Rückenwind für Digitalisierung im Gesundheitswesen

Die Digitalisierung des Gesundheitswesens steht jetzt auch auf Bundesebene im Fokus. (Foto: Elnur - Fotolia.com)

Die Digitalisierung des Gesundheitswesens steht nun auch auf Bundesebene im Fokus. Verschiedene Ministerien wollen konkrete Maßnahmen ergreifen, um das Thema voranzutreiben. Die ZTG begrüßt die Bestrebungen für den Bereich der Telematik und Telemedizin als eine wichtige Unterstützung in der Realisierung eines digitalen, zukunftsfähigen Gesundheitswesens.

Das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) hat Eckpunkte zur Digitalisierung der Gesundheitswirtschaft veröffentlicht. Eine wichtige Forderung bezieht sich auf die Verbesserung des Weges in die Regelversorgung: Start-ups haben es im Gesundheitsmarkt schwer, Fuß zu fassen. Der Zugang in die Regelversorgung (Erstattung der Leistungen durch die Krankenkassen) sollte erleichtert werden. Langwierige und komplizierte Prozesse seien eine wesentliche Hürde. Abhilfe schaffen könnten verbindliche Fristen und eindeutige Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner bei den Zulassungsbehörden.

Digitale Investitionen in Krankenhäusern sollen stärker gefördert werden: Um Investitionen in die digitale Infrastruktur von Krankenhäusern zu verbessern, sollen zusätzliche öffentliche Mittel in Höhe von 500 Millionen Euro für Unikliniken bereitgestellt werden. Darüber hinaus sollen Daten besser genutzt werden: Um bestehende Diagnose- und Therapieverfahren zu verbessern, sollen Forschungsdaten, klinische Daten und Daten aus der Patientenversorgung unter strikter Wahrung des Schutzes personenbezogener Patientendaten bereitgestellt und verknüpft werden.

Auch die Umsetzung eines einheitlichen Datenschutzes ist ein wichtiges Anliegen: Um Klarheit zu schaffen, welche gesetzlichen Anforderungen beim Umgang mit Gesundheitsdaten erfüllt werden müssen, sollen bundeseinheitliche, transparente und verbindliche Datenschutzregelungen unter Beachtung der EU-Datenschutzgrundverordnung umgesetzt werden. Auch die Erleichterungen für telemedizinische Anwendungen können dazu beitragen, die Digitalisierung im Gesundheitswesen voranzutreiben: Um die Möglichkeiten von telemedizinischen Anwendungen zu fördern, sollen das bestehende Fernbehandlungs- und verschreibungsverbot überprüft werden.

„Durch die Digitalisierung erfährt unsere Gesundheitsversorgung einen gewaltigen Wandel. Im Sinne der Patientinnen und Patienten ist es wichtig, digitale Innovationen dort hinzubringen, wo sie gebraucht werden, nämlich in die Regelversorgung“ sagt Günter van Aalst, stellv. Vorsitzender des ZTG-Aufsichtsrates und Vorsitzender des „Forums Telemedizin“ der ZTG Zentrum für Telematik und Telemedizin GmbH. „Durch hemmende Rahmenbedingungen und oft nicht erforderlicher Bewertungshürden im Zulassungsverfahren wird der Weg telemedizinischer Anwendungen zu den Patientinnen und Patienten oft beträchtlich verzögert“, so van Aalst weiter. Er begrüßt die Bestrebungen auf Bundesebene als wichtigen Schritt.

Drei Ziele für Digitalisierung

Die von der Bundesministerin für Bildung und Forschung, Johanna Wanka, und vom Bundesminister für Gesundheit, Hermann Gröhe, vorgelegten Maßnahmen umspannen drei Ziele. Das erste ist die Gründung einer Dialog-Plattform Digitale Gesundheit, um gemeinsam mit allen Verantwortlichen aus Gesundheitsversorgung, Wissenschaft und Wirtschaft die Nutzung von Technologien zur Bereitstellung und Auswertung großer Datenmengen (Big-Data) für die Patientenversorgung voranzutreiben.

Auch die Einführung der elektronischen Patientenakten soll forciert werden.  Außerdem sollen Projekte stärker gefördert werden, die die Möglichkeiten des digitalen Fortschritts im Gesundheitswesen aufzeigen und helfen, beispielsweise bei der Behandlung von Krebserkrankungen weitere Durchbrüche zu erzielen.

Patienten müssen profitieren

„Wir begrüßen, dass die Bedeutung der Digitalisierung für das Gesundheitswesen auf Bundesebene wahrgenommen wird. Es ist von entscheidender Wichtigkeit, jetzt zu handeln und langfristig telemedizinische Innovationen zu fördern, damit Patientinnen und Patienten in Zukunft noch bessere ärztliche Behandlung bekommen, insbesondere in ländlichen Regionen. Durch die verstärkte Förderung von Kooperationen wichtiger Akteurinnen und Akteure kann eine zukunftssichere Patientenversorgung gelingen“, sagt Prof. Dr. med. Gernot Marx, FRCA, Direktor der Klinik für Operative Intensivmedizin und Intermediate Care an der Uniklinik RWTH Aachen, Sprecher des Telemedizinzentrums Aachen und Mitglied im ZTG-Forum Telemedizin.

Für Rainer Beckers, ZTG-Geschäftsführer Geschäftsbereich Telemedizin, ist es entscheidend, dass die Patientinnen und Patienten die Profiteure der Digitalisierung sind. Ganz besonders wichtig sei dabei eine praktikable Nutzenbewertung telemedizinischer Verfahren. „Die ZTG GmbH engagiert sich seit Jahren sehr für die Entwicklung und den Einsatz eines effizienten Evaluationssystems, das es ermöglicht, telemedizinische Versorgungsangebote den Patientinnen und Patienten schneller zur Verfügung zu stellen. Mit der Landesinitiative eGesundheit.nrw bündeln wir im Auftrag des NRW-Gesundheitsministeriums innovative Projekte aus Telematik und Telemedizin und fördern sowohl den Wissensdialog als auch den Aufbau von wertschöpfenden Kooperationen. Es ist schön, dass die verstärkte Förderung von Projekten zur Digitalisierung im Gesundheitswesen Teil der Agenda der Bundespolitik ist“, so Beckers.