Handy-Sucht schon im Kleinkindalter begegnen

Kleines Mädchen mit Smartphone
Kleines Mädchen mit Smartphone: Wachsender Bedarf an Aufklärung (Foto: © satura_fotolia.com)

Wie lange darf mein Kind am Rechner sitzen? Ab welchem Alter darf ich meinem Kind ein Smartphone geben? Schadet die Nutzung elektronischer Medien der Gesundheit meines Kindes? Ist mein Kind oder bin ich handysüchtig?

Immer häufiger ist der Arzt für Nervenheilkunde Prof. Dr. Rainer Riedel mit Fragen wie diesen konfrontiert. Riedel veröffentlichte in der BLIKK Medienstudie der Rheinischen Fachhochschule Köln (RFH) neueste Ergebnisse aus der Medienforschung, die gesundheitliche Auswirkungen durch eine vermehrte Nutzung elektronischer Medien beleuchtet. Das ist neu und stößt auf reges Interesse. Der Bedarf an Aufklärung rund um die Handy-Sucht ist dabei sowohl bei Fachleuten wie in der Bevölkerung, an Schulen, in Kommunen und Städten spürbar. „Die vielen Fragen zur Mediennutzung zeigen, dass Medienkompetenz noch nicht gelebt wird, die Grundlagen hierfür aber bereits im Kleinkindesalter gelegt werden müssen“, betont Riedel. Mit der Medienkompetenz-AG „Schlau durchs Netz“ bietet die Fachhochschule Köln bereits seit mehreren Jahren konkrete Unterstützung für Schüler der sechsten Klasse.

Basiselemente im Vorschulalter erlernen

Dem stark wachsenden Bedarf an Aufklärung im Zusammenhang mit der Nutzung elektronischer Medien (Smartphone, Fernseher, Spielekonsole, Computer) versucht Riedel zu begegnen. Auf Symposien und in Vorträgen beantwortet der Arzt für Nervenheilkunde häufig gestellte Fragen. „Die Rückmeldungen und Fragen vieler Vortrags-Teilnehmer lassen den Schluss zu, dass wir die Ergebnisse der BLIKK-Studie einer breiten Öffentlichkeit, vor allem Schulen, Eltern und Lehrern im Hinblick auf die Relevanz der Entwicklung einer Medienkompetenz im Umgang mit elektronischen Medien zur Verfügung stellen sollten, um so zu gewährleisten, dass auch im Vorschulalter schon erste Basiselemente für die Entwicklung einer Medienkompetenz gelegt werden. Wir müssen viel früher anfangen“, rät der Professor.

Kompetenz für Sechstklässler

Bei der Medienkompetenz-AG „Schlau durchs Netz“ gibt es anhand von Fallbeispielen ganz konkrete Unterstützung im Umgang mit dem Internet. Unter der Leitung von Professor Dr. Stefan Ludwigs hat die Projektgruppe bereits im Jahr 2012 ein interaktives und multimediales Lernpaket entwickelt, das Schülern der Stufe sechs altersgerecht und praxisnah Möglichkeiten wie auch Risiken des Internets bewusst machen soll. „In der sechsten Klasse werden kritische Weichen für das Mediennutzungsverhalten und das Informationsverhalten gestellt“, erläutert Professor Ludwigs. Methodisch-didaktisch setzt die AG mit sechs Unterrichtsstunden auf praxisnahe Fallbeispiele aus dem Alltag von Kindern. Mit speziell für den Unterricht produzierten Clips und Übungsblättern werden die Schüler dazu motiviert, Probleme selbst zu erkennen, zu reflektieren und zu lösen. Das Projekt wurde bereits an zehn Schulen erfolgreich durchgeführt. Die Inhalte der AG werden permanent aktualisiert. www.schlau-durchs-netz.de

Download-Link: BLIKK-Medien Studie: Kinder und Jugendliche im Umgang mit elektronischen Medien (PDF-Datei)