Nur 29 Prozent lehnen Chip-Implantate ab

IT-Sicherheitsexperte Marco Preuss von Kaspersky Lab
Marco Preuss, Leiter des europäischen Forschungs- und Analyseteams bei Kaspersky Lab: "Chipimplantate verwischen die Grenze zwischen Mensch und Maschine und machen einen mit dieser Technik ausgestatteten Körper so cyberverletzbar wie nie." (Foto: Kaspersky Lab)

Das IT-Sicherheitsunternehmen Kaspersky Lab hat in einer europaweiten Studie mit 1.200 Befragten ermittelt, das eine große Mehrheit der Bürger dazu bereit wäre, sich aus medizinischen oder anderen Gründen Chips implantieren zu lassen.

Kaspersky Lab hat in einer europaweiten Studie Menschen zum Thema Biohacking und Chipimplantate befragt. Ergebnis: Im europäischen Durchschnitt ist die Akzeptanz für Biohacking überraschend hoch. Die Umfrage wurde von Arlington Research durchgeführt. Insgesamt wurden hierfür Ende 2015 1.200 Menschen zwischen 18 und 55 Jahre in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Spanien und den Beneluxstaaten befragt.

Das überraschende Ergebnis: Im europäischen Durchschnitt ist die Akzeptanz für Biohacking überraschend hoch. Lediglich 29 Prozent lehnen es grundsätzlich ab, sich Chips unter die Haut pflanzen zu lassen. Eine Stichprobe lässt allerdings die Vermutung zu, dass die Menschen in Deutschland weniger offen sind. Knapp die Hälfte (49 Prozent) der befragten Deutschen würde sich niemals einer Chipimplantation unterziehen. Die größten Bedenken sind: mögliche Fehlfunktionen und eine »feindliche Übernahme« des eigenen Körpers.

Insgesamt ist die Akzeptanz hoch, wenn der potenzielle Anwender einen bestimmten Nutzen mit einer Chipimplantation verbindet. So würden europaweit 51 Prozent der Befragten über einen Chip medizinische Belange verwalten und 46 Prozent einen Notruf absetzen. Immerhin 35 Prozent wären dazu bereit, das Implantat als Reisepass zu nutzen. 40 Prozent könnten sich vorstellen, über Chips besser ihre persönliche Gesundheit beziehungsweise Fitness einsehen oder verwalten zu können.

Doch auch für mehr Komfort im Alltag wären viele Befragte bereit, sich einen Chip unter die haut pflanzen zu lassen: Denkbare Einsatzszenarien sind hier etwa die Geräteauthentifizierung, kontaktloses Bezahlen, die Verwaltung des Smart Homes sowie das Öffnen und Schließen von Türen.

Bedenkliche Sicherheitsrisiken

Auch wenn bislang die Chips ohne eigene Energieversorgung nur wenige Daten speichern können und derzeit lediglich auf sehr kurze Distanz reagieren, gilt es bereits heute zahlreiche cybersicherheitskritische Fragen wie die Wahrung der Privatsphäre beziehungsweise des Datenschutzes sowie Gefahren hinsichtlich des Diebstahls der digitalen Identität zu klären. Denn mit der technologischen Fortentwicklung der Chips könnte sich bald ein breites Feld neuartiger Anwendungen eröffnen: von Finanztransaktionen über Authentifizierungsprozesse bis hin zum Austausch vertraulicher Daten.

“Chipimplantate verwischen die Grenze zwischen Mensch und Maschine und machen einen mit dieser Technik ausgestatteten Körper so cyberverletzbar wie nie. In der Welt der Cyborgs gibt es aktuell auch keine Form der Regulierung oder Standardisierung. Diese Aspekte werden oft auch als Hindernis für Innovationen gesehen”, sagt Marco Preuss, Leiter des europäischen Forschungs- und Analyseteams bei Kaspersky Lab. “Beim Thema Biohacking ist es aber essenziell, dass Cybersicherheit von Anfang an in die Chipimplantate und deren Entwicklung integriert wird, denn sind die Chips erst einmal unter der Haut, ist es dafür zu spät«.

Kaspersky Lab arbeitet bereits seit einiger Zeit mit den schwedischen Biohacking-Aktivisten BioNyfiken zusammen. Beispielsweise begleitet der Cybersicherheitsexperte ein kontroverses Zukunftsprojekt namens »Chipping Humans – The Internet of Things becomes the Internet of Us« im Hinblick auf IT-Sicherheit und Datenschutz.

In einem unterhaltsamen Videoclip will Kaspersky Lab über die Sicherheitsrisiken bei Chipimplantaten aufklären.