Offenheit für Digitale Gesundheitsanwendungen

Fiktiver, digitaler Drehschalter
Fiktiver, digitaler Drehschalter: Die gesundheitlichen Folgen der Digitalisierung schätzen mehr Menschen positiv als negativ ein (Foto: © Olivier Le Moal/fotolia)

Die jährlich durchgeführte Untersuchung „D21-Digital-Index“ zeigt, dass der Digitalisierungsgrad der deutschen Bevölkerung wächst und auch die ältere Generation Digitalthemen zunehmend für sich entdeckt. Mit E-Health- und Smart-Home-Anwendungen ist bisher aber erst eine Minderheit vertraut.

Die Initiative D21 hat in Berlin ihre Studie „D21-Digital-Index 2018 / 2019“ vorgestellt. Die von Kantar TNS durchgeführte Untersuchung liefert jährlich ein umfassendes Lagebild zur digitalen Gesellschaft. Sie misst den Digitalisierungsgrad der deutschen Bevölkerung und zeigt, wie die Menschen den technologischen Fortschritt in ihrem Privat- und Berufsleben adaptieren.

Digitalisierung in der Mitte der Gesellschaft

Auf einer Skala von 0 bis 100 Punkten hat die deutsche Gesellschaft einen mittleren Indexwert von 55 Punkten erreicht. Der Digital-Index steigt damit im Vergleich zum Vorjahr um 2 Punkte. Grund für den Zuwachs sind Steigerungen beim Zugang (+6 Punkte) und in der Kompetenz (+2 Punkte). Das Nutzungsverhalten nimmt leicht ab (-1 Punkt), die Offenheit gegenüber digitalen Themen bleibt gleich.

84 Prozent der deutschen Bevölkerung sind online, das ist ein Zuwachs von drei Prozentpunkten. Dieser stammt insbesondere von der zunehmenden Verbreitung des mobilen Internets, das inzwischen 68 Prozent der Bevölkerung nutzen (+4 Prozentpunkte). Den größten Zuwachs – und damit entscheidenden Anteil an den Steigerungen – verzeichnen die älteren Generationen: 79 Prozent der 60 bis 69-Jährigen und mittlerweile 45 Prozent der über 70-Jährigen sind online.

Menschen im digitalen Abseits

Der D21-Digital-Index teilt die Bevölkerung in verschiedene Nutzergruppen und -typen mit spezifischen Merkmalen ein. Dabei ist im Vergleich zu den Vorjahren eine Verschiebung hin zu den digitaleren Gruppen zu beobachten. Die Gruppe der Digital Abseitsstehenden schrumpfte um vier Prozent auf 21 Prozent und umfasst damit noch rund 13 Millionen Menschen. Die größte Gruppe bilden nach wie vor Digital Mithaltende mit 42 Prozent (+1 Prozentpunkt), dies entspricht etwa 27 Millionen Menschen. Den größten Zuwachs verzeichnet die Gruppe der Digitalen Vorreiter, zu denen nun 37 Prozent der deutschen Bevölkerung zählen (+3 Prozentpunkte). Diese Gruppe geht sehr offen und souverän mit den Anforderungen sowie den Errungenschaften der Digitalisierung um.

Betrachtet man den Digitalisierungsgrad im Zusammenhang mit verschiedenen sozioökonomischen Faktoren, wird deutlich, in welchen Bereichen digitale Spaltung stattfindet. Auch wenn Teile der älteren Generationen aufholen, sind nach wie vor die jüngeren Generationen digital weitaus aktiver. Höher Gebildete haben im Schnitt einen deutlich höheren Digitalisierungsgrad als Menschen mit niedriger formaler Bildung. Ebenso führt Berufstätigkeit generell, insbesondere aber Schreibtischtätigkeit, zu mehr Berührungspunkten und Erfahrungen mit digitalen Technologien und Anwendungen und damit zu einem höheren Digital-Index. Die meisten Menschen bringen sich digitale Kompetenzen selbst bei durch Ausprobieren (58 Prozent) oder holen sich Hilfe bei Bekannten. Fast jeder Fünfte bildet sich digital gar nicht fort (19 Prozent).

Die Berufswelt wird digitaler

Knapp die Hälfte der Berufstätigen geht davon aus, dass sich ihr Beruf in der näheren Zukunft spürbar durch die Digitalisierung verändern wird. 38 Prozent sehen darin Chancen für neue Jobentwicklungen in ihrem Arbeitsumfeld. 41 Prozent fühlen sich durch die Digitalisierung aber auch einem ständigen Lern- und Anpassungsdruck ausgesetzt. Denn lebenslanges Lernen bildet die Voraussetzung für beruflichen Erfolg, das sehen 84 Prozent der Berufstätigen so.

