Medi24 will Notfallpraxen entlasten

Blick in Notaufnahme in Klinik
Notfallpraxen und Notaufnahmen in Kliniken können akut erkrankte Patienten teils nicht ausreichend schnell versorgen, weil sie durch zu viele Patienten mit harmlosen Erkrankungen überlastet sind. (Foto: upixa/fotolia.com)

Kann ein privater Telemedizin-Dienstleister die vielerorts zu stark beanspruchten Notfallpraxen entlasten? Medi24 will das erreichen und sucht hierfür die Zusammenarbeit mit Krankenkassen, Kliniken und Unternehmen.

Die Notaufnahmen und Notfallpraxen sind fast überall in Deutschland so sehr beansprucht, dass Patienten teils stundenlang warten müssen. Das wiederum liegt nicht etwa an der schlechten Gesundheit vieler Bürger, sondern oftmals daran, dass Patienten auch mit kleinen „Wehwehchen“ in die Notaufnahme anstatt zum Hausarzt gehen. Vielfach nutzt man hier die Öffnungszeiten aus oder will übervorsichtig weitgehend harmlose Gesundheitsbeschwerden abklären.

Diesem Treiben möchte Milan Kingreen, Geschäftsführer der Allianz-Firmentochter Medi24 in Deutschland, mit einem neuen telemedizinischen Angebot am liebsten ein Ende bereiten. „Medi24 ist der richtige Ansprechpartner, wenn es um medizinische Fragen geht, bei denen sich der Patient unsicher ist und das Internet keine klaren Informationen liefert. Wir bieten fundierte Beratung. Unser Personal verfügt über mindestens zehn Berufsjahre Klinikerfahrung und zwei Jahre telemedizinische Ausbildung. Unsere Mitarbeiter am Telefon werden zudem unterstützt von einer speziellen, von Medizinern entwickelten Software. Damit bieten wir gewissermaßen eine kluge Kombination aus Menschen und Maschine an. Am Ende des Telefongesprächs haben die Anrufer bei uns auf jeden Fall Gewissheit darüber, ob sie besser sofort in die Notaufnahme fahren sollten oder ob es vielleicht ausreicht, eine Schmerztablette zu nehmen und einmal richtig auszuschlafen“, sagt er im Gespräch mit mednic.

Kostenlose Testphase

Medi24 geht in Deutschland mit insgesamt über 100 Mitarbeitern an den Start. Erfolgreich etabliert hat sich das Angebot schon seit zwei Jahrzehnten in der Schweiz, wo schon fast fünf Millionen telemedizinische Beratungen durchgeführt wurden. Medi24 offeriert seinen Kunden in Deutschland medizinische Soforthilfe rund um die Uhr. Anrufer werden unter der Nummer 089 4444 55555 direkt mit medizinischem Fachpersonal verbunden. Dieses bewertet umfassend die Situation des Patienten und spricht eine Handlungsempfehlung aus. Der Service ist ab sofort verfügbar und in der Testphase kostenlos.

Milan Kingreen ist Geschäftsführer bei Medi24 in Deutschland
Milan Kingreen ist Geschäftsführer bei Medi24 in Deutschland (Foto: Medi24)

Krankenkassen als mögliche Partner

Ab Herbst 2019 wird Medi24 kostenpflichtig. Allerdings strebt das Unternehmen die Zusammenarbeit mit Krankenkassen an, die bereits schon Interesse signalisiert haben. Kommt es zu einer Kooperation, könnte der telemedizinische Service also auch künftig ohne direkte Kosten für Patienten zur Verfügung stehen. „Unser Bestreben ist es, mit Krankenkassen, Kliniken und Unternehmen Vereinbarungen zur Kostenübernahme zu treffen, so dass unser Angebot für Versicherte keine direkten Kosten verursacht. Wir werden aber darüber hinaus eine Möglichkeit zur direkten Bezahlung anbieten, sobald ab Herbst unser Onlineportal an den Start geht“, erläutert Kingreen gegenüber mednic. Als Konkurrenz zur bundesweit erreichbaren Rufnummer 116117 will Kingreen sein Angebot nicht verstanden wissen: „Wir bieten eine eingehende, medizinische Beratung, während unter der 116117 die Anrufer ja primär Informationen zum ärztlichen Bereitschaftsdienst in ihrer Region erhalten“.

Chat und Videotelefonie folgen

Während der jetzt begonnen Testphase steht der Dienst ausschließlich telefonisch zur Verfügung. Das soll nicht so bleiben. Allerdings, gibt Kingreen zu bedenken, nutzen die Patienten in der Schweiz den Dienst primär telefonisch – dort ist man bereits seit 20 Jahren am Markt etabliert: „Unsere langjährige Erfahrung in der Schweiz zeigt, dass das Telefon bei medizinischen Fragen von der überwiegenden Zahl der Patienten präferiert wird. Dieses Angebot ist in der Tat aber nur der erste Schritt. Derzeit arbeiten wir an einem Onlineportal, über das wir dann auch per Chat und Videotelefonie erreichbar sein werden. Auch heute kann man schon während des Gesprächs beispielsweise ein Foto von Schwellungen oder Hautirritationen an den Gesprächspartner senden, was in der Regel auch ausreicht. Aber wir werden künftig dann auch Videotelefonie und Chat anbieten“.

Keine exklusive Zusammenarbeit mit Allianz

Medi24 gehört als Teil von Allianz Partners zum globalen Netzwerk der Allianz Gruppe. Eine exklusive Zusammenarbeit mit der Allianz, die beispielsweise auch Reiseversicherungen anbietet, wird es laut Kingreen jedoch nicht geben. „Wir sind Teil der Allianz-Gruppe, können aber völlig eigenständig und unabhängig agieren. Wenn die Allianz von uns erbrachte Leistungen etwa im Rahmen ihrer Reise-Krankenversicherung anbietet, sind wir schlicht als deren Dienstleister aktiv. Wir sind hier ausdrücklich nicht alleine auf die Allianz fixiert. Wenn ein anderer Versicherer sein Angebot ausbauen will, kann er ebenso mit uns sprechen und wir können kooperieren.“

Hintergrund medi24 Im Mai 2018 lockerte der Deutsche Ärztetag das Fernbehandlungsverbot und öffnete Ärzten und Patienten so erstmals den Weg zu einer telemedizinischen Erstbehandlung. Mit dem Start von Medi24 will die Allianz Gruppe am digitalen Gesundheitsmarkt partizipieren. Ein interdisziplinäres Team aus rund 80 medizinischen Experten und über 30 Fachärzten aus 13 Fachbereichen steht Anrufern bei Medi24 rund um die Uhr zur Verfügung.