Gewalt gegen Frauen: Neues Webangebot

Hilfeangebote für Mädchen und junge Frauen mit Behinderung
Gewalt-Opfer: Informationen und Hilfeangebote für Mädchen und junge Frauen mit Behinderung bietet ein neues Webportal (Foto: © denys_kuvaiev/fotolia.com)

Mädchen und Frauen mit geistigen oder körperlichen Einschränkungen sind besonders häufig Opfer von Gewalt. Sie werden laut einer Studie zwei bis dreimal häufiger Opfer von sexualisierter Gewalt als der Durchschnitt der weiblichen Bevölkerung. Im Rahmen eines vom Land Nordrhein-Westfalen geförderten Projekts bietet das bislang bundesweit einmalige Internetportal www.mädchensicherinklusiv-nrw.de Informationen und Hilfeangebote für Mädchen und junge Frauen mit Behinderung oder chronischer Erkrankung. Beratung per Chat, E-Mail oder Telefon wird vermittelt.

Einfacher Zugang

„Das Portal ist ein leicht zugängliches Hilfe- und Beratungsangebot, dass sehr genau an den Bedürfnissen und Bedarfen der Zielgruppe orientiert ist. Es unterstützt die Selbstbestimmung von Mädchen und jungen Frauen mit Behinderung oder chronischer Erkrankung und trägt zu ihrem verbesserten Schutz vor Gewalt bei“, erklärte Ministerin Barbara Steffens hierzu in Düsseldorf. „Nicht nur die Inhalte sind auf die Lebenswirklichkeit der Nutzerinnen abgestimmt, sondern auch die verschiedenen Formen der Darstellung. Damit möglichst viele Betroffene das Portal nutzen können, sind die Angebote auch in Leichter Sprache und auf Türkisch beziehungsweise als Videos in Gebärdensprache verfügbar“, so Steffens weiter.

Die Gründe, warum Frauen mit Behinderung häufiger Gewalt erfahren, sind vielfältig: Neben einer möglicherweise eingeschränkten Abwehrfähigkeit können ausgeprägte Abhängigkeitsverhältnisse zu anderen Menschen, geringes Selbstwertgefühl sowie Tabuisierung von Sexualität eine Rolle spielen. Auch Verständigungs- und Verständnisschwierigkeiten und ein Mangel an Information über Selbstbestimmung und sexuelle Selbstbestimmung tragen dazu bei.

Direkte Beratung

Das Internetangebot wurde deshalb so aufbereitet, dass es für möglichst viele Betroffene zugänglich ist. Die Videos in Gebärdensprache beispielsweise erleichtern Nutzerinnen mit Hörproblemen, die Schwierigkeiten haben, die Schriftsprache zu verstehen, den Zugang zu den Informationen. „Ein weiterer wichtiger Baustein des Projekts ist die Beratung per Chat, E-Mail oder Telefon. Damit haben Betroffene einen direkten Draht zu den Hilfeangeboten. Das stärkt ihre Unabhängigkeit und Selbstbestimmung“, so Steffens.

Das Portal mädchensicherinklusiv-nrw.de ist Teil des Projektes „Mädchen sicher inklusiv – Gewaltprävention und Gewaltschutz für Mädchen und junge Frauen mit Behinderung/chronischer Erkrankung“ des Mädchenhauses Bielefeld. Die Einrichtung bietet vor Ort auch persönliche Beratungsgespräche an.

Info:
Gewalterfahrungen von Frauen mit Behinderungen

Als Erwachsene haben Frauen mit Behinderung Erfahrungen mit…
(in Klammern: Vergleichswert Frauen Bevölkerungsdurchschnitt):

  • psychischer Gewalt: 68 – 90 Prozent2 (45%)
  • körperlicher Gewalt: 58 – 75 Prozent (35%)
  • sexualisierter Gewalt: 21 – 43 Prozent (13%)

Quelle: Studie „Lebenssituation und Belastungen von Frauen mit Beeinträch­tigungen und Behinderungen in Deutschland“, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 2013