Freie Ärzteschaft will Online-Anbindung von Arztpraxen stoppen

„Medizinische Daten dürfen weder zentral gespeichert noch per Handy-App verwaltet werden“, so FÄ-Bundesvorsitzender Wieland Dietrich. (Foto: Freie Ärzteschaft e. V.)

Angesichts des jüngsten Hackerangriffs auf die Daten von Politikern und Prominente verweist die Freie Ärzteschaft (FÄ) jetzt auf die Bedrohung von Gesundheitsdaten von Millionen Bundesbürgern. Ein 20-jähriger Schüler hatte die Daten aus Ärger auf Politiker und Prominente gestohlen und im Internet veröffentlicht. Nach Ansicht des FÄ genügt eine Aufklärung jedoch nicht, die Verantwortlichen sollen umdenken.

„Wir fordern ein generelles Umdenken beim Umgang mit so hochsensiblen Daten wie medizinischen Daten. Sie dürfen weder zentral gespeichert noch per Handy-App verwaltet werden“, so -Bundesvorsitzender Wieland Dietrich. Er fordert Bundesgesundheitsminister Jens Spahn auf, den „digitalen Datenwahn im Gesundheitswesen sofort zu stoppen und sich um den Schutz medizinischer Daten zu kümmern”.

Es sei nicht nachvollziehbar, dass die Aufregung bei Cyberangriffen auf Daten von Politikern und Prominenten derartig groß sei, während Gesundheitsdaten und andere persönliche Daten der Bürger täglich bedroht seien und gestohlen würden. FÄ-Vizevorsitzende Dr. Silke Lüder betont, dass medizinische Daten ausschließlich dezentral gespeichert werden sollten.

Online-Anbindungs-Pflicht für Praxen aussetzen

Besonders kritisch sieht der Verband die Verpflichtung von Arztpraxen, sich an die zentrale Telematikinfrastruktur (TI) anzuschließen: Sie müsse sofort ausgesetzt werden. Außerdem fordert der FÄ alle Sanktionen zu streichen, die den Ärzten bei Nichtanschließen an die TI drohen. „Ärztinnen und Ärzte unterliegen der Schweigepflicht – die Politik hat die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass sie diese einhalten können”, heißt es. Zudem gelte für alle Bürger das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung, besonders auch hinsichtlich ihrer Gesundheitsdaten.

In diesem Zusammenhang verweist der Verband darauf, dass es in den vergangenen Jahren gab es bereits zahlreiche Cyberangriffe auf Regierungsinstitutionen gab, etwa 2015 auf den Bundestag oder 2010 auf einige Bundesministerien und das Kanzleramt. Darüber hinaus haben weltweit bereits mehrfach Datendiebstähle im Gesundheitswesen für Aufsehen gesorgt, etwa in Australien, England, USA, Dänemark und Norwegen.

Telematikinfrastruktur schutzlos

„Es ist absolut nicht vorstellbar, dass eine Telematikinfrastruktur in Deutschland, auf die bis zu zwei Millionen im Gesundheitswesen Beschäftigte Zugriff haben sollen, geschützt werden kann“, so FÄ-Chef Dietrich. Daten, die über die elektronische Gesundheitskarte zentral in der Telematikinfrastruktur oder über andere internetbasierte Speichermedien gesammelt würden, seien ständig in höchster Gefahr, gehackt zu werden.