Gesundheitspreise für mehr Selbstbestimmung

Maria Hanisch (l.) erhält von NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens die Siegerurkunde für das Projekt „Patienten Begleitung – Kölsch Hätz Nachbarschaftshilfen“
NRW-Gesundheitspreis für vorbildliche Patientenbegleitung: Maria Hanisch (l.) erhält von NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens die Siegerurkunde für das Projekt „Patienten Begleitung – Kölsch Hätz Nachbarschaftshilfen“ (Foto: © LZG 2016/ Jardai)

Fünf Projekte, die beispielhaft zeigen, wie die Selbstbestimmung von Patienten gestärkt werden kann, hat NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens mit dem „Gesundheitspreis Nordrhein-Westfalen 2016“ ausgezeichnet.

Ausschlaggebend für die Auszeichnung waren unter anderem der Innovationscharakter der Projekte und die gesundheitswissenschaftliche Bewertung. Schwerpunkt der diesjährigen Ausschreibung war die Stärkung der Selbstbestimmung von Patientinnen und Patienten.

Der mit 5.000 Euro dotierte erste Preis des „Gesundheitspreis Nordrhein-Westfalen 2016“ geht an das Projekt „Patienten Begleitung – Kölsch Hätz Nachbarschaftshilfen“ des Caritasverbandes für die Stadt Köln. Speziell geschulte Patientenbegleiter unterstützen allein lebende Senioren während, vor und nach einem Krankenhausaufenthalt. Die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter helfen bei alltäglichen Dingen wie zum Beispiel Einkäufen, Fahrten zu Nachsorgeterminen oder Gesprächen mit dem Krankenhauspersonal. Die vielfältigen Unterstützungsangebote sollen die Selbstständigkeit und einen längeren Verbleib der Alten in ihrer eigenen Wohnung begünstigen. Mit dem Projekt soll gleichzeitig ehrenamtliches Engagement gefördert und gestärkt werden.

Den zweiten Preis (3.000 Euro) erhält die „Selbsthilfeakademie NRW“ der Gesellschaft für Soziale Projekte des Paritätischen NRW (Wuppertal). Ziel ist die Entwicklung eines Fort- und Weiterbildungsangebotes für Akteure der Selbsthilfe unter anderem zur Projektplanung und -durchführung, zur Nachwuchsgewinnung oder zum Umgang mit gruppendynamischen Prozessen. Durch das geschaffene Forum werden der Austausch, das gemeinsame Lernen und die Vernetzung von Betroffenen und Interessierten in der Gesundheitsselbsthilfe unterstützt.

Engagierter Besuch im Krankenzimmer

Der 3. Preis (je 2.000 Euro) wird in diesem Jahr zwei Preisträgern zugesprochen: Dem Klinikum Leverkusen für das Projekt „Team der Patientenfürsprecher – unterwegs von Zimmer zu Zimmer“, das durch den Einsatz von unabhängigen Patientenfürsprechern die Patientenzufriedenheit im Klinikum verbessert. Die ehrenamtlich tätigen Fürsprecher halten regelmäßige Sprechstunden auf den Stationen ab, gehen auch aktiv auf Patienten zu und nehmen sich ihrer Sorgen, Nöte und Beschwerden an. Sie sollen die Bearbeitung von Beschwerden Betroffener und Angehöriger beschleunigen sowie die Patentenwünsche bei Entscheidungen zu Ausstattung und Prozessen im Krankenhaus vertreten.

Info:
Weitere Informationen zu den Preisträgern und dem Gesundheitspreis im Internet unter www.gesundheitspreis.nrw.de

Ebenfalls mit dem 3. Preis ausgezeichnet wird die Stiftung Evangelisches Krankenhaus Düsseldorf für die Implementierung „Behandlung im Voraus planen“ im Palliativnetzwerk der Stiftung. Mit dem Projekt werden Menschen dabei unterstützt, sich frühzeitig Klarheit darüber zu verschaffen, welche Form der medizinischen Behandlung sie für den Fall wünschen, dass sie sich in einer schweren gesundheitlichen Krise nicht mehr selbst äußern können – und wie sie ihre Wünsche, auch zur Entlastung der Angehörigen, unmissverständlich festlegen können. Speziell geschulte Gesprächsbegleiter – führen ausführliche Gespräche mit Patienten, so dass Betroffene die Gelegenheit haben, komplexe medizinische Sachverhalte umfassend zu hinterfragen und Entscheidungen für sich persönlich zu treffen. Auf Wunsch füllen die Begleiter gemeinsam mit dem Patienten eine umfassende Patientenverfügung und eine Anordnung für den Notfall aus.

Sonderpreis für Grundschulprojekt

Ein Sonderpreis geht in diesem Jahr an die Ärztekammer Nordrhein sowie die AOK Rheinland/Hamburg für das Projekt „Ich kenn’ mich aus“. Ziel des Grundschulprojektes ist es, sozial benachteiligten Kindern, zum Beispiel Kindern mit einer Behinderung oder Kindern mit Deutsch als Zweitsprache, in ihren besonderen Lebenssituationen den Zugang zur medizinischen Vorsorge und Versorgung zu erleichtern. Gerade für Kinder, die aufgrund von sprachlichen oder kognitiven Einschränkungen mehr Zeit benötigen, um sich auf unbekannte Situationen einzustellen, ist es hilfreich, medizinische Untersuchungsabläufe im Vorfeld einer Erkrankung zu kennen, zu verstehen und sie sprachlich zu durchdringen. Das hilft den Kindern, Ängste abzubauen und Hilfe früher in Anspruch zu nehmen. Zudem fördert diese Form der Unterstützung die Selbständigkeit und stärkt langfristig die Gesamtpersönlichkeit der Kinder.

„Die eingereichten Projekte zeigen, dass es in Nordrhein-Westfalen viele engagierte Menschen gibt, die bereit sind, neue Wege zu gehen und anspruchsvolle, kreative Lösungen umsetzen“, so Ministerin Barbara Steffens. „Die Siegerprojekte sind Vorbild für andere Einrichtungen und Bereiche im Gesundheitswesen, denn nichts ist überzeugender als gelungene Beispiele“, erklärte die Ministerin anlässlich der Preisverleihung in Düsseldorf.