite der EndkundInnen soll nur der erste Schritt sein. Mittelfristig sollen alle relevanten Akteure in der Hilfsmittelversorgung vernetzt werden. So soll künftig in Kooperation mit bestehenden Versorgern durch standardisierte Prozesse eine bessere und schnellere Versorgung möglich werden.

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