Mobiles Arbeiten bleibt Ausnahme

Für die Hälfte der Berufstätigen bedeutet zeitlich und räumlich flexibles Arbeiten eine Steigerung ihrer eigenen Lebensqualität. Doch mobiles Arbeiten bleibt bislang die Ausnahme: Nur 16 Prozent arbeiten nach eigenen Angaben gelegentlich orts- oder zeitunabhängig. Bei einem Viertel davon schafft das Unternehmen nicht die notwendigen Voraussetzungen. Ein weiteres Viertel gibt an, kein Interesse daran zu haben. Für mehr als die Hälfte ist flexibles Arbeiten im eigenen Tätigkeitsfeld generell nicht möglich.

Offenheit für E-Health und Smart Home

Nur eine Minderheit der deutschen Bevölkerung sammelte bereits persönlich Erfahrungen mit E-Health- oder Smart-Home-Anwendungen. Am meisten verbreitet sind digitale Gesundheitsanwendungen, die bislang zwölf Prozent genutzt haben. Halb so viele Menschen verfügen über persönliche Erfahrungen mit intelligenten Haushaltsgeräten oder Haushaltsrobotern. Damit bleiben Smart-Home- und E-Health-Anwendungen bislang Nischenprodukte für Technik-Begeisterte.

Unabhängig von der tatsächlichen Nutzung ist aber eine gewisse Offenheit gegenüber dieser Technik vorhanden: Jeder Dritte kann sich die zukünftige Nutzung von Haushaltsrobotern, mit dem Internet verbundenen Überwachungskameras oder per App steuerbaren Licht- und Heizungsanlagen vorstellen.

Die gesundheitlichen Folgen der Digitalisierung schätzen mehr Menschen positiv als negativ ein, sowohl für sich selbst als auch für die Gesellschaft insgesamt. Die Mehrheit sieht die Auswirkungen jedoch neutral. Mit Blick in die Zukunft sind die Menschen in Deutschland optimistisch: Sowohl auf persönlicher als auch auf gesellschaftlicher Ebene glauben sie, dass die Digitalisierung in 15 Jahren positivere gesundheitliche Auswirkungen haben wird, als sie diese momentan empfinden.

Stadt-Land-Gefälle

Die Studie zeigt deutliche Unterschiede im Digitalisierungsgrad der Bevölkerung in (groß-) städtischen im Vergleich zu ländlichen Regionen: Die Großstadtbevölkerung hat mit 58 Indexpunkten einen um fünf Punkte höheren Digital-Index als die Landbevölkerung. Menschen in der Großstadt nutzen das Internet länger, vielfältiger und häufiger. Die Kompetenzen sind höher und die Offenheit ist deutlich größer. Gründe dafür sind unter anderem eine jüngere Bevölkerung in den Städten, ein durchschnittlich höherer Bildungsgrad und mehr (Vollzeit-)Erwerbstätige als im ländlichen Raum. Unterschiede beim Zugang zum Internet zeigen sich hingegen kaum.

Insbesondere der Anteil beruflicher Internetnutzerinnen und -nutzer ist in den Großstädten deutlich höher. Zudem werden die Vorteile an Flexibilität und räumlicher Unabhängigkeit durch Telearbeit, Homeoffice oder mobiles Arbeiten, die in der ländlichen Region stärker greifen könnten, mehr in den Großstädten realisiert.

Der D21-Digital-Index ist eine breit angelegte Studie der Initiative D21, durchgeführt von Kantar TNS, einem Marktforschungsunternehmen der britischen WPP Group. Die Studie erfasst die deutsche Wohnbevölkerung ab 14 Jahren. Mittels persönlich-mündlicher Befragung wurden 20.406 Interviews in Deutschland durchgeführt, davon 2.052 mit vertiefenden Fragen. Das Studienprojekt ist gemeinschaftlich finanziert über eine Förderung des Bundeswirtschaftsministeriums sowie durch verschiedene Sponsoringpartner wie die Allianz-Versicherung, Barmer Ersatzkasse, Fujitsu Technology Solutions. Die Initiative D21 ist ein gemeinnütziger Verein mit Sitz in Berlin, der 1999 mit dem Ziel gegründet wurde, die digitale Spaltung der Gesellschaft zu verhindern.